Anwendungsorientierte Pflegeforschung Ethik in der Pflege
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AnetteThoke-Colberg
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Anwendungsorientierte Pflegeforschung Ethik in der Pflege
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W. Zuckschwerdt Verlag
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9783886038626
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1
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CHF 18.60
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Pflege
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German
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247
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DRM
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PC/MAC/eReader/Tablet
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PDF
Anwendungsorientierte Pflegeforschung hat drei vorrangige Ziele. Für die Pflege soll eine fundierte, evidenzbasierte Wissensgrundlage geschaffen werden. Dies ist vor allem deshalb wichtig, da der Pflege eine große Bedeutung für das Gesundheitswesen und die Krankenversorgung zukommt. Zweitens soll der Patient durch die Neuausrichtung der Pflegepraxis eine größtmögliche Eigenständigkeit bei der Bewältigung seines Alltags erhalten. Und drittens soll durch die anwendungsorientierte Pflegeforschung die Kooperation mit anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen verbessert werden. In diesem Buch berichten eine Reihe renommierter Wissenschaftler über Projekte und Ergebnisse aus diesem Themenbereich. Einen Schwerpunkt stellen Projekte aus dem Bereich der Onkologie dar. Die Anforderungen an die Pflege bestehen hier nicht nur in der klassischen pflegerischen Intervention. Durch die Anwendung von selbstständigkeitsfördernder Pflegeinterventionen ergibt sich z. B. bei Patienten, die eine Chemotherapie erhalten, eine signifikante Verbesserung von Angst-Symptomen. Selbstständigkeitsfördende Pflegeinterventionen sind Information, Beratung, Anleitung und Schulung von Patienten. Ein zweiter Schwerpunkt ist der Bereich der Ethik. Ethik ist ein gedankliches System, welches definiert, was gut und was falsch bzw. böse ist. Grundsätzlich ist jedes ethisch-moralische Verhalten stark an gesellschaftliche Normen und Vorstellungen der jeweiligen geschichtlichen Epoche gebunden. Hier sind Begriffe wie Würde, gegenseitige Achtung und Respekt angesiedelt. Wie sind jedoch diese hohen moralischen Ziele in der täglichen Arbeit zu verwirklichen? Gerade heute zeigt sich, dass die Beachtung ethischer Grundprinzipien im klinischen Alltag und in der Pflegeforschung eine große Herausforderung darstellt, vor allem auch in Bezug auf die neue Rolle der Pflege in der Pflegeforschung. Dieses Buch setzt sich intensiv mit den aktuellen Themen der anwendungs-orientierten Pflegeforschung auseinander, gibt viele Anregungen für die Praxis und lädt auch zum Überdenken bisheriger Vorgehensweisen ein.
Angaben zur Herausgeberin:
Frau
Thoke-Colberg ist seit 1996 Pflegedirektorin am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Seit 1989 ist sie am Klinikum rechts der Isar in unterschiedlichen Funktionen tätig. Sie ist ausgebildete Krankenschwester, Lehrerin für Pflegeberufe, Pflegedienstleitung und Betriebswirtin.
Progressive Muskelrelaxation (PMR) nach Jacobson
(S. 77-78)
Vorstellung der Methode
B.Wardetzki
Sektion Physikalische und Rehabilitative Medizin, Klinik für Orthopädie und Physikalische Medizin, Universität Halle Forschungsergebnisse belegen, dass psychische Belastungen und Stress häufig eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von gesundheitlichen Beschwerden spielen. Entspannungsmethoden haben dementsprechend in den letzten Jahren als Maßnahmen zur Vorbeugung oder als Therapie ohne schädliche Nebenwirkungen an Bedeutung gewonnen.
In den 20er-Jahren entwickelte Prof. Schultz das Autogene Training, und etwa zeitgleich Dr.Edmund Jacobson in den USA die Progressive Muskelrelaxation, ein an der Muskulatur ansetzendes Entspannungsverfahren. Unter der Vielzahl der heute angewendeten Entspannungsverfahren sind diese beiden Methoden am weitesten verbreitet und am besten erforscht. Entspannungstraining kann die Fähigkeit verbessern, Alltagsbelastungen in günstiger Weise zu bewältigen, kann die Gesundheit stärken und die Lebensqualität erhöhen. Dabei darf Entspannungstraining natürlich nicht als ein »Wundermittel« zur Lösung aller Lebensprobleme missverstanden werden. Aber das regelmäßige Praktizieren des Trainings ist im Sinne eines gesundheitlichen Schutzfaktors ein wichtiger eigener Beitrag, um die seelische und körperliche Gesundheit zu schützen und zu stärken. Die Progressive Muskelrelaxation, kurz PMR genannt, hat bisher in Deutschland einen geringeren Bekanntheitsgrad als in den USA.Doch die Zahl der angebotenen Kurse steigt, da diese Methode vielen Teilnehmern wegen des pragmatischen und »handfesten« Charakters zumindest als Einstieg in das Entspannungstraining besonders zusagt.
Während bei anderen Entspannungsverfahren in aller Regel etwas Geduld bis zu den ersten spürbaren Wirkungen aufgebracht werden muss, werden bei der PMR meist bereits nach den ersten Übungen Entspannungsempfindungen wahrgenommen.
Ein weiterer Grund für das wachsende Interesse liegt darin, dass diese Methode als das durch wissenschaftliche Studien bisher am besten untersuchte und in seinen positiven Wirkungen überzeugendste Entspannungsverfahren gilt.
Der Zusammenhang zwischen psychischer und muskulärer Spannung ist der Mechanismus, über den die PMR wirksam werden kann. Edmund Jacobson beschäftigte sich als Wissenschaftler zu Beginn unseres Jahrhunderts intensiv mit der Funktionsweise der Muskulatur. Dabei fiel ihm auf, dass innere Unruhe, Stress und Angst mit Anspannungen der Muskulatur einhergehen.
Ein Mensch, der innerlich angespannt oder ängstlich ist, ist meist auch muskulär angespannt. Allerdings führt nicht nur psychische Anspannung zu höherer Muskelanspannung. Es gilt auch der umgekehrte Fall, dass eine Lockerung der Muskulatur in aller Regel mit einem Ruhegefühl einhergeht.Wir haben es hier mit einem Zusammenhang zwischen Psyche und Körper zu tun, der in beide Richtungen besteht:
Die Psyche wirkt auf den Körper und umgekehrt. Das bedeutet, körperliche Veränderungen können auch Änderungen im psychischen Befinden hervorrufen. Der Großteil der »Zivilisationserkrankungen« wird in ihren Entstehungsbedingungen nach Jacobsons Auffassung vor allem durch die Annahme einer gestörten persönlichen Ökonomie verständlich.Vor allem überfordernder Stress und seelische Belastungen führen häufig zu Verspannungen der Muskulatur,wodurch z.B. Rücken- und Gelenkbeschwerden sowie Kopfschmerzen hervorgerufen werden können. Geistige Aktivitäten beeinflussen nicht nur die Willkürmuskulatur, sondern auch im Sinne reflexartiger Reaktionen die unwillkürliche Muskulatur. Diese Annahme macht die Entstehung von Fehlregulationen in Hinblick auf die Funktion der Organe verständlich. Beispielsweise können spannungsbedingte Verkrampfungen der Herzkranzgefäße bei entsprechender Vorschädigung zu Angina pectoris oder auch Herzinfarkten beitragen. Ebenso können durch neuromuskuläre Überstimulation Störungen und Erkrankungen der Verdauungsorgane, Bluthochdruck, arthritische Beschwerden, Störungen des Nervensystems und der Psyche mitbedingt werden. Durch die Methode der PMR soll dem Übenden eine möglichst tiefgehende Entspannung ermöglicht werden. Um dies zu erreichen, wird zunächst die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Muskelgruppe gelenkt, z.B. auf Unterarm u. Hand. Dann wird diese Muskelgruppe für 5–10 sec angespannt (Zeit u.Anspannungsstärke werden den jeweiligen Erfordernissen angepasst). Der Patient erhält dabei z.B. den Übungsauftrag, die Hand zur Faust zu schließen, wobei die entstehenden Empfindungen möglichst genau wahrgenommen werden sollen. Daraufhin erfolgt eine Entspannungsphase von 15–30 sec Dauer, dabei wird wiederum die Aufmerksamkeit auf die entstehenden Körperempfindungen gerichtet. Der Übungsablauf ist so aufgebaut, dass die verschiedenen Muskelgruppen nacheinander in das Training einbezogen werden. Üblicherweise werden in den Kursen für PMR zunächst in »Langformen« relativ viele Übungen einbezogen, bevor dann »Kurzformen« geübt werden, die relativ wenig Zeit benötigen.
Inhalt
6
Vorwort
10
Evidence für komplexe pflegerische Interventionen zugunsten chronisch Kranker und Pflegebedürftiger in kommunikativ schwierigen Situationen
12
Evidence-based Nursing und die diagnostische Klassifikation ICF der Weltgesundheitsorganisation
12
Kommunikative Einschränkungen: Möglichkeiten der differenzierten Erfassung im Rahmen der ICF der WHO und anerkannter pflegerischer Klassifikations- und Zielsysteme
13
Kommunikative Einschränkungen und Exklusionen: Möglichkeiten der differenzierten Bewältigung in internationaler EbN- Forschung
15
Demographischer Wandel und die rehabilitative Umorientierung auf Teilhabeziele chronisch Kranker und Behinderter - von der ICIDH zur ICF
16
Chronisch pflegebedürftig: Orientierung an persönlichen Verläufen statt an Einrichtungsdefinitionen
17
Professionelle kommunikative Kompetenz zur Unterstützung von Autonomie: Autonomie ist nicht gleich Selbsttätigkeit
19
Methoden Evid