: Doris Bardehle, Matthias Stiehler (Hrsg.)
: Erster Deutscher Männergesundheitsbericht Ein Pilotbericht
: W. Zuckschwerdt Verlag
: 9783886039876
: 1
: CHF 22.20
:
: Politik
: German
: 211
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
"Vernachlässigen Männer ihre Gesundheit oder werden sie in unserem Gesundheitssystem vernachlässigt? Beides trifft zu. Der erste deutsche Männergesundheitsbericht hat dazu viele Fakten gesammelt und erstmalig in einem Bericht zusammengefasst. Zentrale Themen sind die gegenüber Frauen geringere Lebenserwartung, die höheren Risiken am Arbeitsplatz, aber auch das selbstschädigende Verhalten von Männern. Und mehr, welche Gründe gibt es für ein solch""ungesundes"" Verhalten, liegt es an der Erwartungen der Gesellschaft an Männer? Und vor allem, wie lässt sich das Rollenverständnis von Männern erweitern, damit das Mannsein""gesünder"" wird.
Herausgegeben wurde dieser Bericht von der Stiftung Männergesundheit und von der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e.V."
Männerkrankheiten (S. 112-113)

In derÖffentlichkeit wirdüblicher- und„üblerweise“ nur selten von Männerkrankheiten gesprochen. Sie sind weitgehend tabuisiert. Dazu trägt der Mann selbst bei, weil mit einer geschlechtsspezifischen Erkrankung auch auf eine geminderte Präsenz und Leistungsbereitschaft geschlossen wird. Demgegenüber beschäftigen uns Frauenkrankheiten intensiv.

Deröffentliche Raum– insbesondere die Medien– sind mit Frauenoffensiven besetzt, was am Brustkrebs der Frau besonders deutlich wird. Hier ist sogar die Anteilnahmeöffentlich. Sie bestimmt auch die politische Diskussion und die Entscheidungen, was sich nicht nur an den offiziellen Angeboten zur Früherkennung zeigt. Nachfolgend werden die männerspezifischen Erkrankungen der Prostata sowie die Sexual- und die Fertilitätsstörungen dargestellt. Im Gegensatz zum Brustkrebs ist der Prostatakrebs defizitär besetzt.

Das betrifft auch die Vergabe von Forschungsgeldern. Weil sich Urologen zunehmend auf das Prostatakarzinom und hierbei insbesondere auf die Organentfernung konzentrieren, ist zwar der Mann bei ihnen einerseits gut aufgehoben, aber andererseits darf Männergesundheit nicht auf den PSA-Test und die radikale Prostatektomie reduziert werden. Männliche Gesundheit geht weitüber die Prostata hinaus. Unsere Gesellschaft hat ein unterschiedliches Verständnis von Frauen- und Männergesundheit und es stellt sich die Frage, wo der Mann seine Gesundheit mit einem angemessenen Aufwand suchen und finden kann.

1 Erkrankungen der Prostata

Viele typische„Männerkrankheiten“ betreffen die Prostata (Vorsteherdrüse). Prostatakarzinom, benignes Prostatasyndrom und Prostatitissyndrom sind neben Herz-Kreislauf- Affektionen die häufigsten Erkrankungen bei Männern im höheren Lebensalter [24]. Daher verwundert es nicht, wenn sich die wissenschaftliche Fachgesellschaft der Urologen vorwiegend um dieses eine Organ bemüht. Mit Ausnahme der Entzündungen erlangt aber dieses Organ erst in der zweiten Lebenshälfte des Mannes die Bedeutung, die es zum Gegenstand großer Veranstaltungen und zum Inhalt vieler Sprechstunden und Operationssäle macht. Zu oft wird dann Männergesundheit auf die (frühe) Erkennung des Prostatakarzinoms und seine Entfernung reduziert.

Die Prostata, eine akzessorische Geschlechtsdrüse in Größe und Form einer Kastanie, ist unterhalb der Harnblase des Mannes lokalisiert und umschließt dort die Harnröhre. Da die Prostata an der Rückseite an das Rektum, also den Enddarm grenzt, kann sie von dort ertastet werden. Dies wird z. B. im Rahmen von Vorsorgemaßnahmen genutzt, bei denen von Alters her versucht wird, durch den sog. Fingertest Hinweise auf Prostataveränderungen zu erfassen. Müsste man dieses Organ porträtieren, so spräche man von einer im kleinen Becken verborgenen Sammeldrüse. Als Dirigentin kontrolliert sie die sich hier kreuzenden Samen- und Harnwege.
Vorwort der Stiftung Männergesundheit6
Vorwort der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e. V.8
Inhalt10
Kapitel 1: Die gesundheitliche Lage von Männern14
Männlichkeit und Gesundheit: Aktuelle Debatte und historische Perspektiven15
1 Historischer Paradigmenwechsel in der Wahrnehmung von Geschlecht und Gesundheit15
2 Wer prägt das aktuelle Verständnis von Männergesundheit?15
3 Männergesundheitsdiskurs: Herkunft und Ambivalenzen17
4 Unterschiedliche Lebenserwartung: ganz überwiegend kulturell bedingt17
5 Lebenserwartung der Männer während der letzten 150 Jahre: Der Vorsprung der Frauen wuchs bis ca. 198518
6 Genderspezifische Arbeitsteilung19
7 Traditionelles Leitbild von Männlichkeit20
8 Stärkung der Gesundheits-ressourcen von Männern21
9 Günstige Settings für die Themati­sierung von Männergesundheit22
10 Geschlechtsspezifisches Schädigungsverhalten als historisch geprägt verstehen23
11 Gesundheitshabitus ist erlernt und veränderbar24
12 Inanspruchnahme von Ärzten durch Männer hat sich sehr verändert25
13 Ungleichheiten bei Gesundheitsangeboten26
14 Conclusio27
Gesundheit und gesundheitliche Versorgung von Männern30
1 Einleitung30
2 Demographische Situation30
3 Gesundheitliche Lage31
4 Gesundheitliche Versorgung37
5 Krankheitskosten38
6 Handlungsempfehlungen39
Kapitel 2: Männergesundheit ausgewählter Altersgruppen42
Jungengesundheit in Deutschland: Themen, Praxis, Probleme43
1 Jungengesundheit – ein noch junger Diskurs43
2 Jungengesundheit in ausgewählten Daten46
3 Ansätze jungenbezogener Gesundheitsförderung und Gesundheitsbildung61
4 Beispiele guter Praxisansätze und Projekte63
5 Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen65
Der Alternde Mann71
1 Warum der „Alternde Mann“?71
2 Entwicklungspsychologische Besonderheiten des älter werdenden Mannes73
3 Subjektive körperliche und psychische Beschwerden des Alternden Mannes74
4 Sexualität des Alternden Mannes75
5 Reproduktionsfähigkeit des Alternden Mannes76
6 Altershypogonadismus79
7 Die Berliner Altersstudie (BASE)80
8 Prävention, Beratung und Therapie beim Alternden Mann81
9 Ausblick82
Kapitel 3: Gesundheitsrisiken aus der Arbeitswelt und gesundheitsrelevante Verhaltensweisen84
Arbeit, Arbeitslosigkeit und Gesundheit85
1 Einleitung85
2 Arbeitslosigkeit und Gesundheit87