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Larry Virgil ist ein schlaksiger, schmieriger Typ um die vierzig. Er wohnt allein, in einem Zimmer hinter seiner Autowerkstatt in der Baker Street in North Trenton. Seit mindestens zehn Jahren hat er sich nicht mehr die Haare schneiden lassen. Er trinkt zu viel, und angeblich missbraucht er Frauen. Auf seine Stirn hat er sich einen Hot Dog mit Hoden tätowieren lassen, könnte auch ein männliches Glied sein. Der Tätowierer war wohl kein Meister seines Fachs, für mich ist es ein Hot Dog.
Larry Virgil könnte mir völlig egal sein, wenn die Trenton Police ihn nicht vor einigen Wochen in flagranti erwischt hätte, als er gerade einen mit Kisten Premium Bourbon Whiskey beladenen Sattelschlepper kapern wollte. Virgil wurde verhaftet und umgehend gegen Zahlung einer Kaution durch den Kautionsagenten Vincent Plum, zufällig mein Cousin und Arbeitgeber, wieder freigelassen. Den Gerichtstermin vor einer Woche ließ Virgil verstreichen, und Vinnie ist ordentlich angepisst. Wenn Virgil der Justiz nicht wieder zugeführt wird, verliert Vinnie seine Kaution.
Mein Name ist Stephanie Plum. Ich habe einen College-Abschluss, immerhin, aber keine besondere berufliche Qualifikation. In den letzten Jahren habe ich als Kopfgeldjägerin gearbeitet und Vinnies Kautionsflüchtlinge aufgespürt. Was mir an Kompetenz fehlt, mache ich durch Kamikaze und Zähigkeit wett, denn bezahlt werde ich nur bei Erfolg.
Es war zehn Uhr abends, Mitte September, und schon so kalt, dass ich außer einem T-Shirt gut noch ein Sweatshirt gebraucht hätte. Ich observierte gerade Virgils Dreiergarage und hoffte, dass er aus dem Haus kam oder reinging, damit wir ihn festnehmen konnten. Ich war nicht allein, am Steuer meines Fluchtwagens saß Lula. Seit zwei Stunden hockten wir hier, und meine Augen schielten schon vor lauter Langeweile.
»Das bringt doch nichts«, sagte ich. »Er geht nicht ans Telefon, und in seinem Haus brennt kein Licht.«
Lula ist eine ehemalige Prostituierte, die Vinnie vor langer Zeit mal als Sekretärin für die Aktenablage eingestellt hat. Als die gesamte Kommunikation digitalisiert wurde, fand er nicht den Mut, Lula vor die Tür zu setzen. Jetzt erscheint sie jeden Tag zur Arbeit und macht das, wozu sie gerade Lust hat. Meistens hängt sie mit mir ab. Sie ist etwas kleiner geraten als ich, bringt aber in ihren engen Klamotten weit fülligere Formen unter. Ihre Hautfarbe ist braun, ihre Haltung ein gereiztes Hä? und ihr Haar momentan pink gefärbt.
Gegen Lula verblasse ich. Mein schulterlanges braunes, l