: Christian Hoffarth
: Urkirche als Utopie Die Idee der Gütergemeinschaft im späteren Mittelalter von Olivi bis Wyclif
: Franz Steiner Verlag
: 9783515115056
: Hamburger Studien zu Gesellschaften und Kulturen der Vormoderne
: 1
: CHF 56.00
:
: Geschichte
: German
: 309
: Wasserzeichen/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF

In der Apostelgeschichte beschreibt der Evangelist Lukas das Gemeinschaftsleben der ersten Christen in Jerusalem. Als Zeichen ihrer vollendeten Eintracht schildert er die Gütergemeinschaft. Die Gläubigen hätten ihre Habe verkauft und die Erlöse in die Gemeinde eingebracht, sodass niemand mehr irgendetwas sein Eigen genannt habe und alle mit dem Notwendigen versorgt gewesen seien. Im institutionalisierten Christentum verstand man die urchristliche Gütergemeinschaft zunächst hauptsächlich als Muster für das Klosterleben. Erst im späteren Mittelalter wurden vermehrt Stimmen laut, die die Gütergemeinschaft zum Leitbild für die gesamte Christenheit erhoben und mitunter seine Verwirklichung außerhalb der Klostermauern betrieben.

Christian Hoffarth ergründet die Ursachen dieser wirkmächtigen Neubewertung des biblischen Ideals auf Basis exegetischer Texte des Spätmittelalters. Vom franziskanischen Anspruch auf völlige Besitzlosigkeit bis zu John Wyclifs Ruf nach Enteignung des gesamten Klerus entfaltet die Studie ein breites Panorama mittelalterlicher Vorstellungen von der heilsgeschichtlichen, sozialtheoretischen, rechtlichen und politischen Bedeutung der Urkirche sowie ihres utopischen Potentials.



Christian Hoffarth, Studium der Mittleren und Neueren Geschichte und Germanistik an der Universität Heidelberg. Anschließend Promotionsstipendiat der Gerda Henkel Stiftung und Lehrbeauftragter an der Universität Kiel, seit 2014 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für die Geschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit an der Universität Duisburg-Essen. Forschungsschwerpunkte sind die politische und religiöse Ideengeschichte des späteren Mittelalters sowie die mittelalterliche Bibelexegese.
EDITORIAL6
INHALTSVERZEICHNIS8
VORWORT10
I. EINLEITUNG12
1. Zwischen Normativität und Zukunftsideal: Gütergemeinschaftim spätmittelalterlichen Denken12
2. Das Ideal der Urkirche: Literaturschau20
3. Primat der Exegese: Aufgabenstellung25
4. Methode und Gang der Untersuchung32
II. KONTEXTE39
1. Besitz oder Gebrauch? Gütergemeinschaft bei Plato und Aristoteles39
2. Naturrecht und Sündenfall: Gütergemeinschaft im Decretum Gratiani44
3. Die franziskanische Eigentumsfrage im 13. Jahrhundert49
III. FRANZISKANER, URCHRISTEN UND DIE ENTGRENZUNG DER GÜTERGEMEINSCHAFT: PETRUS IOHANNIS OLIVIS LECTURA SUPER ACTUS APOSTOLORUM64
1. Einführung64
2. Perfectio evangelica – eine paradigmatische Leitlinie71
3. Staatsphilosophie und Heilsgeschichte: Olivis Rezeption82
4. Im Konflikt mit der Welt: Urchristentum und Franziskanerorden86
5. Verfasstheit der Gütergemeinschaft100
6. Apg 4,32: Spirituelles und hermeneutisches Zentrum135
7. Die Güterverteilung153
8. Jurisdiktion der Prälaten – Exegese und Zeitkritik172
9. Zwischenstand 1: Entgrenzung181
IV. URKIRCHE, DOMINIUM UND DIE POLITISIERUNG DER GÜTERGEMEINSCHAFT IM 14. JAHRHUNDERT184
1. Aegidius Romanus: die Apostel als absolutistische Herrscher184
2. Richard FitzRalph: der Klerus als legitimer Nachfolger derUrgemeinde192
3. John Wyclif: Gütergemeinschaft und Gesellschaftsreform204
4. Zwischenstand 2: Politisierung261
V. SYNOPSE: VON DER VITA REGULARIS ZUR TOTA UNIVERSITAS HOMINUM264
ABKÜRZUNGEN272
LITERATURVERZEICHNIS274
1. Quellen274
2. Literatur281
3. Internetressourcen302
REGISTER304
Bibelstellenindex304
Personen und Orte305
Sachen308