: Anton Svensson
: Der Andere Thriller
: Goldmann Verlag
: 9783641165642
: 1
: CHF 2.70
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 512
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Leo wischt das Blut im Flur auf. Was geschehen ist, geht niemanden etwas an. Sie sind jetzt allein. Er trägt jetzt die Verantwortung für seine Brüder, während die Mutter im Krankenhaus und der Vater im Gefängnis ist. Und er weiß genau, was er tun wird. Er wird seinen ersten Coup begehen. Viele Jahre später verlässt Leo nach einer Serie von schwersten Raubüberfällen das Gefängnis. Und er hat nur ein einziges Ziel: das absolute Verbrechen begehen. Doch zum ersten Mal muss er ohne seine Brüder planen. Und als Kriminalinspektor Broncks merkt, wer Leos neuer Partner ist, ändert sich alles. Diesmal ist er zu weit gegangen …

Anton Svensson ist das Pseudonym von Anders Roslund und Stefan Thunberg. Roslund ist einer der erfolgreichsten skandinavischen Krimiautoren. »Der Vater« und »Der Andere« basieren auf wahren Ereignissen: Während Stefan Thunberg sich mit Drehbüchern einen Namen machte, wurden seine Brüder die meistgesuchten Kriminellen Schwedens.

Blut. Noch nie hat er darüber nachgedacht, wie rot es ist.

Und wie viel davon ein Frauenkörper enthält.

Genug, um eine ganze Küche, eine ganze Diele und die ganze Treppe vom dritten Stock bis zur Haustür rot zu färben. Und dennoch bleibt ihr genug, um die Flucht fortzusetzen, weg von hier.

Der Putzlappen in seiner Hand wird immer dunkler. Er drückt den Rücken durch, stellt seine Füße fest auf den Boden und stemmt sich mit seinem vollen Gewicht gegen denPVC-Boden der Küche, um auch noch den letzten Fleck zu beseitigen. Dann wäscht er den Lappen im warmen Wasser des Eimers aus und rutscht auf Knien auf die Schwelle und die klebrigen Ritzen zu.

Was geschehen ist, geht niemanden etwas an. So läuft das nun einmal in einer Familie.

Mama hat wie ein verwundetes Tier gejammert, als sie nach draußen rannte, ohne sich noch einmal umzudrehen, gejagt von den Blutspuren, an denen er immer weiter herumschrubbt, bis nichts mehr zu sehen ist.

Leo erhebt sich wieder und streckt die Beine aus, nachdem er lange in ein und derselben Stellung verharrt ist. Seltsam. Eigentlich müsste er erschöpft sein, doch er fühlt sich irgendwie aufgekratzt und ruhig zugleich. Und stärker denn je. Jeder seiner Gedanken ist klar. Er weiß genau, was er zu tun hat. Ein unvergleichliches Gefühl, vielleicht wie damals, als er zum ersten Mal etwas getrunken hat, jener Augenblick, kurz bevor er zu betrunken war. Nur dass das Gefühl jetzt viel besser ist.

Das Küchenfenster mit den gestreiften Vorhängen geht auf die Straße. Leo schaut hinaus, sucht mit dem Blick nach Mama, die nicht mehr da ist. Nur die Flecken sind geblieben.

Und Papa?

Ist er wirklich noch da? Warum sitzt er da unten im Auto, als wäre nichts geschehen? Worauf wartet er eigentlich? Die Polizei kann doch jeden Moment hier auftauchen, verdammt.

Papa ist vom Gefängnis in der Nähe von Stockholm direkt hierhergefahren und hat die Wohnung gestürmt, um Mama zu töten. Aber er, sein ältester Sohn, ist auf seinen Rücken gesprungen, hat ihm den Arm fest um den Hals gelegt und so lange gekämpft, bis Papa aufgeben musste.

Die Küche ist fertig, keine Spur mehr vom Blut, alles riecht sauber.

In der Diele ist es schwieriger. Dort ist sie mehrere Male ausgerutscht, und die Flecken sind größer, fast wie Pfüt