EINS
Für die meisten Amerikaner war 1987 das Jahr, in dem die Börsenkurse erst durch die Decke gingen und dann in den Keller stürzten, die Iran-Contra-Affäre an Ronald Reagans Stuhl im Weißen Haus rüttelte undReich und Schön in unsere Häuser Einzug hielt. Für mich war es das Jahr, in dem ich mich verliebte und erkennen musste, dass es den Teufel wirklich gibt.
Ich studierte seit etwas über drei Jahren in Princeton und wohnte in einem hässlichen alten Haus an der Bayard Lane, zwischen Kunstmuseum und theologischer Hochschule. Im Erdgeschoss gab es ein Wohnzimmer und eine offene Küche, oben zwei Zweibettzimmer mit angeschlossenem Bad. Zur McCosh Hall, wo ich die meisten meiner Anglistikvorlesungen besuchte, waren es zu Fuß zehn Minuten.
Eines Oktobernachmittags kam ich nach Hause und staunte nicht schlecht, als ich in der Küche eine große, schlanke junge Frau erblickte; sie hatte lange blonde Haare und trug einen Mittelscheitel. Durch eine dick umrandete Brille, die sie ebenso streng wie sexy wirken ließ, warf sie mir einen freundlichen Blick zu. Sie versuchte gerade, Senf aus einer Tube zu drücken, ohne zu bemerken, dass man zuerst die Alufolie von der Öffnung abziehen musste. Ich entfernte die Folie und gab ihr die Tube zurück. Sie bedankte sich und quetschte den dicken gelben Brei auf den riesigen Hotdog, den sie sich zubereitet hatte.
»Hey, danke«, sagte sie mit einem Akzent, den sie aus dem Mittleren Westen mitgebracht hatte; anscheinend lag ihr nichts daran, ihn abzulegen, nur um mit der Mode Schritt zu halten. »Auch was?«
»Nein, ich hab schon gegessen. Übrigens, ich bin Richard Flynn. Bist du die neue Mieterin?«
Sie nickte. Sie hatte gierig in den Hotdog gebissen und schluckte hastig, bevor sie antwortete.
»Laura Baines. Freut mich, dich kennenzulernen. Hat mein Vorgänger sich da oben ein Stinktier oder so was gehalten? Bei dem Gestank fallen einem ja die Nasenhaare aus. Aber ich werde die Wände sowieso streichen müssen. Und stimmt was mit dem Boiler nicht? Ich musste eine halbe Stunde warten, bis das Wasser heiß war.«
»Starker Raucher«, erklärte ich. »Der Mann, nicht der Boiler, und nicht nur Zigaretten, du verstehst schon. Aber sonst ist er ganz nett. Hat sich plötzlich entschieden, ein Sabbatjahr einzulegen, und ist nach Hause gefahren. Er hatte Glück, dass die Vermieterin nicht noch die Miete bis zum Jahresende haben wollte. Und der Boiler, an dem haben sich schon drei Klempner versucht. Nichts zu machen, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.«
»Bon voyage«, wünschte Laura dem Vorgänger mit vollem Mund und zeigte auf die Mikrowelle auf der Arbeitsfläche. »Ich mach mir jetzt Popcorn, und dann will ich fernsehen – gleich kommt Jessica live aufCNN.«
»Wer ist Jessica?«, fragte ich.
Die Mikrowelle klingelte. Das Popcorn war so weit, in die große Glasschüssel gefüllt zu werden, die Laura aus den Tiefen des Schranks unter dem Ausguss herausgezogen hatte.
»Jessica McClure, die Kleine, die in Texas in einen Brunnen gefallen ist«, erklärte sie. »CNN überträgt die Bergungsaktion live. Wieso hast du noch nichts davon gehört? Die ganze Welt redet davon.«
Sie schüttete das Popcorn in die Schüssel und bedeutete mir, ihr ins Wohnzimmer zu folgen.
Wir setzten uns auf die Couch, und sie machte den Fernseher an