EIN MENSCH WIRD
Es gibt auf der Welt zwei Arten von Schwangeren, ich habe den Unterschied in der wissenschaftlichen Darstellung oben verdeutlicht. Abbildung A symbolisiert die aufreizend gesund Aussehenden und Abbildung B diejenigen, die wirken, als würden sie gleich umkippen und sterben.
Ich? Ich war Typ B (juhu).
Noch heute geht es mir so, dass ich, wenn jemand zu mir sagt: »Oh, mir war morgens kein bisschen übel«, den Drang verspüre, die Betreffende ein bisschen zu fest in die Wange zu kneifen und zu sagen: »Ach, wie schön für dich.«
Übelkeit ist für mich schlimmer als Schmerzen, und mir wurde sehr schnell klar, dass Morgenübelkeit sich keineswegs nur auf den Morgen beschränkt, sondern vielmehr ein anhaltendes allumfassendes Ganztagsunwohlsein bedeutet.
Außerdem fiel ich in die Kategorie derer, die unter Morgenübelkeit leiden, sich aber nicht übergeben müssen. Diejenigen, die ständig das Gefühl haben, dass es ihnen hochkommt, aber es passiert nichts. Es ist eine merkwürdige Variante, denn einerseits besteht, wenn Sie sich nie wirklich übergeben müssen, im Prinzip keinerlei Notwendigkeit, alle paar Minuten ins Bad zu rennen. Andererseits ist trockenes Würgen im Beisein anderer Leute nicht sonderlich anziehend. In den ersten Wochen war ich häufig versteckt hinter einem Möbelstück oder einem günstig platzierten Busch anzutreffen.
Die einzige Möglichkeit, mit der Übelkeit zurechtzukommen, bestand darin, zu essen, zu essen und gleich wieder zu essen. Ich durfte nie zulassen, dass ich auch nur annähernd hungrig wurde, denn dann stieg das Unwohlsein mit Macht in mir hoch. Meine Taschen waren immer voller Süßigkeiten und Kekse, die ich mir in den Mund stopfte, wenn gerade niemand zusah, weil ich Angst hatte, man würde mein zunehmend unberechenbares Verhalten kritisch beurteilen. Denn pausenloses Reinschaufeln im Gebüsch, während man leichenblass in die Gegend stiert, wirkt kein bisschen verdächtig, stimmt’s?
Ich meine, wie wollen Sie eine Schwangerschaft geheim halten, bitte? Noch so eine üble Angelegenheit, mit der Sie zurechtkommen müssen, sind gesellschaftliche Anlässe, denn Sie müssen einen Bogen um Alkohol machen. Ich nehme an, das ist in Ordnung, wenn Sie zu denen gehören, die aus Gründen der Bequemlichkeit oft fahren oder sich irgendeinem gesunden Lifestyle-Scheiß verschrieben haben, aber was, wenn Sie eine von denen sind, die eine Runde Fliegender Hirsch ausgeben, bevor sie zum Karaoke übergehen, weil sie total vergessen haben, dass sie keine Teenager mehr sind?
Ich will damit nicht sagen, dass ich in die zweite Kategorie falle. Könnte ich aber.
Gehören Sie zu den peinlichen Saufeulen (oder »Mädels, die gerne Spaß haben«, wie ich sie nenne), dann wird es ein bisschen schwieriger, Ihren Zustand zu verbergen, aber unmöglich ist es nicht. Ich habe am Anfang der Schwangerschaft mit Hilfe einer eingeweihten Freundin meinen dreißigsten Geburtstag überstanden, ohne dass jemand was ges