D e Behandlung des Prostatakarzinoms in der Primärtherapie ist gut etabliert und stützt sich auf valide klinische Daten. In der Rezidivsituation ist dies jedoch nicht immer der Fall. In den frühen Stadien der Erkrankung kann noch agiert werden, d. h. es bestehen Heilungschancen. Später kann nur noch reagiert werden. Jedoch gibt es auch in diesem Stadium verschiedene interdisziplinäre Ansätze, den Patienten zu therapieren. Die wichtigsten Informationen werden am Ende jedes Kapitels in einem„Fazit für die Praxis“ zusammengefasst. Therapiealgorithmen liegen als Lesezeichen bei. Das Buch bietet eine umfassende Zusammenstellungüber alles, was Sie zur Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinomrezidivs wissen müssen.Über die Herausgeber Die Herausgeber sind Herr Professor Dr. I. A. Adamietz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Ruhruniversität in Herne, Herr Professor Dr. J. Noldus, Direktor der urologischen Klinik der Ruhruniversität in Herne, Frau Professor Dr. Feyer, Chefärztin der Klinik für Strahlentherapie im Klinikum Berlin Neukölln und Herr Professor Dr. H. D. Böttcher aus der Klinik für Strahlentherapie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Univer ität Frankfurt am Main
Diagnostik und bildgebende Diagnostik (Seite 11) Bei der Rezidivfragestellung nach Prostatakarzinom können verschiedene Ausgangssituationen vorliegen. Möglicherweise handelt es sich um kein reelles Rezidiv, sondern eine Tumorpersistenz nach unzureichendem kurativen Ansatz, um ein Lokalrezidiv oder eine Fernmetastase nach Prostatvesikulektomie (PVE), oder auch um Rezidive nach primärer Radiatio, Brachytherapie, primärer Hormon- oder Kryotherapie. Allen Fällen gemein sind das Auftreten eines PSA-Rezidivs in der Nachsorge oder klinische Beschwerden. Um die richtige Entscheidung für eine lokale (z. B. Re-Operation, Radiatio) oder systemische (z. B. Hormontherapie, Chemotherapie) Therapie oder gar ein abwartendes Verhalten („watchful waiting“) treffen zu können, ist eine Differenzierung zwischen lokalem Rezidiv und systemischer Erkrankung wichtig. Der erhöhte gesundheitsökonomische Druck verlangt im Rahmen der Prostatakarzinomnachsorge zunehmend den wohlüberlegten Einsatz der zum Teil sehr aufwändigen und kostenintensiven zur Verfügung stehenden bildgebenden Verfahren. Erst nach Ausschöpfung der erweiterten klinischen Untersuchung, der digital-rektalen Untersuchung (DRU) und des transrektalen Ultraschalls (TRUS)– ggf. erweitert durch eine Stanzbiopsie– erscheint die weitergehende Diagnostik mittels radiologischer und/oder nuklearmedizinischer Bildgebung sinnvoll. Im Vorfeld sollte eine Abschätzung der zu erwartenden Tumorlokalisation in Abhängigkeit vom initialen Tumorstadium, dem Zeitpunkt des PSA-Rezidivs und der PSA-Dynamik durchgeführt werden (Tabelle I nach Bott (1) und Pound (2)) und daraufhin das geeignete Verfahren gewählt werden. Einzig Rezidive von Prostatakarzinomen mit bereits initial extremer Entdifferenzierung oder gar neuroendokriner Entität können PSA-negativ sein, nur durch klinische Symptome auffällig werden und dadurch weitere Diagnostik rechtfertigen. Von diesen sehr seltenen Einzelfällen abgesehen ist nach Pound (3) jegliche klinische oder apparative Diagnostik bei nicht nachweisbarem PSA im Rahmen der Nachsorge unnötig.