: Till Berger
: Offshore Thriller
: Goldmann Verlag
: 9783641213466
: 1
: CHF 2.70
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 432
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Paul Margis, Experte der Bundesregierung, versteht die Welt nicht mehr. Eben noch konnte er in Chile einen bahnbrechenden Verhandlungserfolg verkünden – eine internationale Partnerschaft zur Ausschöpfung einer neuen Rohstoffquelle im Pazifik. Im nächsten Moment will man ihm den Mord an dem Wissenschaftler anhängen, der die neue Abbautechnologie erforschte. Um seinen Ruf zu retten, muss Paul herausfinden, was der Tote wusste. Doch damit gerät er erst recht ins Visier machtvoller Gegner und in den Strudel eines Komplotts, das von den chilenischen Kupferminen bis an die internationalen Börsen und in die höchsten Ebenen der Politik reicht …

Till Berger wurde am 11. Januar 1979 in Bern geboren und ist studierter Biologe und Umweltwissenschaftler. Als unabhängiger Berater hat er sich mit Fragen rund um die nachhaltige Entwicklung auseinandergesetzt und fokussierte seine Arbeit auf die Förderung erneuerbarer Energien und die Reduktion von Treibhausgasemissionen. Seit Anfang 2014 ist er für die Entwicklung und Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie des Schweizerischen Bundesrates verantwortlich. Privat ist er Musikproduzent und führt ein Musikstudio. Seine Arbeit als Autor begann 2001 mit Kurzgeschichten, 2015 veröffentlichte er seinen ersten Roman »Breakdown – Welt am Abgrund«.

2

Muelle Prat, Valparaíso, Chile

»Dies ist ein historischer Moment.«

Gregor Elsner machte eine effektvolle Pause und bedachte sein Publikum mit einem bedeutungsschweren Blick. Zugegen waren Journalisten aller internationalen Medienhäuser und geladene Ehrengäste. Unter ihnen die Außenminister von Frankreich, Russland, Großbritannien, Indien und China, Botschafter aus weiteren zwanzigUNO-Mitgliedsstaaten sowie dieCEOs der großen globalen Rohstoffkonzerne wie Pemay, Teufen, Belmont und Sintex. Alle hatten die Einladung angenommen. Niemand wollte sich dieses Ereignis entgehen lassen, das nicht weniger gewichtig angekündigt worden war als die Rede des deutschen Wirtschaftsministers.

Der Staatsakt fand im Hafen von Valparaíso statt, einem der ehemals größten Handelsknotenpunkte am Pazifik. Auf beiden Seiten des Ministers wehten die deutsche und die chilenische Flagge. Vor ihm lag am anderen Ende der Plaza Sotomayor die Armada de Chile, der im neoklassischen Stil erbaute Hauptsitz der chilenischen Marine. Im Hafenbecken hinter ihm thronte dieTrias-Ex, ein Schwergutfrachter vom Typ Scan-Polaris. Mit seinen hundertsechzig Metern Länge und dreiundzwanzig Metern Breite ließ er die vor ihm auf dem Wasser schaukelnden Fischerboote wie Spielzeug aussehen.

Aber der eigentliche Blickfang der Feierlichkeit war das gelb verschalte Tauchgerät, das sich neben der Bühne befand. Der zwei Stockwerke hohe Apparat war auf einem Podest aufgebaut und sah aus wie ein flach gedrücktes U-Boot mit seitlichen Flügeln. Seine Form erinnerte entfernt an einen Mantarochen. Die Eleganz des Rumpfs wurde jedoch von einer Apparatur überschattet, die sich an der Spitze des Geräts befand. Es handelte sich dabei um eine Walze mit einem Durchmesser von etwa einem Meter, aus der dicht an dicht schlauchartige Ausstülpungen ragten. Sie sahen aus wie die zu kurz geratenen Arme eines Oktopus, nur, dass sich an ihren Enden etwa fußballgroße Öffnungen befanden.

»Durch einen Technologiesprung zur Industrie Vier Punkt Null hat ein neues Kapitel in der Rohstoffversorgung der Welt begonnen.« Gregor Elsner wies auf das Gerät an seiner Seite. »Mit einer neuen, intelligenten Fördermaschine, inspiriert von der Drohnentechnologie des Militärs, wird eine historische Wende eingeläutet: der Zugang zu unermesslichen Rohstoffmengen in der Tiefsee in mehr als fünftausend Metern Tiefe. Dank der neuen Technologie können die Bodenschätze nun wirtschaftlich und mit nur minimalem Impact auf die Umwelt gefördert werden. Damit entsteht eine neue, zuverlässige Rohstoffversorgung für die industrielle Entwicklung, die angesichts des weltweit ungebremst wachsenden Bedarfs dringend benötigt wird …«

Paul Margis sah auf die Uhr.

»Nervös?«, fragte Lennard Price, der neben ihm in der ersten Reihe saß.

Paul rückte sich zum gefühlt hundertsten Mal die Krawatte zurecht. Der Hemdkragen fühlte sich eng an.

»Ein bisschen«, sagte er.

»Ein bisschen?« Lennard hob die Augenbrauen. »Also, ich hätte einen ziemlichen Zirkus im Kopf, wenn ich gleich auf jedem Kontinent über die Bildschirme flimmern würde.«

Paul versuchte, nicht besonders beeindruckt zu wirken. Aber natürlichwar er beeindruckt. Er hatte in letzter Zeit nahezu täglich für ein Interview oder ein Politmagazin vor der Kamera gestanden, das gehörte zu seinem Job. Aber das hier war ein ganz anderes Kaliber. Hinter den Stuhlreihen, die für Print- und Onlinemedien reserviert waren, befanden sich die Kameras von vierzehn Fernsehsendern: BBC, CNBC, EuroNews, Bloomberg, France24, Russia Today, China Central Televisio