: Kim Stanley Robinson
: Pazifische Grenze Die Kalifornien-Trilogie, Band 3 - Roman
: Heyne
: 9783641208738
: Die Kalifornien-Trilogie
: 1
: CHF 5.40
:
: Science Fiction
: German
Kalifornische Utopie
Wir schreiben das Jahr 2065. Kevin Claiborne hat sich auf den Bau 'grüner' Häuser spezialisiert, und arbeitet daran, aus El Modena ein modernes Ökotopia zu machen. Er gehört den 'Grünen' an, deren politische Gegner die New Federalists sind. Den einen geht es darum, nachhaltig und umweltschonend zu leben, die anderen verfolgen vor allem wirtschaftliche Interessen. Plötzlich findet Kevin sich in einer Auseinandersetzung wieder, die sich nicht mehr allein auf die politische Bühne beschränkt, und muss erkennen, dass hinter der Öko-Idylle Kräfte lauern, die ihre Ziele um jeden Preis erreichen wollen ...

Kim Stanley Robinson wurde 1952 in Illinois geboren, studierte Literatur an der University of California in San Diego und promovierte über die Romane von Philip K. Dick. Mitte der Siebzigerjahre veröffentlichte er seine ersten Science-Fiction-Kurzgeschicht n, 1984 seinen ersten Roman. 1992 erschien mit 'Roter Mars' der Auftakt der Mars-Trilogie, die ihn weltberühmt machte und für die er mit dem Hugo, dem Nebula und dem Locus Award ausgezeichnet wurde. In seinem Roman '2312' erkundet er die verschiedenen Gesellschaftsformen, die die Menschheit nach ihrem Aufbruch ins Sonnensystem erschafft. Zuletzt sind bei Heyne seine Romane 'New York 2140', der in einem vom Klimawandel gezeichneten New York der nahen Zukunft spielt, und sein Bestseller 'Das Ministerium für die Zukunft' erschienen. Kim Stanley Robinson lebt mit seiner Familie in Davis, Kalifornien.

1


 

Ein solcher Morgen konnte nicht durch Verzweiflung getrübt werden.

Die Luft war kühl und duftete nach Salbei. Sie hatte jene Klarheit, die sich im Süden Kaliforniens immer dann zeigt, wenn der Wind allen Dunst und Ballast der Geschichte aufs Meer hinausgeweht hat – Luft wie ein riesiges Vergrößerungsglas, sodass die schneebedeckten San-Gabriel-Berge zum Greifen nahe erschienen, obgleich sie vierzig Meilen weit entfernt waren. Die blauen Vorberge waren von Schluchten und Rinnen durchzogen, und unterhalb der Vorberge schien die breite Küstenebene aus nichts anderem als Baumwipfeln zu bestehen: weite Gärten und Haine mit Orangen, Avocados, Zitronen, Oliven; Eukalyptus und Palmen als Windbrecher; Tausende von verschiedenen Arten von Zierbäumen, sowohl natürlichen Ursprungs als auch genetisch manipuliert. Es war, als bestünde die ganze Ebene aus einem entfesselten Garten, den die abendliche Sonne in allen möglichen Grünschattierungen erstrahlen ließ.

Auf all dies blickte ein Mann hinab, der einen Bergpfad hinunterschritt und gelegentlich stehen blieb, um die Aussicht zu genießen. Er bewegte sich locker und lässig und vollführte ab und zu einen leichten Hüpfer, als sei er in ein Spiel vertieft. Er war zweiunddreißig Jahre alt, aber er sah aus wie ein Junge, der durch die Berge streunt und alle Zeit der Welt hat.

Er trug eine Arbeitshose aus Khakistoff, ein T-Shirt und schmutzige Tennisschuhe. Seine Hände waren groß, schwielig und voller Narben; seine Arme waren lang. Von Zeit zu Zeit unterbrach er seinen Marsch, um einen unsichtbaren Baseballschläger zu ergreifen und auszuholen und schwungvoll zuzuschlagen. Dabei stieß er ein lautes »Bumms!« aus. Tauben, die ihrem morgendlichen Paarungsritual frönten, flatterten auseinander, und der Mann lachte laut und eilte weiter den Pfad hinunter. Sein Nacken war gerötet, die Haut voller Sommersprossen, die Augen blickten schläfrig, und sein Haar war blond und stand zu allen Seiten ab. Er hatte ein längliches Gesicht mit ausgeprägten Wangenknochen und blassblauen Augen. Indem er gleichzeitig zu laufen und nach Catalina hinunterzublicken versuchte, stolperte er und musste ein Stück bergab rennen, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. »Hey!«, rief er. »Mann! Was für ein Tag!«

 

Er kam den Berghang nach El Modena hinunter. Seine Freunde tauchten einzeln oder zu zweit aus den Bergen auf, zu Fuß oder per Fahrrad, um sich an einer aufgerissenen Kreuzung zu treffen. Sie griffen nach Hacke oder Schaufel, sprangen in tiefe Löcher hinunter und fingen an zu arbeiten. Erde flog in Loren, Spitzhacken trafen mit einem Klirren auf Steine, Stimmen riefen sich etwas zu.

Sie rissen die Straße auf. Es war eine große Kreuzung gewesen: vierspurige Asphaltstraßen, Bordsteine aus weißem Beton, große asphaltierte Parkplätze und Tankstellen an den Ecken, dahinter Einkaufszentren. Nun waren die Gebäude verschwunden und auch der größte Teil des Asphalts, wegtransportiert zu den Raffinerien in Long Beach; und sie gruben sich tiefer.

Seine Freunde begrüßten ihn.

»Hey, Kevin, sieh mal, was ich gefunden habe.«

»Hi, Doris. Das sieht aus wie ein Schaltkasten fürAmpeln

»So einen haben wir schon mal gefunden.«

Kevin hockte sich zu dem Kasten und untersuchte ihn. »Jetzt haben wir zwei. Sie haben ihn wahrscheinlich einfach hiergelassen, als sie einen neuen aufstellten.«

»Was für eine Verschwendung.«

Aus einem anderen Krater hörte man Gabrielas Stöhnen. »Nein! Nein! Telefonleitungen, Energiekabel, Gasleitungen, PVC-Rohre, die Leitungen der Verkehrslichter – und schon wieder ein neuer Tankstellentank!«

»Seht mal, hier ist ein Haufen zerquetschter Bierdosen«, sagte Hank. »Wenigst