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Sasha Marianna Salzmann
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Nicolas Ehler
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Hausbesuch. In das Maul des Wolfes will ich dich stecken (Quiero meterte en la boca del lobo, Je veux te fourrer dans la gueule du loup, In bocca al lupo, In de bek van de wolf wil ik je stoppen, É na boca do lobo que te quero pôr)
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Frohmann Verlag
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9783947047253
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1
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CHF 2.60
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186
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kein Kopierschutz
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PC/MAC/eReader/Tablet
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ePUB
Über sieben Monate hinweg brachte das vom Goethe-Institut initiierte Projekt zehn bekannte Autorinnen und Autoren aus den Ländern Portugal, Spanien, Frankreich, Luxemburg, Belgien, Italien und Deutschland mit Privatleuten ins Gespräch. So sind zehn literarische Miniaturen entstanden: Sasha M. Salzmann und Tucké Royale entdecken bei einem Devotionalienhändler die Geheimnisse des palermitanischen Lebens geprägt von muslimischen Spuren, Plastikstühlen und Cafés. A lo largo de siete meses, el proyecto impulsado por el Goethe-Institut ha invitado a diez escritores reconocidos de Portugal, España, Francia, Luxemburgo, Bélgica, Italia y Alemania a encontrarse con ciudadanos de estos países. El resultado fueron diez miniaturas literarias: Sasha M. Salzmann y Tucké Royale descubrieron en casa de un vendedor de objetos religiosos los secretos de la vida palermitana, repleta de huellas musulmanas, sillas de plástico y cafés. Pendant plus de sept mois, ce projet du Goethe-Institut a mis en contact dix écrivains connus, de sept pays différents (Allemagne, Belgique, Espagne, France, Italie, Luxembourg, Portugal) avec des personnes, dans l'intimité de leur foyer. Il revenait ensuite aux écrivains de raconter par l'écriture les expériences qu'ils avaient vécues. C'est ainsi que dix miniatures littéraires ont vu le jour : Sasha M. Salzmann et Tucké Royale découvrent chez un spécialiste d'art religieux les secrets d'une vie palermitaine marquée d'empreintes musulmanes, de chaises en plastique et de bistrots. Per sette mesi, il progetto avviato dal Goethe-Institut ha permesso a dieci autrici e autori noti - provenienti dal Portogallo, dalla Spagna, dalla Francia, dal Lussemburgo, dal Belgio, dall'Italia e dalla Germania - di incontrare e parlare con molti privati cittadini. Così si sono delineate dieci miniature letterarie: Sasha M. Salzmann e Tucké Royale hanno scoperto in un negozio di articoli religiosi i segreti della vita palermitana, plasmata da tracce musulmane, sedie di plastica e caffè. Dit project, een initiatief van het Goethe-Institut, bracht over een periode van zeven maanden tien bekende schrijfsters en schrijvers uit Portugal, Spanje, Frankrijk, Luxemburg, België, Italië en Duitsland met mensen in gesprek. Op die manier ontstonden tien literaire miniaturen: Sasha M. Salzmann en Tucké Royale ontdekken bij een verkoper van religieuze voorwerpen de geheimen van het leven in Palermo, dat beïnvloed wordt door sporen van de islam, plastic stoelen en cafés. Durante sete meses, o projecto da iniciativa do Goethe-Institut levou dez autoras e autores conhecidos, vindos de Portugal, Espanha, França, Luxemburgo, Bélgica, Itália e Alemanha, para encontros com pessoas comuns. Surgiram assim dez miniaturas literárias: Sasha M. Salzmann e Tucké Royale descobrem, junto a um comerciante de artigos religiosos, os segredos da vida de Palermo, marcada por vestígios muçulmanos, cadeiras de plástico e cafés.
Sasha Marianna Salzmann In das Maul des Wolfes will ich dich stecken
Arbeiter, dreifach beschichtet, tragen unter der Sonne eine Leiter so lang wie die gesamte Straße, stellen sie auf, um den Schmuck abzunehmen. Große Kronleuchter aus Pappe machen keine Geräusche. Unter dem Balkon der Wohnung, in die mich die freundlicheSignora, wer weiß warum, für fast umsonst rein ließ, beginnt das eine Ende der Leiter, das andere reicht bis an die Kirche der Heiligen, der Mutter aller Mütter. Vor der Kirche raucht ein Pope in braunem Jutegewand Kette, schaut Frauen hinterher und spuckt. Sein Gesicht ist frischer Teig, der schmilzt. Ein Schinken schiebt sich an ihm vorbei, auf dem Rücken eines Jungen, so dürr, passt locker in das Schwein hinein. Ich spucke auch. Tabak auf der Unterlippe.
Der Schwarm Menschen zuckt um den Kadaver eines aufgerissenen Schwertfischs vor dem Kircheneingang, schon fast aufgekauft, noch vor Mittag. Wenn man hier Tiere aus dem Meer isst, isst man die Ertrunkenen. Schwertfisch, Thunfisch – alle haben Leichen derer gefressen, die sie hätte sein können, sagt Angela.
»Wir sind hier Kannibalen.«
Der Platz ist voll, die Piazza Kalsa: Dicke Bäuche quellen hervor unter den Unterhemden breitbeiniger Männer auf Plastikstühlen. Sie sehen auf den Boden, rauchen. Stützen den Kopf auf, halten Ohren zu. Summen. Eine Mutter läuft ihrem Kind hinterher, das achtlos über die Straße jagt und schlägt’s fast tot vor Glück, darüber dass es lebt. Ich höre Schreie, ich verstehe sie nicht.
Ich höre Blut in meinen Ohrmuscheln, höre deine Stimme sprechen. Sehe die Bewegung deiner Lippen. Du sagst so viele Sätze und sagst nichts. SieklebenaneinanderohneAb