1
Sommer 2003
„Die Schicht, in der Sie eingesetzt werden würden, geht von Montag bis Freitag von 17:00 bis 21:00 Uhr. Es kann auch mal früher oder später werden, je nach Volumen. Stoßzeiten sind Weihnachten und nach den Ferien. Das ist eine körperlich sehr anspruchsvolle Arbeit“, sagte er und sah mich genau so an, wie das Sicherheitspersonal am Kennedy Airport Männer mit Gebetsmützen und Bärten ansieht.
Dieser Blick schien hier zum guten Ton zu gehören. Schon am Eingang wurde ich damit empfangen. Meine Taschen wurden durchsucht und ich wurde gründlicher abgetastet, als beim Fußballderby Düsseldorf gegen Köln.
Das Büro als schlicht zu bezeichnen, würde dem hier vorherrschenden Spartanismus in keiner Weise gerecht werden. Der Raum war so klein, dass mein Gegenüber es nur unter Anstrengung um seinen Schreibtisch geschafft hätte. Es gab keine Bilder. Keine Blumen. Der einzige Bonus waren die dunkelbraunen Jalousien, die zur Hälfte heruntergelassen waren. Und das Namensschild auf dem alten Holztisch.Herr Kling stand da aus einzelnen Buchstaben zusammengescrabbelt. Seiner Hautfarbe nach schien er viel Zeit in diesem Zimmer zu verbringen. Das unterschrieb auch sein Moschusduft.
„Im Schnitt verladen wir 17.000 Pakete pro Schicht und knapp 50.000 Pakete am Tag.“
‚Dein arielweißes Hemd sieht mir nicht danach aus, dass du dich in daswir mit einbeziehst‘, dachte ich.
„Sie sind gelernter Altenpfleger?“ Er machte sich erst gar nicht die Mühe, für diese Frage von meinem Lebenslauf aufzublicken.
„Jawohl“, sagte ich.
‚Jawohl. Wer sagt denn bei einem Vorstellungsgespräch jawohl?‘
„Und warum arbeiten Sie nicht mehr als Pfleger?“
„Das Problem ist doch Folgendes“, begann ich. Überlegte kurz und fuhr fort. „Jede Arbeit beruht auf Erfolgserlebnissen. Das ist genau das, was Sie weitermachen lässt. Was Sie auch durch die schlechtesten Tage zieht. Aber genau diese Erfolgserlebnisse bleiben in der Alt