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»Wo zum Teufel hast du gesteckt?«DCI Steel hatte seinen Stuhl beschlagnahmt und fläzte sich darauf, beide Füße auf seinen Schreibtisch gepflanzt. Ein runzliges Wrack in einem zerknitterten Anzug. Sie hatte sich eine Serviette in den Kragen ihrer blauen Seidenbluse gesteckt, beide Mundwinkel waren mit Ketchup verschmiert, und die Luft roch intensiv nach Räucherspeck. Sie biss noch einmal in das Buttie in ihrer Hand und redete mit vollem Mund weiter. »Wär glatt verhungert, wenn ich noch länger auf dich gewartet hätte.«
Sie hatte sich heute ausnahmsweise etwas Mühe mit ihren Haaren gegeben – unter Zuhilfenahme einer Motorsense, wie es aussah. Sie standen wild in alle Richtungen ab, und am Haaransatz war ein breiter Streifen Grau zu erkennen.
Logan hängte seine Jacke an den Haken neben der Tür. »Du kannst mir jederzeit gerne den Buckel runterrutschen.«
Sie schluckte runter, dann zeigte sie mit dem Finger auf ihn. »Du schuldest mir ein Sandwich mit Schinken und Senf und eine Flasche Cola. Und das Wechselgeld von einem Fünfer.«
»Schinken war aus, also hab ich dir stattdessen Krabben gekauft.« Er rieb sich mit der Hand übers Gesicht, dann wühlte er in seinen Hosentaschen und förderte zwei Pfundmünzen zutage, die er auf den Tisch warf. »Es hat wohl wenig Sinn, dich zu bitten, von meinem Stuhl aufzustehen?«
»Vergiss es. Und jetzt her mit dem Lunch.«
Er ließ sich auf den Besuchersessel sinken, lehnte sich zurück und ließ die Arme baumeln. Blickte finster zur Decke auf. »Er ist übrigens tot. Nur für den Fall, dass es dich interessiert.«
»Ich kann hier immer noch keine Sandwiches sehen, Laz.«
»Die Sanitäter meinten, er müsste wohl auf der Stelle tot gewesen sein. Sein Schädel war plattgedrückt wie ein Pappkarton.«
»Was ist mit Chips?«
»Hab dir Salt-and-Vinegar geholt. Ich bin auf dem Dach ausgerutscht und wäre um ein Haar selber abgestürzt. Zum Glück ist dann nur die Lunchtüte über Bord gegangen. Du kannst dich mit den Möwen um die Reste kloppen.« Er schloss die Augen. »Die picken wahrscheinlich sowieso gerade die letzten Reste von John Skinner vom Pflaster.«
Sie seufzte. »Hör mal, Laz, du solltest ihn überreden runterzukommen – aber übers Treppenhaus und nicht auf dem schnellsten Weg.«
»Sehr witzig.« Er bedeckte sein Gesicht mit beiden Händen. »Das ist wirklich sehr, sehr witzig.«
»Laz, du weißt, ich liebe dich wie einen etwas zurückgebliebenen kleinen Bruder, aber es wird Zeit, dass du dein Rüschenunterhöschen hochziehst und die Geschichte hinter dir lässt.« Ihre Stimme wurde sanfter. »Ab und zu springt halt mal jemand vom Hochhaus, und dann macht’splatsch. So was kommt vor. Das hat nichts mit dir zu tun. Dich trifft keine Schuld.«
Laute Stimmen polterten draußen auf dem Flur vorbei. Es ging irgendwie um Fußball und Bier.
»Also …« Ein Klicken, dann ein saugendes Geräusch. »Wie sieht’s aus, hast d