: Donatella Rizzati
: Der Duft von Honig und Lavendel Roman
: Goldmann Verlag
: 9783641201005
: 1
: CHF 5.40
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: German
: 496
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Viola Consalvi, eine junge Heilpraktikerin aus Rom, hat es sich zur Aufgabe gemacht, anderen zu helfen. Vor allem durch ihr besonderes Gespür für die Kraft der Kräuter, das sie für jeden die richtige Pflanze finden lässt. Doch als ihr geliebter Mann plötzlich stirbt, bricht Violas Welt zusammen. Sie fühlt sich einsam und unsicher – und sie hat ihr Gespür für die Kräuter verloren. Viola weiß nur einen Ausweg: Sie steigt in den Zug nach Paris. Hier, mitten in Montmartre, befindet sich der einzige Ort, der Viola immer Sicherheit gegeben hat: der kleine Kräuterladen von Gisèle. Als Viola den Laden betritt und seine magische Atmosphäre spürt, weiß sie sofort, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hat. Und dann ist da noch Romain, der nette Barista aus dem Café um die Ecke …

Donatella Rizzati wurde 1973 in Rom geboren und hat Literatur- und Sprachwissenschaft studiert. Sie übersetzt Belletristik aus dem Englischen und dem Französichen. »Der Duft von Honig und Lavendel« ist ihr erster Roman.

Prolog

Paris, November 2004

Keuchend erklomm ich die Rue Lepic. Über mir ballte sich der bleigraue und wolkenverhangene Himmel zusammen. Die Straße, normalerweise voller Touristen, Autos und geschäftiger Passanten, war merkwürdig still. Ich spürte die Kälte durch die Schnürstiefel und die dicke Strumpfhose hindurchkriechen, die ich unter der Hose trug. Dankbar für die Wärme, die er mir spendete, kuschelte ich mich in den schweren Mantel aus grobem Wollstoff und zog mir die Kapuze über den Kopf. Ich kam am Café des Deux Moulins vorbei, einer kleinen, bis auf den knallroten Anstrich eher unspektakulären Eckbar, die durch einen Film eine gewisse Berühmtheit erlangt hatte und seitdem Trauben von Touristen und Schaulustigen anzog. Ich bevorzugte andere Cafés, die zwar wenigeren vogue, dafür aber erschwinglicher waren, wenigstens für eine mittellose Studentin wie mich. An diesem Tag war ich mit einem ganz bestimmten Plan losgezogen: Ich wollte getrocknete Caldendulablüten besorgen, die ich für ein medizinisches Öl brauchte. Das war meine Hausaufgabe für den praktischen Kurs in Kräuterheilkunde am nächsten Tag. Ich besuchte erst seit kurzem die Schule für Naturheilkunst voller Begeisterung und in dem Bewusstsein, dass jeder Erfolg mich einen Schritt weiter wegführte von der Welt meines Vaters und seiner wissenschaftlichen, aseptischen und mechanischen Medizin. Unter allen Fächern war mir die Kräuterheilkunde immer am liebsten gewesen. Ich liebte es, die therapeutischen Eigenschaften der Heilkräuter zu studieren, und konnte es wie immer kaum erwarten, das Gelernte in die Praxis umzusetzen.

Getrocknete Ringelblumen zu finden war nicht allzu schwierig, doch an diesem Tag war ich so düsterer Stimmung, dass ich die Suche nach den Blüten zum Vorwand nahm, um einen Spaziergang auf den Hügel von Montmartre zu unternehmen. Normalerweise besserte sich meine Laune spürbar, wenn ich durch diese engen Gassen schlenderte, vorbei an den alten Jugendstilhäusern, die in allen erdenklichen Schattierungen von Weiß schimmerten, doch an diesem Nachmittag ließen auch sie mich gleichgültig. Ganz am Ende der Rue Lepic bog ich in die erste Seitenstraße rechts ab und betrachtete im Vorbeigehen flüchtig die Schaufenster, als eine Auslage meine Aufmerksamkeit auf sich zog.

Es war ein kleiner, altmodischer Laden, eingezwängt zwischen einer modernen, neonbeleuchteten Boutique und einem eleganten Einrichtungsgeschäft. Das Lädchen wirkte vollkommen fehl am Platz, wie das Überbleibsel einer längst vergangenen Zeit, das sich zu seiner großen Überraschung in einer Straße des einundzwanzigsten Jahrhunderts wiederfand. Es war eine Art Bioladen, jedoch ganz anders als die üblichen Geschäfte dieser Art, in deren Auslagen sich meist ein unübersichtliches Sammelsurium aus Shampoos, Cremetiegeln, Teekannen und Duftkerzen türmte. Nein, dieser Laden war anders: In seinem großen Schaufenster mit dem malvenfarbenen Holzrahmen war einzig und allein ein prachtvolles, reich verziertes Kräuterbuch ausgestellt, das vermutlich aus dem Mittelalter stammte, auf einem Ständer ruhte und vom warmen Schein einer Lampe beleuchtet wurde, in deren Lichtkegel hauchfeiner, goldfarbener Staub tanzte. Die vergilbten Seiten waren mit zahlreic