: Paula Kalhaty
: Der Feuerbrand Historischer Roman
: Burgenwelt Verlag
: 9783943531732
: 1
: CHF 4.40
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 100
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wer Feuer sät, wird Feuer ernten / Die Safranfälscherin und die Geister der Vergangenheit Oberösterreich im Jahr 1444 - Das beschauliche Leben der einstigen Safranfälscher Els und Gerd im Dorf Lammrain nimmt ein jähes Ende: Ihre Tochter Apolonia wird entfu?hrt. Ein rotes Band, das sie zuru?cklassen konnte, bringt Gerd nach Turmberg, dem Sitz des Raubritters Jakob Kyenberger. Was bezweckt der Kyenberger mit dem entfu?hrten Mädchen? Und welches Geheimnis hu?tet seine Schwester, die ebenso schöne wie unnahbare Isolda? Ist sie der Schlu?ssel zu Apolonias Freiheit? Während Gerd nichts unversucht lässt, um seine Tochter zu retten, sehen sich Els und ihre alte Freundin Magdalin daheim von brandschatzenden Söldnern bedroht. Schmerzlich müssen Gerd und Els erkennen, dass alte Sünden niemals wirklich vergeben sind. Und die Vergangenheit hat sie bereits eingeholt ... Paula Kalhatys historischer Roman »Der Feuerbrand« spinnt die Handlung von »Die Safranfälscherin« weiter und schickt Els und Gerd in ein weiteres atemberaubendes Abenteuer.

Angaben zur Person: Paula Kalhaty hat ihre Wurzeln in der Tschechischen Republik. Als entschiedene Verweigerin von Smartphones, WhatsApp, Twitter& Co. hätte sie gut in das Mittelalter gepasst, wo ihr Berufswunsch Spielmannsweib gelautet hätte. Oder Hexe. Sie begeistert sich für mittelalterliche Literatur und Musik und liebt Burgruinen genauso wie alte Bücher.

Erstes Kapitel

 

Kunlein!«, schrie Apolonia, ihre Kinderstimme schrill und durchdringend genug, um die Nadeln von den Fichten ringsum zu schrecken. »Komm! Sag, wo ich bin!«

Kunlein lächelte nur und winkte ins Feld. Inmitten der feurigen Pracht strahlten Apolonias fuchsblondes Haar und die Bänder darin umso röter, als wollte beides mit den Ringelblumen wetteifern.

Ein ganz besonderes Pflänzchen war dieses mit seinen kecken blauen Augen, aus denen der Schalk blitzte.

»Komm!«

Sie seufzte, als sich das Pflänzchen duckte und zwischen den Ringelblumen verschwand. Apolonia aber setzte fast immer ihren Willen durch und so betrat Kunlein nun doch das leuchtende Feld.

»Na gut«, entschied sie laut und folgte dem schmalen Pfad, den die Kinderfüße getreten hatten. »Ich werde deiner Mutter ein Sträußlein pflücken. Wo sind nur die schönsten Blüten? Hilfst du mir suchen?«, schloss sie hoffnungsvoll und spähte um sich.

Ein Kichern war die Antwort.

Unbeirrt beugte sich Kunlein hierhin und dahin, zwackte links mit zwei Fingern eine Blüte ab und rechts eine und …

»Ha!«, rief sie triumphierend, als sich ihre Hand um einen zarten Kinderfußknöchel schloss. »Wer hat denn eine Plageblüte in unser schönes Feld gesetzt?«

Apolonia quietschte empört und krümmte sich, doch sie erreichte nur, dass Kunlein statt des Fußknöchels ihr Handgelenk zu fassen bekam und sie hochzog.

»Da wird sich deine Mutter freuen, wenn ich ihr diese Plageblüte bringe. Bestimmt kocht sie aus dir eine hervorragende Salbe gegen brandiges Bein.«

Angewidert verzog Apolonia das Gesicht. Und kaum lockerte Kunlein den Griff um ihr Handgelenk, entwischte ihr das jüngere Mädchen auch schon und sprang flink wie ein Reh aus dem Feld in den Wald.

»Ich – bin – keine – Plage…!«, hörte Kunlein – gefolgt von einem schrillen Schrei.

Das Blut gefror ihr in den Adern. Schreckensbilder huschten durch ihren Kopf: lüsterne Söldner und heulende Mädchen, das Grinsen eines entzweigehackten Mauls. Sie stürmte hinter Apolonia her, zertrampelte die Ringelblumen, verlor einen Schuh – doch Apolonia tauchte schon wieder am Rande der Lichtung auf und lief zurück ins Feld, einen räudigen Köter im Schlepptau.

»Er ist ein Wolf!«, erklärte sie Kunlein, die mit notdürftig geschnürtem Schuh herbeihumpelte, um sie zu schelten. »Ein wilder, hungriger Wolf. Er möchte gern Jungfrauen fressen, aber die Söldner haben ihm so wenige übrig gelassen.« Das sagte sie mit aller Unschuld eines Kindes. »Darum leidet er nun furchtbaren Hunger.«

Sie setzte sich ins Feld, warf dem Köter ein Stöcklein und quengelte: »Hör auf!«, als sich Kunlein zu ihr hockte und mit den Fingern ihr Haar zu kämmen begann.

»Du siehst selbst aus wie ein wilder, hungriger Wolf.« Der Köter brachte das Stöcklein zurück. Als Lohn dafür und um Kunlein die Beleidigung zu vergelten, stibitzte Apolonia für ihn ein Stück Brot aus deren Beutel.

»Glaubst du, ich gebe dir meine Bänder, nur damit du sie verlierst?