: Manfred Kaufmann ua. (Hrsg.)
: Aktuelle Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie
: W. Zuckschwerdt Verlag
: 9783886038992
: 1
: CHF 7.90
:
: Klinische Fächer
: German
: 253
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

Die Onkologie hat in Deutschland wie auch international ein hohes Niveau. Dies zeigt sich nicht nur in der Qualität diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen, sondern auch in dem Vorhandensein qualitätssichernder Maßnahmen. Hier ist vor allem die Entwicklung und das Vorhandensein von Leitlinien/Therapieempfehlung n zu nennen. Gerade auf dem Gebiet der Gynäkologischen Onkologie ist die Entwicklung von Leitlinien/Therapieempfehlung n und deren Implementierung am weitesten fortgeschritten.

Alle Empfehlungen werden interdisziplinär erarbeitet und abgestimmt. Erstmalig werden in diesem Band alle Empfehlungen der verschiedenen Kommissionen gesammelt herausgegeben. Dies sind die Kommissionen Mamma, Ovar, Uterus, Vulva/Vagina und Translationale Forschung (TraFo). Von allen Kommissionen finden sich die aktuellsten Empfehlungen in diesem Band, zusätzlich zwei Grundsatzarbeiten zur Gynäkologischen Onkologie und zu Leitlinien selbst. Ergänzend wurden bei den Kommissionen Mamma und Ovar noch zusätzliche aktuelle Arbeiten eingefügt, um wirklich den„State of the Art 2006“ für alle Bereiche zu erweitern. 

Maligne Ovarialtumoren (S. 116-117)

Kommission Ovar der AGO

Epidemiologie
Die Inzidenz der malignen Ovarialtumoren in Deutschland betrug im Jahr 2000 23,0 Neuerkrankungen pro 100 000 Frauen, die Mortalität 14,5 Fälle pro 100 000 Frauen. Damit erkranken jährlich in Deutschland etwa 10 000 Frauen an einem malignen Ovarialtumor. Als Risikofaktoren wurden zunehmendes Lebensalter, belastete Familienanamnese und endokrine Faktoren (frühe Menarche, späte Menopause, primäre Sterilität, polyzystische Ovarien, langjährige Hormonsubstitution) nachgewiesen. Parität, Ovulationshemmer, Hysterektomie und Tubenligatur haben einen protektiven Einfluss. 95% der Ovarialkarzinome treten sporadisch auf. Bei etwa 5% der Karzinome geht man von einer genetischen Prädisposition aus.

Aus den Daten einer Metaanalyse aus 22 Studien mit insgesamtüber 8000 Mutationsträgern geht hervor, dass das kumulative Risiko für BRCA1-Mutationsträgerinnen, im 50. Lebensjahr am Ovarialkarzinom zu erkranken, bei 14% und im Alter von 70 Jahren bei 43% liegt. Für BRCA2-Mutationsträgerinnen sind die Erkrankungsrisiken deutlich niedriger und betragen 3% im Alter von 50 Jahren und 15% im Alter von 70 Jahren. Zur primären Prävention für Frauen mit hohem Risiko für ein hereditäres Ovarialkarzinom können Ovulationshemmer und ablative Maßnahmen angeboten werden. Ovulationshemmer reduzieren das Erkrankungsrisiko um etwa 60% bei einer Einnahmedauer von sechs Jahren. Die prophylaktische Salpingo-Oophorektomie senkt das Ovarialkarzinomrisiko um 96%. Da ein sprunghafter Risikoanstieg ab dem 40. Lebensjahr gezeigt werden konnte, sind chirurgische Maßnahmen ab diesem Zeitpunkt bei abgeschlossener Familienplanung sinnvoll.

Früherkennung und Screening

Ein generelles Screening kann für das Ovarialkarzinom im Augenblick nicht empfohlen werden. Die zurzeit vorliegenden Daten können nicht belegen, dass die routinemäßig durchgeführte Vaginalsonographie oder die regelmäßige Bestimmung des Tumormarkers CA 125 die Früherkennung des Ovarialkarzinoms ermöglichen.

Diagnostik

In der Diagnostik des Ovarialkarzinoms hat die Transvaginalsonographie unter den bildgebenden Verfahren den höchsten Stellenwert. Hierbei wird die Dignität des Tumors nach morphologischen Kriterien wie Zystengröße,Wanddicke, Vorhandensein von Septen und soliden Anteilen beurteilt. Der Nachweis zentraler Vaskularisation im Adnextumor scheint die Aussagekraft in Bezug auf das Vorliegen eines malignen Tumors zu erhöhen. Derzeit besteht keine apparative diagnostische Maßnahme, die ein operatives Staging beim Ovarialkarzinom ersetzen und die Operabilität verlässlich einschätzen kann. Die diagnostische Punktion eines zystisch soliden oder rein soliden Ovarialtumors ist in jedem Fall kontraindiziert, da hierdurch Tumorzellen intraperitoneal disseminiert werden können. Der Tumormarker CA 125 ist aufgrund der geringen Spezifität nicht zur Früherkennung geeignet, er sollte aber zur Verlaufsbeurteilung vor Therapiebeginn bestimmt werden. Molekulare Muster stehen derzeit zur Früherkennung, Vorhersage des Therapieansprechens und als Prognosefaktor nicht zur Verfügung.

Pathologische Diagnostik

Die histologische Klassifikation der Ovarialkarzinome und anderer Ovarialtumoren erfolgt gemäß der aktualisierten WHO-Klassifikation (2003). Die Schnellschnittuntersuchung von Ovarialtumoren kann in eindeutigen Fällen eine intraoperative Diagnosesicherung und damit ein einzeitiges Vorgehen ermöglichen. Bei unklarer Befundlage und/oder angestrebter Fertilitätserhaltung ist eine differenzierte morphologische Aufarbeitung des fixierten Operationsmaterials, gegebenenfalls mit zweizeitigem Eingriff, vorzuziehen. Histologisch und klinisch sind morphologisch zwar bisweilen sehrähnliche, tumorbiologisch jedoch erheblich differente Läsionen mit ihren Subtypen voneinander abzugrenzen: Ovarialkarzinome, extraovarielle (peritoneale) Karzinome, Borderline-Tumoren, Keimzelltumoren, Keimstrang-Stromatumoren, Ovarialmetastasen, u.v.m. Die Borderline-Tumoren und die Ovarialkarzinome werden nach der WHO-Klassifikation entsprechend dem Zelltyp in seröse, muzinöse (endozervix-ähnlich und intestinal), endometroide, klarzellige,übergangszellige sowie gemischte Typen eingeteilt. Den endometroiden Formen werden auch die Adenosarkome, die mesodermalen (Müller-) Mischtumoren und die Stromasarkome zugeordnet. Eine verlässliche Typisierung von Ovarialtumoren kann zusätzlich zur konventionellen Histologie den differenzierten Einsatz histochemischer und immunhistochemischer Untersuchungen erforderlich machen.

Inhalt6
Geleitwort8
Der neue Schwerpunkt Gynäkologische Onkologie: Nationale und internationale Chance?10
Das Gebiet Frauenheilkunde und Geburtshilfe11
Der Schwerpunkt Gynäkologische Onkologie12
Die Zusatzweiterbildung13
Internationalisierung der Facharztweiterbildung - Zertifizierung durch das European Board and College of Obstetrics and Gynaecology ( EBCOG) und der European Society of Gynaecological Oncology ( ESGO)14
Ausbildungsbegleitendes Kurssystem der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe ( DGGG)15
Kommentar16
Von Standards, Leitlinien und Richtlinien und deren Einfluss auf das tägliche medizinische Handeln19
Leitlinie Stufe 1 (S1): Die Expertengruppe22
Leitlinie Stufe 2 (S2): Die formale Konsensusfindung (k) oder die Evidenz- Grundlage (e)22
Leitlinie Stufe 3 (S3): Leitlinie mit allen Elementen systematischer Entwicklung26
Primäre Mammakarzinome29
Zielsetzung29
Vorgehensweise30
Screening, Früherkennung und Diagnose30
Diagnostik und Therapie bei genetisch determinierten Mammakarzinomen32
Medikamentöse und operative Prävention von Mammakarzinomen33
Diagnostik und Behandlung von Brustkrebsvorstufen (ADH/ DCIS und ALH/ LCIS)34
Therapiegestaltung beim primären Mammakarzinom37
Nachsorge49
Prognostische und prädiktive Faktoren49
Literatur50
Rezidivierte und metastasierte Mammakarzinome57
Zielsetzung57
Vorgehensweise58
Das lokoregionäre Rezidiv58
Zielsetzung und Therapiegestaltung bei der metastasierten Erkrankung61
Endokrine Therapie63
Zytostatische Therapie68
Therapie mit Antikörpern und kleinen Molekülen74
Behandlung besonderer Lokalisationen75
Supportive Therapie81
Komplementäre und alternative Medizin (CAM)81
Literatur82
Anhang 1: Aromataseinhibitoren88
Einsatz der Aromatasehemmer in der adjuvanten endokrinen Therapie des Mammakarzinoms88
Einleitung88
Grundlagen der antihormonellen Therapie89
Aromatasehemmer in der adjuvanten Therapie postmenopausaler Patientinnen89
Aromatasehemmer von Beginn an - Upfront-Therapie90
Sequenzielle antihormonelle Therapie in der Postmenopause93
Aromatasehemmer in der erweiterten adjuvanten Therapie95
Schlussfolgerungen für die Praxis95
Empfehlungen der Organkommission Mamma der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) 200696
Literatur97
Anhang 2: Adjuvante Antikörpertherapie99
Adjuvante und primär-systemische (neoadjuvante) Therapie mit dem monoklonalen Antikörper Trastuzumab bei Mammakarzinompatientinnen mit HER- 2/ neu- Überexpression99
HER-2/neu-Überexpression mit erhöhtem Risiko assoziiert99
Therapie mit dem monoklonalen Antikörper Trastuzumab100
HER-2/neu-Testung zum Zeitpunkt der Diagnose empfohlen100
Trastuzumab in der adjuvanten Therapie des HER-2/neu-Überexprimierenden Mammakarzinoms101
Kardiale Sicherheit von Trastuzumab in der adjuvanten und primär- ystemischen Therapiesituation108
Literatur111
Anhang 3: Brustkrebs in der Schwangerschaft113
Epidemiologie113
Diagnostik114
Therapie118
Genetische Beratung122
Das Neugeborene122
Planung der Entbindung123
Ausblick in die Zukunft123
Literatur124
Maligne Ovarialtumoren125
Epidemiologie125
Früherkennung und Screening125
Diagnostik126
Epitheliale Ovarialkarzinome127
Frühes Ovarialkarzinom Stadium FIGO I-IIA127
Fortgeschrittenes Ovarialkarzinom Stadium FIGO IIB-IV130
Nachsorge133
Therapie des Ovarialkarzinomrezidivs133
Psychoonkologie/Lebensqualität134
Unkonventionelle Heilmethoden beim Ovarialkarzinom135
Borderline-Tumoren (BOT)136
K