: Franziska Steinhauer
: Der Werwolf von Hannover - Fritz Haarmann Biografischer Kriminalroman
: Gmeiner-Verlag
: 9783839253762
: Wahre Verbrechen im GMEINER-Verlag
: 1
: CHF 9.90
:
: Romanhafte Biographien
: German
: 345
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB/PDF
Sommer 1924. Bevor der Ernst des Lebens für Ludwig und Theo beginnt, brechen die Freunde zu einer Fahrradtour auf. Zur selben Zeit machen Gerüchte über einen Serienmörder in Hannover die Runde. Spielende Kinder finden einen Schädel am Flussufer, kurz darauf werden weitere Knochen entdeckt und ein vermeintlicher Unfall entpuppt sich als Mord. Plötzlich ist auch Theo verschwunden. Verhaftet wird Fritz Haarmann, ein stadtbekannter Altkleiderhändler. Hat er all diese Menschen - auch Theo - unter den Augen der Öffentlichkeit ermordet?

Franziska Steinhauer legte bei ihrem Pädagogikstudium Schwerpunkte auf Psychologie und Philosophie. Diese Kenntnisse ermöglichen es der Autorin den Lesern tiefe Einblicke in pathologisches Denken und Agieren zu gewähren. Ihr breites Wissen im Bereich der Kriminaltechnik erwarb sie im Rahmen eines Master-Studiums in Forensic Sciences and Engineering. Mit besonderem Geschick werden mörderisches Handeln, Lokalkolorit und Kritik an aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen verknüpft. Franziska Steinhauers Romane zeichnen sich durch gut recherchierte Details und eine besonders lebendige Darstellung der Figuren aus. Ihre Begeisterung für das Schreiben gibt sie als Dozentin an der BTU Cottbus weiter.

7. Kapitel


1924 im Juni

Ludwig stapelte auf dem Bett, was er brauchen würde.

Packte nur ein, was er für notwendig hielt.

Viel war es nicht.

Sie planten eine Zweiwochentour – und sicher gäbe es unterwegs die eine oder andere Gelegenheit, Wäsche zu waschen.

Plötzlich stand seine Mutter in der Tür.

Sie lächelte verlegen, hielt die Hände hinter dem Rücken verborgen.

»Nun, Mutter? Was kann ich für Sie tun?«, fragte der Sohn und huschte einen zarten Kuss auf ihre Wange.

»Ach Ludwig – wie wird mir die Zeit lang werden ohne dich. Niemand hier, der sich am Abend zu mir setzt und sich mit mir unterhält – oder wohlig mit mir schweigt.«

»Ach! Wir sind nach so kurzer Zeit wieder zurück, da fällt Ihnen gar nicht auf, dass ich weg bin.« Tröstend strich Ludwig, der die Mutter um anderthalb Köpfe überragte, über ihre faltige Wange.

»Sieh mal«, freute sich die Mutter und zog hervor, was sie bisher versteckt gehalten hatte. »Ich dachte, falls du irgendwo ausgehen möchtest. Da brauchst du doch was Anständiges!« Mit erwartungsvoller Miene sah sie ihn an.

Ludwig war im ersten Moment sprachlos. Als er sich gefangen hatte, keuchte er: »Aber das sollten Sie nicht!«, und schlüpfte schon voller Begeisterung in Weste und Jacke, strich mit den Fingern über den angenehm weichen Stoff. »Ist das schön! Das muss Sie ja ein Vermögen gekostet haben! Und so schnell fertig! Vielen Dank!« Stürmisch umarmte er die Mutter.

»So gefällt dir der Anzug! Da bin ich sehr froh. Eigentlich solltest du ihn zum Studienbeginn bekommen, aber ich denke, du könntest schon früher Bedarf haben.« Lächelnd reichte sie ihm auch die Hose und verließ das Zimmer.

Rasch schlüpfte Ludwig hinein.

Präsentierte sich dann in der Küche.

»Prachtbursche!«, kommentierte der Vater zufrieden. Und steckte für beide Männer eine Zigarre an. »Die Weibsleute werden dir nur so nachstellen. Komm mit!«

Das Gespräch unter Männern fand draußen im Garten auf einer Bank statt.

Ludwig unterdrückte ein Grinsen, als er dem alten Arzt zuhörte, der ihn über gute Umgangsformen aufzuklären versuchte.

»Die jungen Damen, weißt du. Wenn sie zu nett sind, ist Vorsicht geboten. Früher gab es Dirnen ja nur in der Stadt, aber heutzutage können sie überall arglosen Männern auflauern. Und diese Frauen, die tragen Krankheiten in sich, die man am Ende gar nicht mehr ablegen kann und die selbst die nachfolgenden Generationen noch treffen.«

Ludwig versprach, vorsichtig zu sein.

Er sah zur Sonne auf, nahm einen kräftigen Zug an der Zigarre und freute sich auf die unbeobachtete Zeit mit Theo.

Theo selbst ordnete ebenfalls sein Gepäck.

Mit Ludwig war bereits abgesprochen, wie viel unbedingt gebraucht würde. Zufrieden betrachtete er die schmale Auslage auf dem Tisch. Das würde problemlos Platz in Tornister und Fahrradkorb finden.

Als es klopfte, sah er überrascht auf.

»Vater! Sie sollten doch nicht die enge Stiege heraufkommen. D