: Mary Higgins Clark, Alafair Burke
: Und niemand soll dich finden Thriller
: Heyne
: 9783641204778
: Laurie-Moran-Serie
: 1
: CHF 8.90
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 384
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Fünf Jahre ist es her, dass Amanda Pierce unmittelbar vor ihrer Hochzeit verschwand - und nie mehr auftauchte. Hatte sie plötzlich Angst vor der Ehe bekommen, oder wurde sie Opfer eines Verbrechens? Amandas Mutter ist überzeugt davon, dass der Bräutigam sie auf dem Gewissen hat. Auf ihr Drängen hin nimmt sich Laurie Moran, die sich als TV-Journalistin auf Cold Cases spezialisiert hat, des Falls an. Und sticht mit ihren Recherchen in ein Wespennest: Denn nicht nur der Bräutigam ist suspekt. Auch seine jetzige Ehefrau, ausgerechnet Amandas frühere beste Freundin und Trauzeugin, benimmt sich merkwürdig. Und was hat die Schwester zu verbergen, die offensichtlich zerrissen war vor Eifersucht? Je tiefer Laurie sich in den Fall gräbt, desto mehr Verdächtige tauchen auf. Nur Amanda bleibt verschwunden ...

Alafair Burke ist Dozentin für Strafrecht an der Hofstra Law School. Sie war lange als Deputy District Attorney tätig. Ihr Beruf inspirierte sie dazu, Kriminalromane zu schreiben, u.a. die New-York-Times-Bestsellerseri um Ellie Hatcher. Sie ist die Tochter von James Lee Burke und lebt in New York. Für Dennis Lehane gehört sie zu den 'besten jungen Krimischriftstellerinnen'.

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Die Braut, die sich nicht traut. Laurie erinnerte sich sofort an den Fall. Amanda Pierce, die schöne blonde Braut, die einen attraktiven Anwalt heiraten wollte, den sie auf dem College kennengelernt hatte. Alles war für ein äußerst exklusives, rauschendes Fest in Palm Beach, Florida, vorbereitet, doch dann war sie einen Tag vor dem großen Ereignis einfach verschwunden.

Hätte sich die Geschichte zu einem anderen Zeitpunkt in Lauries Leben zugetragen, hätte sie wahrscheinlich nicht nur Amanda Pierce auf dem Foto, sondern sogar deren Mutter Sandra sofort erkannt. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte die Geschichte einer jungen Braut, die sich so kurz vor ihrer Traumhochzeit scheinbar in Luft auflöste, auf jeden Fall ihr Interesse geweckt. Immerhin erinnerte sie sich noch an die Spekulationen, die sich um den Vorfall rankten. Manche meinten, Amanda habe kalte Füße bekommen und ein neues Leben begonnen, irgendwo weit weg von ihrer erdrückenden Familie, möglicherweise sogar mit einem heimlichen Liebhaber. Andere glaubten, sie und der Bräutigam hätten sich am Vorabend gestritten, was in einer gewalttätigen Auseinandersetzung geendet hatte, und es sei »nur noch eine Frage der Zeit, bis ihre Leiche auftaucht«.

Obwohl die Geschichte alles besaß, was normalerweise ihre Aufmerksamkeit erregte, hatte Laurie den Fall nicht weiterverfolgt. Denn nur wenige Wochen vor Amanda Pierces Verschwinden war ihr eigener Mann Greg im Beisein ihres damals dreijährigen Sohnes Timmy erschossen worden. Und während Amandas Geschichte die Medien beschäftigte, war Laurie von der Arbeit freigestellt und hatte nicht viel mitbekommen, was außerhalb der eigenen vier Wände vor sich ging.

Sie erinnerte sich noch, damals den Fernseher angemacht und sich gedacht zu haben, dass der Braut – falls sie nicht doch im letzten Moment Reißaus genommen hatte – etwas Schreckliches zugestoßen sein musste. Sofort fühlte sie sich der Familie sehr nahe und glaubte zu wissen, was diese jetzt durchmachte.

Ihr Blick ging wieder zum Bild auf ihrem Schreibtisch, und unweigerlich musste sie an den schrecklichen Tag denken: Greg war mit ihrem Sohn zum Spielplatz aufgebrochen, und als er sich mit Timmy auf den Schultern von ihr verabschiedete, hatte sie ihn noch schnell geküsst – das letzte Mal, dass sie seine warmen Lippen gespürt hatte.

Zufällig sollte Amanda Pierces Hochzeit im Grand Victoria Hotel gefeiert werden. Laurie hatte mit Greg dort einmal einige Tage verbracht. Trotz ihres lachenden Protests, dass das Wasser doch viel zu kalt sei, war sie damals von ihm ins Meer gezogen worden.

Es klopfte an der Tür, gleich darauf kam Grace herein. Auf ihrem Tablett befanden sich zwei Tassen Kaffee und einige der von Laurie im Bouchon erstandenen Gebäckteile. Lächelnd sah Laurie zu Grace, als sie bemerkte, dass diese ihr absolutes Lieblingsteilchen – das Mandelcroissant – Mrs. Pierce anbot.

»Kann ich sonst noch etwas bringen?« Grace hatte es nicht unbedingt mit den Konventionen, aber wenn es darauf ankam, zeigte sie ganz altmodische Umgangsformen.

»Nein, danke.« Sandra Pierce lächelte verhalten.

Nachdem Grace wieder fort war, wandte sich Laurie an Sandra. »Ich muss gestehen, ich habe in letzter Zeit nichts über das Verschwinden Ihrer Tochter gehört oder gelesen.«

»Ich auch nicht, und genau das ist das Problem. Sogar d