: Dirk Bernemann
: Die Zukunft ist schön Es gibt immer eine Zukunft
: Unsichtbar Verlag
: 9783942920360
: 1
: CHF 8.90
:
: Erzählende Literatur
: German
: 352
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Mann schläft durch unglückliche Umstände 113 Jahre lang und erwacht in einer Zukunft, die aus heutiger Sicht, wie das Paradies erscheint. Wie haben die Menschen das gemacht fragt sich der Protagonist und begibt sich auf eine Suche zurück durch unsere Zukunft. Dirk Bernemanns erster politischer Zukunftsroman. Dirk Bernemann denkt an die Zukunft. Aber nicht im Sinne von Bausparer und Lebensversicherungsabsolve nt. Nein, eher hat er das große Ganze im Visier. Deswegen hat er eine Utopie geschrieben. Die Welt in 113 Jahren. Und wissen Sie was? Nein? Diese Welt ist wunderbar. Der Autor von 'Ich hab die Unschuld kotzen sehen' und diversen anderen popliterarischen Machenschaften legt mit 'Die Zukunft ist schön' eine Sozialstudie hin, die die bestmögliche aller Welten beschreibt. Und wissen Sie noch was? Schon wieder Nein? Diese Welt ist verdammt nochmal möglich ...

Herr Bernemann wurde vor wenigen Jahren zwischen dem Ruhrgebiet und den Niederlanden geboren. Er wollte schon immer Bücher schreiben, denn malen war gar nicht seins. Also schrieb er, seit er es konnte, beginnend mit ungefähr 7 Jahren. Oh, ja, er hasste malen. Der Herr Bernemann ist beliebt in seiner Nachbarschaft, weil er nie mit seinen Nachbarn spricht. Worüber auch? Kunst vielleicht oder Wetter? Er war schon als Kind fasziniert von Musik und schönen, aber auch nicht so attraktiven Worten. Herr Bernemann ist in seinem Leben schon einige Male umgezogen, hat aber nie im Ausland gewohnt, obwohl er Deutschland als Institution kacke findet. Er mag Himbeeren und Ananas lieber als Kartoffeln und Rotkohl. Herr Bernemann schreibt Bücher voller Geschichten und Gedichte. Nicht alle Gedanken, die er hat, findet er selber gut, einige hasst er sogar. Die deutsche Sprache ist für den Herr Bernemann ein Fahrzeug mit dem er in alle Regionen menschlichen Empfindens einfahren kann. Seine Texte sind wie alte Bekannte mit neuen Gesichtern, wie alte Drogen mit neuen Wirkstoffen, wie bekannte Plätze mit neuen Häusern. Er findet es im Moment nicht doof bekannt zu sein (Stand Sept. 2007), findet es aber doof mit Idioten bekannt zu sein, um mit denen Bratwurst oder so zu speisen. Der Herr Bernemann hat keine ansteckenden Krankheiten. Er ist außerdem untalentiert an folgenden Instrumenten: Alphorn, Oboe und Akkordeon, dafür spielt er ein wenig Gitarre und kann mit seinem Computer Musik machen, was er auch macht und zusammen mit Benedikt Ator die Band HORQUE gegründet hat. Nein, der Herr Bernemann ist weder essgestört noch depressiv noch hat er irgendwelche abgefahrenen Neurosen. Er hat normalen Appetit und lacht über Witze wie: Wo wohnen Katzen am liebsten? Im Miezhaus. Er hat noch nie versucht, sich oder andere umzubringen. Herr Bernemann inszeniert nicht sich, sondern seine Ironie. Dekadenz ist für Arschlöcher, call him Arschloch. Er liebt Kultur, seinen Wortschatz und manchmal sogar sich selbst. Er ist nicht elegant, sieht aber immerhin noch gut aus, wenn er auf die Fresse fällt.

»… my dear utopia,

Why don’t you do it just for me

Or for the grace of history …«

Phillip Boa –Utopia

eute ist der 15. Oktober 2126. Ein entspannter Herbsttag in einer mehr als besseren Welt. Ohnehin sind gerade viele Tage entspannt. Draußen raschelt das Laub, was schnell erahnen lässt, dass es noch Bäume gibt. Eine gute Sache. Eine Welt, in der es Bäume hat, ist erst mal augenscheinlich in einem ökologischen Gleichgewicht. Wer jetzt von Anfang an auf eine Zombieapokalypse oder einen Atomkrieg spekuliert hat, dem muss ich sofort den Wind aus den Segeln nehmen. Es ist alles viel schöner.

Die Umstände, die mich zu dieser Erkenntnis geführt haben, will ich Ihnen erläutern. Aber alles der Reihe nach. Die Reihenfolge ist immer wichtig. Kein Mensch will eine Revolution, bevor er nicht durch den erschreckend dichten Urwald des Unrechts gelaufen ist. Da muss man also erst ein paar Schritte laufen um zu erkennen, dass in diesem Wald nur die Vögel von den Bäumen in die Geschichts­bücher der unten Laufenden kacken und ansonsten nichts passiert. Ich war einer dieser kackenden Vögel. Ich hatte einen schönen Baum. Ich habe auch von diesem dichten Urwald des Unrechts nie etwas mitbekommen, weil mein Vogelnest einfach mal eines der luxuriösesten überhaupt war. Aber von oben runter scheißen, das konnte ich in der Tat sehr gut.

Ich wurde 1975 geboren und wenn ich Ihnen, liebe Leser, das so erzähle, wähnen Sie sich eventuell schon in den Gefilden eines fiktionalen Romans oder im Hirn eines zeitlich nicht orientierten, da eventuell stark verwirrten Erzählers. Aber es ist wahr, es ist kein komisches Versehen und auch keine willkürlich erdachte Unwahrheit. Nein. Mein Name ist Frank Faust und es gibt mich wirklich. Ich bin weder Roboter, noch Alien, noch entspringe ich der Phantasie eines drogenumnachteten Autors. Ich bin ein echter Mensch, Frank Faust, 38 Jahre alt, etwas jünger aussehend, von stabiler Gesundheit und bei klarem Verstand. Ein weißer Mitteleuropäer, in einem allgemein akzeptierten optisch angenehmen Pflegezustand. Und über Verstand lässt sich ja immer streiten, aber ich fühle mich imstande, diese Welt hier einzuschätzen.

Wenn ich Ihnen also jetzt mit auf den Weg durch diesen Text gebe, dass ich ein Mann von 38 Jahren bin, werden Sie erst recht in Frage stellen, dass es sich hierbei um eine wahrheitsgemäße Erzählung handelt. Ich beabsichtige nicht, jemanden zu täuschen, es soll nur eine Vorbereitung auf das sein, was den Leser ein paar Seiten später noch erwarten wird. Ich will aber vorab diese Diskussion verkürzen, weil ich ja weiß, wann ich geboren bin. Ein wenig Vorschußvertrauen würde ich mir wünschen, so wie man einem Restaurant vertraut, in das man erstmals geht. Man liest die Speisekarte, findet ein oder drei Gerichte passabel und setzt sich an den Tisch und wartet auf eine freundliche Bedienung. So könnten Sie auch hier verfahren. Setzen Sie sich an den Tisch, bestellen Sie einen Drink und harren Sie des Hauptmenüs. Sie werden überrascht sein.

Gegenwärtig befinden wir uns, wie ich gerade schon erwähnte, im Jahr 2126. Und der Wind weht jetzt wie einst. Es hat nie aufgehört mit diesem Wind. Aber der Wind war nie ein Gefühl, sondern immer nur Wind. Wenn ich jetzt hier über Wind rede, dann meine ich auch den Wind der Veränderung, der damals schon durch Häuserschluchten bließ, aber nie wirklich zu einem Orkan wurde, sondern immer nur die frische Brise des Widerstands war, die hier und da ein wenig die angebliche Normalität des Verlaufs der Dinge unterstrich. Es reicht eben nicht, wenn irgend­jemand vomWind of Changesingt. Man muss diesen Wind auch wahrnehmen. Aber das habe ich zu lange selbst nicht getan.

Wie wir ja alle in den weiterführenden Schulen gelernt haben, gab es am Anfang des 21. Jahrhunderts nicht so ein ausgereiftes, zivilisatorisches System wie heute, alles sah so aus, als wäre es in einer Entwicklung begriffen. Letztendlich war da aber nur Stagnation mit leichter Abwärtstendenz. Sozialabbau, hohe Arbeitslosenquote, Finanzkrise und seltsame Machenschaften, die versuchten, das bestehende System zu retten. Man spürte ein wenig den Unmut über sogenanntesoziale Ungerechtigkeit, aber die Kinderschritte in Richtung Gerechtigkeitsherstellung waren ein langsam vor sich hin gärender Prozeß. Es gab damals diese ungute Einteilung in Reiche und Arme, Gebildete und Ungebildete. Das hatte sich im Laufe der Vorjahre so entwickelt, weil der Mensch immer mehr in seine Passivität abglitt und passieren ließ, was für wenige gut und für die meisten ungerecht war. Und das war auch so gewollt, dass man dies unterscheiden konnte. Es war so eine Art gesellschaftliche Orientierung. Es gab die, die es geschafft hatten, die, die im Begriff waren, irgendwas zu schaffen und die, die es niemals schaffen würden, aus welchen Gründen auch immer. Schaffe, schaffe, Kapitalismus erhalte …

Ich war reich und gebildet und hatte d