Die 5. Auflage des Buches markiert das zehnjährige Jubiläum seit dem ersten Erscheinen dieses Werkes. Alle wichtigen Themen zurDiagnostik, Therapie und Nachsorge des beim Mammakarzinom werden wie gewohnt auf dem aktuellsten Stand und von Experten der jeweiligen Themen präsentiert. Die folgenden Bereiche finden sich in dem Buch: Epidemiologie, hereditäres Mammakarzinom, bildgebende und minimalinvasive Diagnostik, DCIS, Pathohistologie, operative Therapie, Strahlentherapie, Tumorbiologie, Prognoseverfahren, primär systemische Therapie, systemische Therapie, symptomorientierte Therapie, Nachsorge und Rehabilitation. Auch die rechtliche Situation des"nicht erkannten" Mammakarzinoms ist ein Thema sowie ein Beitragüber die Patientinnen-Sicht. Neu aufgenommen wurde ein Beitrag zurÖkonomie und den Kosten der Mammakarzinomdiagnostik und -Therapie. Dieses Buch ist als eine Erweiterung zu den aktuellen Leitlinien gedacht und sollte sowohl dem praktisch tätigen Arzt als auch dem Spezialisten immer wieder zum Nachschlagen und Nachlesen dienen.
Ökonomie bzw. Bezahlbarkeit der Mammakarzinomdiagnostik und -therapie (S. 12)P. Oberender, J. ZerthEinführung und Problemstellung Die allgemeingültige Knappheit der Ressourcen zwingt auch die gesundheitsökonomischen Entscheidungsträger zu einem rationalen Umgang mit knappen Mitteln. Dabei geht die gesundheitsökonomische Betrachtung vom allgemeinenökonomischen Grundsatz aus, dass die Akteure im Gesundheitswesen versuchen, im Durchschnitt ihre eigenen Ziele und Pläne zu realisieren (Rationalitätsannahme). Voraussetzung einer rationalen Handlung ist aber die Transparenzüber medizinische wieökonomische Zusammenhänge. Auch bei der Entscheidungüber Diagnose- und Therapiemaßnahmen resultiert eine Handlung aus der Kenntnis der relevanten Zusammenhänge (Transparenz) in Kombination mit entsprechend adäquaten Anreizen. Vor dem Hintergrund wachsender Kostenbelastung wird die Bedeutung der Gesamttherapiekosten einer Diagnose und Therapie immer wichtiger (vgl. Vogel 1999, 3). Neben dem Preis einer medizinischen Leistung muss auch den Kriterien Effektivität (Wirksamkeit), Effizienz und Verträglichkeit (Nebenwirkungen) stärkere Beachtung geschenkt werden. Im vorliegenden Beitrag soll anhand der Indikation„Mammakarzinom" die Bedeutungökonomischer Evaluationsstudien für die gesundheitspolitische Entscheidungsbildung herausgearbeitet werden. Insbesondere spielt dabei die Diskussion von Screening- und Präventionsprogrammen eine Rolle. Während die Fragestellung nach dem Nutzen oder der Wirksamkeit einer Maßnahme oft sehr schwer zu beantworten ist und wohl großteils in das Gebiet der Mediziner fällt, handelt es sich bei der Kostenaufstellung um ein typisches Problem fürÖkonomen. Die Kostenanalyse kann direkte, indirekte und intangible Kosten berücksichtigen (vgl. Drummond et al. 1989, 30 f.). Die Kosten einer bestimmten Erkrankung lassen sich aus zwei Perspektiven betrachten. Einmal aus der gesamtwirtschaftlichen Ebene unter Berücksichtigung direkter und indirekter Kosten und andererseits aus Sicht der Kosten für einen durchschnittlichen Patienten. Zu den direkten Kosten und Nutzen wird derjenige bewertete zusätzliche Ressourcenverzehr gezählt, der unmittelbar mit der Anwendung bzw. Ausführung der Behandlung verbunden ist (Kosten) oder vermieden werden kann (Nutzen): Zur Bestimmung der direkten Kosten ist der Verbrauch von Ressourcen für Prävention, Behandlung, Rehabilitation und Pflege zu ermitteln ( vgl. Greiner 1999, 27 f.). Zur Berechnung der indirekten Kosten und des Nutzens wird im Allgemeinen nach dem sogenannten Humankapitalansatz vorgegangen. Dieser Ansatz unterstellt, dass Gesundheitsausgaben aus volkswirtschaftlicher Sicht immer auch Investitionen in die Erhaltung der Berufsausübungsfähigkeit der Patienten, also in das Humankapital, darstellen. Bei der Betrachtung der direkten und indirekten Kosten ist jedoch auch der Zeitpunkt des Entstehens dieser Kosten relevant. Die Kosten fallen zu unterschiedlichen Zeitpunkten an, sodass eine Deckungsgleichheit der Absolutbeträge nur bei Annahme von Nullwachstum und Nichtberücksichtigung inflationärer Effekte eintreten kann. Gesundheit lässt sich jedoch nicht nur durch monetäre Kosten ausdrücken. Sie stellt für jedes Individuum einen eigenständigen, subjektiven Wert dar. Wird die Gesundheit durch Krankheit beeinträchtigt, drückt sich dies auch in einer Minderung der Lebensqualität und Lebensfreude aus. Unter intangiblen Kosten versteht man also diejenigen Kosten einer Krankheit, die sich– wennüberhaupt– sehr schwer quantifizieren lassen und für die eine Bewertungüber den Markt nicht möglich ist. Zu diesen intangiblen Kosten zählen vorwiegend negative Empfindungen wie Trauer, Angst und Leid sowie andere Aspekte der Lebensqualität (vgl. Rychlik 1999, 49 ff.). Dieökonomische Theorie versucht, dem Bewertungsproblem zu begegnen, indem gemäß rationalerÜberlegungen alle Ressourcen ihrer jeweils bestmöglichen Verwendungsart zugeführt werden (Leidl 1998, 346 ff.).