Teil 2
PHILOSOPHIE
1. Was ist ein Reading?
Vortrag vor der ersten Studiengruppe aus Norfolk, Virginia, anlässlich eines offenen Treffens am 6. Februar 1933
Von Edgar Cayce
Ja, was eigentlich ist ein Reading?
Es ist nicht leicht, Ihnen etwas zu erklären, das so sehr ein Teil von mir geworden ist. Genausogut könnte ich versuchen, Ihnen zu erklären, wie mein Gesicht aussieht. Vielleicht könnte ich Ihnen etwas über meine Erfahrungen oder Gedanken zu den Readings erzählen, doch zu der Frage, was ein Reading ist, kann ich nur das wiedergeben, was andere dazu gesagt haben und welche Erkenntnis sich mir erschloss, als ich die Wirkungen miterleben durfte, die sich im Geist jener vollzogen haben, denen ich Readings geben konnte.
Ich übertreibe sicher nicht, wenn ich sage, dass ich in den vergangenen 31 Jahren etwa 25.000 Mal in jenem bewusstlosen Zustand war, in dem ich die Readings gebe, und doch habe ich nie auch nur ein einziges Reading selbst gehört. Wie also kann ich Ihnen eines beschreiben?
Von zahlreichen Menschen, die nie ein Reading miterlebt haben, wurde ich gefragt, wie ich denn überhaupt wissen kann, dass mir so etwa möglich ist. Nun, ich wusste es nie – weiß es auch immer noch nicht – und muss daher anderen Leuten, die es mir bestätigten, Glauben schenken.
Bevor ich ein Reading gebe, lockere ich zunächst meine Kleidung – also Schnürsenkel, Krawatte, Manschetten und Gürtel, damit mein Blutkreislauf frei fließen kann.
Anschließend lege ich mich auf das Sofa in meinem Büro. Bei einem Reading zu einem körperlichen Problem lege ich mich so hin, dass mein Kopf nach Süden und meine Füße nach Norden zeigen. Wenn ich ein Lebens-Reading gebe, mache ich es umgekehrt: Dann zeigen meine Füße nach Süden und der Kopf nach Norden. Den Grund für diese „Polarisation“ – so nennen es die Readings – kenne ich nicht.
Wenn ich dann bequem liege, lege ich beide Hände auf die Stirn, und zwar dorthin, wo, wie mir Beobachter gesagt haben, das dritte Auge liegt, und bete. Ich finde es sehr interessant, dass ich, ohne es zu wissen, ganz instinktiv schon von Anfang an Praktiken übernommen habe, die von Kennern in der Meditation angewendet werden. Einer der Fälle, die ich meine, ist das Legen meiner Hände auf diesen gewissen Punkt meiner Stirn, zwischen beiden Augen.
Nun warte ich etwa zehn Minuten, bis ich etwas empfange, dass man als „Signal zum Start“ bezeichnen könnte. Dieses zeigt sich mir als leuchtend weißer, manchmal auch goldfarbener Blitz. Er ist für mich das Zeichen, dass jetzt ein Kontakt besteht. Wenn ich diesen Blitz nicht sehe, kann ich das Reading nicht geben.
Anschließend bewege ich meine Hände bis zum Solarplexus und – so erzählt man mir – ich fange mit einer tiefen und rhythmischen Bauchatmung an. Dieser Zustand hält einige Minuten lang an. Wenn meine Augen dann zufallen (bis dahin waren sie offen, jedoch leicht glasig), weiß der jeweilige Leiter, dass ich bereit bin, die Worte aufzunehmen, die er mir langsam und deutlich suggeriert. Handelt es sich zum Beispiel um ein den Körper betreffendes Reading, so wird mir der Name