: Paula Kalhaty
: Die Safranfälscherin Historischer Roman
: Burgenwelt Verlag
: 9783943531701
: 1
: CHF 4.40
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 100
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das kostbarste Gewu?rz der Welt und eine Liebe, die Fälschung in Wahrheit verwandelt Linz im Jahr 1431 - Nach dem Tod ihrer Eltern warten auf die Baderstochter Els nur Zwangsehe und bittere Armut. Verzweifelt schließt sie sich dem Safranfälscher Gerd an, um ihrem schlimmen Schicksal zu entgehen - auch wenn ihr als Fälscherin die Hinrichtung droht. In Freistadt wollen sie und Gerd mit dem gefälschten 'roten Gold' ihr Glu?ck machen. Doch auf dem Weg dorthin lauern Henker, Räuber und hussitische Ketzer. Außerdem ist den Fälschern ein geheimnisvoller und mächtiger Feind auf den Fersen. Doch damit nicht genug: Im Angesicht von Gefahr, Abenteuern und der Hoffnung auf ein besseres Leben fällt es Els immer schwerer, in ihrer Beziehung zu Gerd zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden ... Paula Kalhatys historischer Roman »Die Safranfälscherin« ist eine berauschende Reise voller Geheimnisse, Intrigen, Gefahren und Liebe.

Paula Kalhaty hat ihre Wurzeln in der Tschechischen Republik. Als entschiedene Verweigerin von Smartphones, WhatsApp, Twitter& Co. hätte sie gut in das Mittelalter gepasst, wo ihr Berufswunsch Spielmannsweib gelautet hätte. Oder Hexe. Sie begeistert sich für mittelalterliche Literatur und Musik und liebt Burgruinen genauso wie alte Bücher.

Zweites Kapitel

 

Der Tag draußen brannte grell. Els fühlte sich, als träte sie aus einem Traum. Benommen setzte sie einen Fuß vor den anderen. Aller Wagemut und alle Vorfreude waren verflogen; jeder Schritt brachte sie dem Badehaus näher.

Auf halbem Weg durch die Pfarrgasse hörte sie Gejohle. Eine Horde Jungen rannte ihr entgegen, alle schmutzig wie die Ferkel und mit mancherlei Instrumenten versehen – mit Hölzern, die sie aufeinander schlugen, und mit geschnitzten Pfeifchen.

»Kommt – ins – Badehaus!«, brüllten sie. »Zieht – euch – nackig aus!«

Marktgänger blieben stehen, schimpften, lachten. Els spähte nach Hinz’ Brüdern, doch sie sah keinen. »Sauberes Wasser!«, johlten alle durcheinander, »kommt zum Bader Christann! Kommt, kommt zur Badestube an der Froschau!«

Die ersten waren an Els vorbei und die übrigen nahmen sie in ihre Mitte. Wie ein Stück Treibholz riss die schmutzige, lärmende Welle sie mit. Schelte und Keifen und schrille Kinderstimmen hallten in ihren Ohren, doch all das klang fern, als hätte sie den Kopf unter Wasser.

Was hatte ihr Chunrat zuletzt sagen wollen? Das Rätsel nagte an ihr. Sie musste an Chunrats glänzende Finger denken, an den Duft aus dem Mörser, süß und bitter wie Liebe.

Nur ein paar der Jungen wiesen den Badewilligen den Weg zur zweiten Linzer Badestube an der Froschau, der Rest war frech genug, sich bis in die Obere Badgasse zu wagen. Ihr Johlen lockte Örtlein vors Haus. Mit seiner Rute jagte er sie davon, hetzte ihnen auf krummen Beinen nach, fluchte, drohte – und Els sah die Tür zum Bad offen und unbewacht stehen. Welch Gunst der Stunde! Die kleinen Herolde hatte gewiss ihr seliger Vater geschickt! Flugs war sie drinnen und sprang die Treppe hoch.

Oben in der Kammer streifte sie in Windeseile ihre Schuhe ab, löste den Gürtel, riss an widerspenstigen Knöpfen und Hafteln und warf alles, Mantel, Suckl, Rock, aufs Bett. Sie lachte vor Erleichterung, als sie im Kittel stand. Niemand würde je von ihrem Wagnis erfahren. Frohen Mutes schlich sie zur Kammertür.

Die Tür flog auf. Nur ein rascher Seitwärtssprung rettete Els vor einem gebrochenen Kiefer. Der Scherer wankte herein. Hinter ihm auf der Treppe lauerte Örtlein mit einem Blick, der nichts Gutes verhieß.

Der Scherer sah Els, sah die Kleider auf dem Bett, sah alles.

»Hältst mich wohl für dumm?«, bellte er und packte grob ihren Arm. Els roch den Wein auf seiner Zunge, nicht sauren Trester, sondern den guten Malvasier, der für die Badegäste bestimmt war. Diensteifrig wackelte Örtlein herbei und reichte ihm die Rute.

Der Scherer schleifte Els zum Bett, stieß sie bäuchlings nieder und riss ihren Kittel hoch.

»Das – und das – und das – lass dir gesagt sein!« Einen Streich für jedes »das«. Weiter hieb der Scherer auf ihre Blöße ein, bis sich Els, um nicht zu schreien, die Lippen blutig gebissen hatte. Sie vergrub das Gesicht im kratzigen Strohsack und kniff ihre Augen gegen die Tränen zusammen.

Wieder und wieder sauste die Rute herab. Els hasste den Scherer.<