: Mary Higgins Clark
: Denn vergeben wird dir nie/Mein ist die Stunde der Nacht - (2in1-Bundle) Zwei Thriller in einem Band
: Heyne Verlag
: 9783641209889
: 1
: CHF 3.60
:
: Spannung
: German
Seit über fünfzig Jahren entwirft Mary Higgins Clark geniale Heldinnen und Plots und ist unangefochten eine Königin der Spannung. In diesem Sammelband sind zwei ihrer besten Romane aus den Jahren 2002 und 2004 zusammengestellt.

Denn vergeben wird dir nie

Ellie Cavanaugh ist außer sich, als der Mörder ihrer Schwester vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird. Zumal er nach wie vor behauptet, unschuldig verurteilt worden zu sein. Ellie war seit dem Geschehen zwanzig Jahre zuvor fest von seiner Schuld überzeugt. Jetzt will sie endgültig den Beweis dafür erbringen.

Mein ist die Stunde der Nacht

Ein Fluch scheint auf der ehemaligen Schulklasse von Jean Sheridan zu liegen. Bereits fünf ihrer früheren Mitschülerinnen sind auf tragische Weise ums Leben gekommen. Noch ahnt niemand, dass ein wahnsinniger Serienkiller, der sich selbst „die Eule“ nennt, dahinter steckt. Wird er sein mörderisches Werk bei dem bevorstehenden Klassentreffen vollenden?



Mary Higgins Clark (1927–2020), geboren in New York, lebte und arbeitete in Saddle River, New Jersey. Sie zählt zu den erfolgreichsten Thrillerautoren weltweit. Ihre große Stärke waren ausgefeilte und raffinierte Plots und die stimmige Psychologie ihrer Heldinnen. Mit ihren Büchern führte Mary Higgins Clark regelmäßig die internationalen Bestsellerlisten an. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den begehrten Edgar Award. Zuletzt bei Heyne erschienen: »Denn du gehörst mir«.

Erster Teil


1


ALS ELLIE AN JENEM Morgen aufwachte, hatte sie das Gefühl, dass etwas Schreckliches passiert war.

Instinktiv griff sie nach Bones, ihrem weichen Schmusehund, mit dem sie, soweit sie zurückdenken konnte, das Kopfkissen geteilt hatte. Als sie im letzten Monat sieben Jahre alt geworden war, hatte ihre fünfzehnjährige Schwester Andrea sie deswegen gehänselt und gemeint, es sei an der Zeit, dass sie Bones zum alten Eisen werfe.

Dann fiel Ellie ein, was nicht stimmte: Andrea war gestern Abend nicht nach Hause gekommen. Nach dem Abendessen war sie zu ihrer besten Freundin Joan gegangen, um für eine Mathearbeit zu lernen. Sie hatte versprochen, um neun Uhr wieder zu Hause zu sein. Um Viertel vor neun war Mommy zu Joans Haus gegangen, um Andrea abzuholen, aber sie hatten ihr gesagt, dass Andrea schon um acht Uhr aus dem Haus gegangen sei.

Mommy war besorgt und den Tränen nahe zurückgekehrt, und fast im gleichen Augenblick war Daddy von der Arbeit gekommen. Daddy war Lieutenant bei der New York State Police. Sofort hatten er und Mommy bei sämtlichen Freundinnen von Andrea angerufen, aber niemand hatte etwas von ihr gehört. Dann hatte Daddy gesagt, er wolle zur Bowlingbahn und zur Eisdiele fahren, vielleicht sei Andrea dorthin gegangen.

»Wenn sie gelogen hat und gar nicht bis neun Uhr Hausaufgaben machen wollte, dann lass ich sie das nächste halbe Jahr nicht mehr ausgehen«, hatte er mit grimmiger Miene gesagt und sich dann an Mommy gewandt: »Ich hab es schon tausendmal gesagt: Ich möchte nicht, dass sie alleine draußen herumläuft, wenn es dunkel wird.«

Daddys Stimme war laut geworden, aber Ellie spürte, dass er mehr besorgt als wütend war.

»Ich bitte dich, Ted, sie ist um sieben Uhr aus dem Haus gegangen und wollte nur zu Joan. Sie wollte um neun wieder zu Hause sein, und ich bin sogar hingegangen, um sie abzuholen.«

»Aber wo steckt sie dann, zum Teufel?«

Sie hatten Ellie ins Bett geschickt, und nach einiger Zeit war sie schließlich eingeschlafen. Vielleicht ist Andrea inzwischen wieder zu Hause, dachte sie beim Aufwachen in banger Hoffnung. Sie schlüpfte aus dem Bett, rannte zur Tür und den Flur entlang zu Andreas Zimmer. Sei da, flehte sie.Bitte, sei da. Sie öffnete die Tür. Andreas Bett war unbenutzt.

Ihre Schritte waren kaum zu hören, als Ellie mit bloßen Füßen die Treppe hinunterlief. Die Nachbarin, Mrs. Hilmer, saß mit Mommy in der Küche. Mommy hatte dieselben Sachen wie gestern Abend an, und sie sah aus, als ob sie sehr lange geweint hätte.

Ellie lief zu ihr. »Mommy.«

Mommy umarmte sie und fing zu schluchzen an. Ellie spürte die Hand ihrer Mutter, die ihre Schulter umklammerte, so fest, dass es beinahe wehtat.

»Mommy, wo ist Andrea?«

»Wir … wissen … es nicht. Daddy und die Polizei suchen nach ihr.«

»Komm, Ellie, zieh dich schon mal an, dann mach ich dir inzwischen Frühstück«, sagte Mrs. Hilmer.

Niemand hatte ihr gesagt, sie solle sich beeilen, weil der Schulbus bald käme. Ohne zu fragen, wusste Ellie, dass sie heute nicht zur Schule gehen musste.

Sie wusch sich pflichtschuldig Gesicht und Hände, putzte ihre Zähne, bürstete sich die Haare, zog dann ihre Spielkleider an – ein T-Shirt und ihre blaue Lieblingshose – und ging wieder hinunter.

Gerade als sie sich an den Tisch gesetzt hatte, auf den Mrs. Hilmer Saft und Cornflakes gestellt hatte, kam Daddy zur Tür herein. »Keine Spur von ihr«, sagte er. »Wir haben überall gesucht. Es gibt einen Typen, der gestern in der Stadt von Tür zu Tür gegangen ist, um für irgendeinen blöden Zweck Geld zu sammeln. Er war am Abend im Imbisslokal und ist gegen acht Uhr wieder gegangen. Auf dem Weg zum Highway müsste er an Joans Haus vorbeigekommen sein, ungefähr um die Zeit, als Andrea es verlassen hat. Sie sind auf der Suche nach ihm.«

Ellie bemerkte, dass Daddy den Tränen nahe wa