: Katharina Gerwens, Herbert Schröger
: Die Gurkenflieger von Kleinöd Ein Niederbayern-Krimi
: Piper Verlag
: 9783492983587
: Kleinöd-Krimis
: 1
: CHF 4.50
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das niederbayerische Kleinöd steht kopf: Der vierjährige Paul Daxhuber ist spurlos verschwunden. Die Großeltern, bei denen er aufwächst, seit seine Mutter Corinna ihn dort ablieferte, sind verzweifelt. Auch die polizeilichen Ermittlungen unter der Leitung von Franziska Hausmann werfen zunächst nur weitere Fragen auf: Warum verschwand Corinna damals so plötzlich? Hat sie womöglich ihr eigenes Kind entführt? Und welche Rolle spielen die polnischen Erntehelfer, die mit den Gurkenfliegern auf den Feldern ihre Runden drehen? Hinter der scheinbar idyllischen Fassade des Dorfes lauern ungeahnte Abgründe ...

Katharina Gerwens wuchs in einem Dorf im Münsterland auf. Nach ihrer Ausbildung zur Journalistin arbeitete sie in verschiedenen Verlagen und ist heute als freie Autorin tätig. Sie lebt mit Mann und Katze in Niederbayern. Gemeinsam mit Herbert Schröger verfasste sie eine Reihe von Niederbayern-Krimis, die im fiktiven Ort Kleinöd spielen. Allein veröffentlichte sie bereits mehrere Krimis, unter anderem die Reihe um Franziska Hausmann, die im Bayerischen Wald spielt.

Erstes Kapitel

»Schach«, tippte Georg Cannabich in seinen Computer, als Gertraud Halber die Tür öffnete und die beiden Männer in das Redaktionszimmer schob. Er sah ihnen sofort an, dass sie nicht aus Landau stammten, sondern aus einem jener kleinen niederbayerischen Käffer, für die er tagtäglich Artikel im Landauer Anzeiger schrieb. Vermutlich hatte er es mit treuen Stammlesern des Lokalteils zu tun. Er erkannte es an der Art und Weise, wie sie sich umschauten – als hätten sie soeben ein gänzlich neues Land betreten, an dessen Existenz sie noch kurz zuvor nicht ernsthaft geglaubt hätten.

Mit dem Ellenbogen schloss er die große Schreibtischschublade, in der das virtuelle Spiel, das er so schon so gut wie gewonnen hatte, auf einem echten Brett nachgestellt war. Routiniert ließ er seine Finger über die Tastatur gleiten: »Habe zu dieser vorgerückten Stunde noch Arbeit bekommen. Muss Schluss machen.«

Nicht einmal beim Spätdienst hat man seine Ruhe, dachte er und fügte noch rasch in die E-Mail an seinen Widersacher, der unter dem Pseudonym »Königsmörder« mit ihm spielte, den Satz ein: »Sieht übrigens ganz nach Matt aus, Brutus! – Bis morgen.« Dann loggte er sich aus und wandte sich seinen Besuchern zu.

Die beiden mochten Mitte fünfzig sein. Der eine hatte eine Polizeiuniform an und trug eine Aktentasche bei sich. »Schmiedinger«, stellte er sich vor. »Schmiedinger Adolf. Mir kommen von Kleinöd.«

Der andere Mann trug einen hellen Cordhut, den er jetzt abnahm, eine grüne Lodenjacke mit Hirschhornknöpfen über einem weiß-blau karierten Hemd und eine ausgebleichte, aber frisch gewaschene Jeans mit Bügelfalte. Dazu Haferlschuhe. An seinem Handgelenk baumelte ein braungoldenes Plastiktäschchen mit der Aufschrift »125 Jahre Karstadt«. Er hielt es offenbar nicht für nötig, sich vorzustellen, vielleicht war er aber auch zu sehr von den Redaktionsräumen beeindruckt.

Georg Cannabich warf einen schnellen Blick auf die große Uhr an der Stirnseite des Redaktionszimmers. Es war genau 21.47 Uhr. Bis 23 Uhr hatte er Dienst. Da würde wohl kaum ein weiteres Spiel drin sein. Na gut, dann eben nicht.

»Kleinöd«, nickte er. »Kenn ich nur vom Hörensagen. Soll aber ganz nett sein. Cannabich heiß ich, Georg Cannabich. Ich bin heute der Redakteur vom Dienst. Was kann ich für Sie tun? Ist was passiert?«

Er stand von seinem Schreibtisch auf, gab beiden Männern die Hand und wies auf die Besucherstühle.

»Darf ich Ihnen einen Kaffee anbieten oder lieber ein Wasser?«

»Einen Schnaps, wenn S’ möglicherweise grad einen da hätten, des wär mir jetzt fast am allerliebsten«, murmelte der Uniformierte und ließ sich ächzend auf einem schwarzen Lederschwinger nieder, der unter seinem Gewicht bedenklich durchhing.

Der Begleiter des Polizisten stand stocksteif da. Er knetete mit beiden Händen den Cordhut und war leichenblass. Sein Kinn zitterte. Georg Cannabich seufzte voller Anteilnahme und nickte ihm beruhigend zu.

Adolf Schmiedinger zeigte mit dem Finger auf seinen Begleiter und sagte: »Ihm seinen Enkel, den haben s’ entführt. Der ist weg. Fort! Spurlos verschwunden! Entführt ham die den, des garantier ich Ihnen, da geb ich Ihnen Brief und Siegel da drauf! Unsereins hat halt einen Riecher für so was. Deswegen sind mir ja auch da. Ich hab logisch gleich eine Anzeige aufgenommen, aber w