I
Mit wildem Herzklopfen erwachte ich aus meinem Traum und drehte mich von meiner linken Schlafseite aus auf den Rücken. Ein wenig aufgeregt und verwirrt tastete ich mit meiner rechten Hand nach Momo, meiner weiß-grau-gestreiften Katze, die sich für gewöhnlich jeden Morgen tiefschlafend eng an mich kuschelte. Aber an diesem Morgen war Momo nicht da. Leise seufzte ich auf und blickte mich noch vom Schlaf benommen im Zimmer um. Sah die Wände, die noch nicht ganz fertig gestrichen waren. Nur die eine Wand, von der ich beschlossen hatte, sie in einem satten, sonnigen Gelb zu streichen, war schon fertig. Doch dafür, dass wir erst seit knappen drei Wochen in diesem Haus in den Niederlanden wohnten, hatten wir uns schon sehr wohnlich eingerichtet. Nur das Schlafzimmer hatten wir etwas vernachlässigt. Außer unserem gut zwei Meter breiten Bett, in dem schon meine Großeltern mütterlicherseits nächtigten, und unserem Kleiderschrank hatten wir noch nichts aufgebaut. Und unser Kleiderschrank stand so günstig, dass ich mir morgens im Bett liegend meine Kleidungsstücke aussuchen konnte. Das Bett und der Kleiderschrank waren aus hellem Holz und hatten in der Tat schon einige Jährchen auf dem Buckel. Ja, ich liebte Holz. Und meine große Liebe für Holz kam vermutlich daher, weil ich in einem reinen Holzhaus aufwuchs. Unwillkürlich musste ich grinsen, als ich meine sechs Paar Schuhe überaus ordentlich neben der Schlafzimmertür stehen sah. Jonas, mein Mann, mit dem ich seit einer guten Woche verheiratet war, hatte sie vor einigen Tagen dort so hingestellt. Er meinte, das ließe unser Schlafzimmer wenigstens etwas gemütlicher und wohnlicher wirken.
Weiter wanderten meine verschlafenen Blicke zu den Fotos, die teilweise schon an der fertig gestrichenen, gelben Wand hingen. Auf diesen Fotos waren überwiegend die Menschen zu sehen, die mich großzogen und mein Leben lang begleiteten. Bis zu meinem vierunddreißigsten Lebensjahr glaubte ich fest, sie seien meine leibliche Familie. Nun, aber man konnte schon sagen, dass ich diesen Menschen ähnlich sah. Meine Augen hatten um ein Haar genau denselben Braunton, wie die meines Vaters und die von meinen vier Schwestern. Und meine Nase hatte genau dieselbe Kartoffelform, wie die meines Vaters. Meine Haare waren ebenfalls dunkel. Genauso wie die Haare meiner vier Schwestern und die meines Vaters. Nur meine Schwester Stefanie und meine Mutter waren blond und hatten tiefblaue Augen.
Meine Schwester Stefanie war nur ein knappes Jahr älter als ich und meine absolute Lieblingsschwester.
Jetzt schon etwas munterer blickte ich aus dem Schlafzimmerfenster. Es war genial, dass jedes Fenster unseres Hauses bis zum Fu