Manual Maligne Ovarialtumoren Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge
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Barbara Schmalfeldt (Hrsg.)
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Manual Maligne Ovarialtumoren Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge
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W. Zuckschwerdt Verlag
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9783886039838
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9
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CHF 15.00
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Klinische Fächer
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German
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133
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DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF
Das Manual zu den malignen Ovarialtumoren ist als Handbuch für den klinisch tätigen Arzt gedacht. Es unterstützt ihn bei der täglichen Versorgung der Patientinnen mit Ovarialkarzinomen.
Sowohl für die Diagnostik als auch für die Therapie und Nachsorge werden klare, objektive und praxisnahe Empfehlungen ausgesprochen. Soweit vorhanden, werden diese mit evidenzbasierten Daten unterlegt. Die für die einzelnen Themenbereiche wichtigsten Literaturstellen sind im Anschluss an das jeweilige Kapitel aufgeführt, damit sich der Leser seine eigene Meinung bilden und diese auf die individuelle Situation seiner Patientin übertragen kann.
Keimstrangstromatumoren, maligne Keimzelltumoren und maligne Müller-Mischtumoren
(S. 74-75)
C. Anthuber, P. Dettmar, J. Engel, S. Keim, D. Mayr, E. Oberlechner, J. Reif, K. Seck
Keimstrangstromatumoren
2–8 % aller malignen Ovarialtumoren sind Keimstrangstromatumoren. Diese heterogene Gruppe entsteht aus den nicht germinativen Zellen des Ovars, also Abkömmlingen des gonadalen Mesenchyms, den Theka- und Leydig-Zellen und Fibroblasten oder Abkömmlingen der Keimstränge, den Sertoli- und Granulosazellen. Diese Tumoren produzieren mit Ausnahme der FibromeÖstrogene. Auch eine Androgenproduktion ist möglich, diese werden meist peripher inÖstrogene umgewandelt. Die Tumoren werden im Gegensatz zum Ovarialkarzinom meist früh diagnostiziert, das maligne Potenzial ist gering und die Langzeitprognose günstig.
Granulosazelltumoren
Etwa 70 % der Keimstrangstromatumoren sind Granulosazelltumoren, sie enthalten nur ovarielle Zelltypen. Sertoli-Zelltumoren enthalten hingegen nur Zellen vom testikulären Typ. Sind Zelltypen aus weiblichen und männlichen Gonaden vorhanden, spricht man von Gynandroblastomen. Man unterscheidet beim Granulosazelltumor aufgrund histopathologischer Kriterien und dem Zeitpunkt des Auftretens den juvenilen (5 %) und adulten (95 %) Typ.
Der adulte Typ tritt v. a. im mittleren und höheren Lebensabschnitt auf (mittleres Erkrankungsalter 50–54 Jahre), der juvenile Typ bei Kindern oder jungen Frauen [1]. Letzterer ist gekennzeichnet durch eine höhere Proliferationsrate und eine geringere Neigung zu späten Rezidiven. Die Daten im Einzugsgebiet des Tumorregisters München sind mit der internationalen Literatur vergleichbar. Der Altersmittelwert bei Erkrankung liegt bei 54 Jahren, der Anteil der Granulosazelltumoren liegt mit 95 % allerdings etwas höher [2].
Epidemiologie
Die Inzidenz der Granulosazelltumoren wird mit 0,4–1,7/100 000 angegeben. Nach Boyce et al. sind Adipositas und die dadurch bedingte Hyperöstrogenisierung, eine positive Familienanamnese für ein Ovarial- oder Mammakarzinom risikosteigernd, die Einnahme von Kontrazeptiva, Rauchen und Multiparität risikomindernd für die Tumorentstehung [3].
Symptomatik und Diagnostik
Die tumorbedingte Estradiolproduktion kann zu Zeichen der Pseudopubertas präcox, sekundärer Amenorrhö, Infertilität, Brustvergrößerung, Galaktorrhö und zu einerÜberstimulation des Endometriums führen. Mögliche Folge sind eine Endometriumhyperplasie, in 10–15 % auch ein Endometriumkarzinom [4]. Bei Androgensekretion sind Virilisierungserscheinungen möglich. Bei endokrinen Funktionsstörungen ist daher immer ein Granulosazelltumor (durch MRT auch ein Nebennierentumor) auszuschließen, insbesondere weil eine verspätete Diagnose die Prognose verschlechtert [5].
Auch chronische oder akute Unterbauchschmerzen sind häufig. Sie können durch die Tumorgröße, eine Adnextorsion oder eine hämorrhagische Ruptur bedingt sein und den Symptomen einer Extrauteringraviditätähneln. Klinisch auffällig sind meist große, sonografisch inhomogene, echoreiche, solide oder zystisch-septierte Tumoren. Gelegentlich kann die histopathologische Abgrenzung zum kleinzelligen Ovarialkarzinom vom hyperkalzämischen Typ schwierig sein. Die diagnostische Genauigkeit beim Nachweis von Keimstrangstromatumoren könnte in Zukunft durch den Nachweis von Mutationen im FOXL2-Gen erhöht werden.
Shah et al. konnten bei 97 % aller adulten Granulosazelltumoren eine somatische Punktmutation in diesem Gen nachweisen, hingegen nur bei 10 % des juvenilen Typs und 21 % der Thekome. In anderen Keimstrangstromatumoren und anderen Typen von Ovarialmalignomen war diese Mutation nicht nachweisbar [6, 7]. Granulosazelltumoren sind gelegentlich mit dem vererbten Peutz-Jeghers-Syndrom und der multiplen Enchondromatose assoziiert.
Tumormarker Granulosazelltumoren sezernieren meist Estradiol, selten Androgene. Die Bestimmung dieser Hormone kann insbesondere bei den Nachsorgeuntersuchungen hilfreich sein. Die von den Ovarien produzierten Isoformen A und B des Polypeptids Inhibin gelten als zuverlässigere Tumormarker, zuletzt wurde die Isoform B als besonders repräsentativ für den Krankheitsstatus und geeignet für die Nachsorge eingestuft [8]. Auch die in den Granulosazellen des heranwachsenden Follikels produzierte sehr spezifische„Mullerian Inihibiting Substance“ (MIS) korreliert nach einer kürzlich publizierten Studie mit der Tumorlast [9–11].
Vorwort
6
Inhalt
8
Epidemiologie
12
Risikofaktoren
12
Epidemiologische Kenngrößen: Internationale und nationale Daten
12
Inzidenz und Mortalität im zeitlichen Verlauf
13
Klinische Daten aus dem Tumorregister München (TRM)
15
Überlebensanalysen aus dem Tumorregister München
17
Überleben im zeitlichen Verlauf
17
Kooperation mit dem Tumorregister München und Zugang über Internet:
21
Literatur
21
Früherkennung und Diagnostik
22
Früherkennung
22
Diagnostische Verfahren
22
Ausblick
28
Literatur
28
Histologische Klassifikation maligner und potentiell maligner Ovarialtumoren, Stadieneinteilung und Prognosefaktoren
30
Histologische Klassifikation maligner und poten-tiell maligner Ovarialtumoren1 nach WHO [1, 2] mit relativen Häufigkeiten [3]
30
Stadieneinteilung
32
Prognosefaktoren
33
Literatur
35
Hereditäres Ovarialkarzinom
38
Klinik
38
Beratung
38
Genetischer Hintergrund
38
Erkrankungsrisiken
39
Pathologie
40
Überleben
40
Therapie
40
Molekulargenetische Analyse
40
Früherkennung
41
Prophylaktisch bilaterale Salpingoovarektomie (PBO)
42
Medikamentöse Prävention mit oralen Kontrazeptiva
42
Literatur
43
Zentren für Familiäre Brust- und Eierstock-krebserkrankungen, Zentrumssprecher
44
Operative Primärtherapie
46
Allgemeines
46
Operationsvorbereitung
47
Operatives Vorgehen
47
Tumor-Debulking nach präoperativer (neoadjuvanter) Chemotherapie
51
Operative Folgeeingriffe
52
Die Rolle der „minimalinvasiven“ Chirurgie
53
Organerhaltende Operation
53
Operationsbericht
54
Literatur
54
Systemische Primärtherapie einschließlich molekular-biologischer Therapieansätze
57
Indikationen zur Primärtherapie
57
Status vor Chemotherapie
57
Die Entwicklung des derzeitigen Standards und aktuelle Studienprotokolle
57
VEGF-Rezeptorfamilie
61
Zielgerichtete Antikörpertherapie
62
Adjuvante Therapie in den Frühstadien
62
Supportive Therapie
63
Intraperitoneale Chemotherapie
63
Aktuelle Studien
64