: Kommission Ovar der AGO e.V. (Hrsg.)
: Interdisziplinäre S2k-Leitlinie für die Diagnostik und Therapie maligner Ovarialtumoren
: W. Zuckschwerdt Verlag
: 9783886039142
: 1
: CHF 15.00
:
: Klinische Fächer
: German
: 75
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Die beteiligten medizinischen Fachgesellschaften und Patientinnenvertreter sowie Vertreter der Pflegeberufe haben sich zusammengefunden, um gemeinsam einheitliche Handlungsempfehlungen zuDiagnostik und Therapie maligner Ovarialtumoren zu formulieren. Ziel ist, die medizinische Versorgung und die Lebensqualität von Patientinnen mit dieser Erkrankung zu verbessern. Die Empfehlungen umfassen die Beratung von Hochrisikogruppen, die Diagnostik, die operative und systemische Therapie der frühen und fortgeschrittenen Stadien sowie die Behandlung seltener histologischer Subtypen.

Großer Wert wurde auf die Nachsorge, Rehabilitationsmaßnahme , palliative Therapie und psychoonkologische Betreuung gelegt. Die Empfehlungen richten sich an die behandelnden Fachkolleginnen und Kollegen, Pflegeberufe und weitere medizinische Partner in der Behandlung der Patientinnen mit malignen Ovarialtumoren. Darüber hinaus soll sie Betroffenen und Ratsuchenden zur Orientierung dienen. Die Leitlinie ist in 19 Kapitel entsprechend den einzelnen Behandlungssituationen unterteilt.

6 Frühes Ovarialkarzinom (FIGO I–IIA): Prognose und operative Therapie (S. 7)

Bei etwa 30 % der Patientinnen mit einem Ovarialkarzinom ist die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnosestellung auf das kleine Becken begrenzt (Stadium FIGO I oder II). In diesen Frühstadien bestehen gute Aussichten auf eine dauerhafte Heilung. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt stadienabhängig bei 65 bis 90 %. Der wichtigste Prognosefaktor ist das Stadium (FIGO IA,B,C, IIA,B, C).Weitere Prognosefaktoren mit unabhängigem Wert sind Grading,Tumorruptur und Therapiequalität. Bei gesichertem Stadium FIGO IA mit Grading 1 ist ein fertilitätserhaltendes operatives Vorgehen möglich, d. h. Belassung des Uterus und des kontralateralen Ovars nach adäquatem chirurgischem Staging.

Organerhaltendes Vorgehen war bei höherem Stadium>, FIGO IC und Grading G2 oder G3 in einer Metaanalyse mit einem höheren Rezidivrisiko assoziiert. Bei endoskopischer Entfernung eines Ovarialtumors ist die komplette Entfernung unter Vermeidung einer Ruptur erforderlich. Bei endoskopisch anoperiertem Ovarialkarzinom ist das Staging durch Längsschnittlaparotomie baldmöglichst anzuschließen, da ein ausschließlich endoskopisches Staging weniger akkurat ist.

Folgende Inspektions-/Operationsschritte sind nötig:

– Längsschnittlaparotomie

– Peritonealzytologie (Aszites/Peritonealflüssigkeit) oder Spülung mit physiologischer Kochsalzlösung

– Inspektion und Palpation der gesamten Abdominalhöhle: Zwerchfellkuppeln, Leberoberfläche, Gallenblase, Milz, Magen, Pankreas, Nieren, Omentum majus, Dünndarm vom Treitz’schen Band bis Ileozökalklappe inkl. Mesenterialwurzel, parakolische Rinnen, Dickdarm vom Zökum bis zum Rektum, paraaortale Lymphknoten, pelvine Lymphknoten,Adnexe beidseits,Uterus, Beckenperitoneum

– Biopsien aus allen auffälligen Stellen/Verwachsungen

– multiple Peritonealbiopsien aus unauffälligen Regionen (Harnblasen-, Douglasperitoneum, parakolische Rinnen, Zwerchfell)

– Adnexexstirpation beidseits (hohes Absetzen der Gefäßbündel, Vermeidung Kapselruptur)

– Hysterektomie

– Omentektomie, mindestens infrakolisch

– Appendektomie (bei muzinösem und intraoperativ unklarem Tumortyp)

– pelvine Lymphonodektomie beidseits

– paraaortale Lymphonodektomie (beidseits der Aorta/V. cava bis Höhe Vv. renales)

– bei Adhäsion/Verwachsung des Tumors zum Peritoneum: Resektion, ggf. extraperitoneales Vorgehen

Statements
Die systematische chirurgische Exploration ist von entscheidender Bedeutung für die Festlegung des Stadiums und die Entscheidungüber eine Chemotherapie. GoR A [3–5]

Die vollständige Entfernung aller makroskopisch erkennbaren Tumormanifestationen ist mit einem längerenÜberleben und einer höheren Heilungsrate assoziiert. GoR A [1, 3]

7 Frühes Ovarialkarzinom (FIGO I–IIA): Adjuvante Therapie
Patientinnen mit frühem Ovarialkarzinom im Stadium IA, Grad 1 benötigen keine adjuvante Chemotherapie.Voraussetzung ist ein adäquates chirurgisches Staging. Patientinnen mit frühem Ovarialkarzinom Stadium FIGO I–IIA, außer Stadium IA, Grad 1 profitieren von einer platinhaltigen Chemotherapie sowohl hinsichtlich des Gesamt- (Verbesserung der 5-Jahres-Überlebensrate um 8 %) als auch des krankheitsfreienÜberlebens (Verbesserung der 5-Jahres-Überlebensrate um 11 %). Für platinhaltige Kombinationstherapien im Vergleich zur Platinmonotherapie wurde bisher keinÜberlebensvorteil in prospektiv randomisierten Studien nachgewiesen.

Ebenso ist die optimale Anzahl von Zyklen, die verabreicht werden soll, nicht geklärt. In einer randomisierten, aber unter-powerten GOG-Studie zeigten 6 Zyklen Platin/Paclitaxel keinen signifikantenÜberlebensvorteil gegenüber 3 Zyklen derselben Therapie. In den randomisierten Studien der EORTC und ICON wurden 4–6 Zyklen eingesetzt, zumeist waren im Protokoll 6 Zyklen vorgesehen.

Inhalt6
Grußwort7
Vorwort der Leitlinienkoordinatoren8
Mitglieder des Leitlinienverfahrens9
1 Früherkennung und Screening10
2 Genetisches Risiko11
3 Diagnostik12
4 Pathologische Diagnostik13
5 Prognosefaktoren des Ovarialkarzinoms15
6 Frühes Ovarialkarzinom (FIGO I–IIA): Prognose und operative Therapie16
7 Frühes Ovarialkarzinom (FIGO I–IIA): Adjuvante Therapie18
8 Fortgeschrittenes Ovarialkarzinom (FIGO IIB–IV): Prognose und operative Therapie19
9 Fortgeschrittenes Ovarialkarzinom (FIGO IIB–IV): Primäre Chemotherapie22
10 Erhaltungstherapie24
11 Ovarialkarzinomrezidiv: Operative Therapie25
12 Ovarialkarzinomrezidiv: Systemische Therapie26
13 Psychoonkologie28
14 Unkonventionelle Heilmethoden beim Ovarialkarzinom29
15 Nachsorge und Rehabilitation30
16 Palliativmedizin32
17 Borderline-Tumoren des Ovars33
18 Maligne Keimzelltumoren35
19 Keimstrangstroma-Tumoren des Ovars37
Literatur39
Methodenreport zur S2-Leitlinie „Ovarialkarzinom“66