KAPITEL 4:
DARWINISTEIN ARSCHGESICHT!
Es ist nicht immer einfach, Freunde und Familie davon zu überzeugen, dass nur ein Pferd (oder eben ein Einhorn) das Menschlein sehr glücklich machen kann. Meist wird mit Unverständnis reagiert, gerade, wenn der künftige Pferdebesitzer noch jung ist. Jedem Jugendlichen sollte daher folgender Satz locker auf der Zunge liegen: »Lieber Reiten als abends vorm Penny lungern.«
Unsere Einhornreiterin hat dieses Alter zum Glück hinter sich gelassen, sie hat einen Mann, ein Kind, kurzum: ihre eigene Familie, die gar nicht erst besonders lange überzeugt werden muss. Denn das Kind liebt natürlich Ponys jetzt schon über alles, und der Mann hat es aufgegeben, seiner Frau dreinzureden. Die sind bereits geimpft.
Aber die kritischen Verwandten, allen voran die Eltern der neuen Einhornbesitzerin, die sehen das ganz anders. Ein Pferd kostet sehr viel Geld und wird ständig krank. Und was man davon hat, ist ihnen auch nicht so begreiflich.
So hat unsere Einhornreiterin folgendes unangenehme Telefongespräch mit ihrem Vater:
»Warum kannst du dir denn nicht ein Pferd mieten? Das ist doch günstiger, und das kann man auch wieder abgeben!«
»Ich möchte das Einhorn gar nicht abgeben, sondern behalten. Das ist wie ein Hund, den gibst du doch auch nicht ab. Du hast den Bommel auch nicht abgegeben.«
»Ja, aber der kostet auch nicht so viel.«
»Dann ist es eben ein teurer Hund. Und es ist ein schöner Sport. Du bist doch dafür, dass man Sport machen soll.«
»Ja, aber Reiten ist ja auch kein Sport!«
Hier schluckt unsere Einhornreiterin kurz, denn diesen Unfug kennt sie mittlerweile. Es bringt auch gar nichts, ihrem Vater das deutlich zu machen.
»Für Emma ist das auch gut, ein Tier zu haben. Da kann sie Verantwortung lernen.«
»Emma ist 2, was soll sie mit einem Pferd?«
»Einhorn!«
»Was?«
»Egal.«
»Hast du mal drüber nachgedacht, woher du das Geld nimmst? Pferde sind ja immer krank.«
»Ich habe mir das schon gut überlegt. Und versichern kann man die auch.«
»Wo denn?«
»Na, bei einer Versicherung.«
»So ein Unsinn! Das gibt es doch gar nicht.«
»Doch, klar gibt es das. Auch bei den ganz normalen Versicherungen. Bist du nicht bei der Allianz?«
»Ja.«
»Siehst du, die versichern auch Pferde. Oder Hunde. Der Bommel ist auch versichert.«
»Das hat deine Mutter gemacht.«
Die Einhornreiterin seufzt tief und holt noch einmal Luft. »Schau mal, ich möchte gerne mein eigenes Einhorn. Ich will nicht immer nur auf den Reitschulpferden reiten, da komme ich nie weiter. Und ich möchte einfach eine nette Zeit haben und einem schönen Tier ein Zuhause geben, das es vielleicht woanders nicht bekommt.«
»Hast du dir etwa eins vom Tierschutz geholt?«
»Nein, aber …«
»Das stirbt doch direkt. Weißt du noch, bei Tante Ute? Die hat auch den bescheuerten Straßenhund geholt. Wie alt ist der geworden? Drei?«
»Ja, aber …«
»Und Pferde kosten ja auch richtig viel, wenn die krank sind. Was machst du dann?«
Hier legt unsere Einhornreiterin den Hörer auf. Weil man das Gespräch sonst ab der Mitte neu anfängt. Es ist einfach nicht erklärbar, wenn jemand nicht verstehen will. Da sind Pferde- und Einhornreiter völlig gleich, sie kämpfen alle gegen denselben Widerstand. Und beide werden auf Familienfesten gerne gefragt, ob man dieses teure Ding namens Pferd oder Einhorn etwa immer noch hat. Und was es schon alles gekostet hat. Das fragt komischerweise niemand bei einem Auto oder einem anderen teuren Hobby.
Auch der Einhornreiterin steht das bevor. Und zwar für eine lange, lange Zeit, immerhin plant sie ja auch langfristig. Das Einhorn soll bei ihr alt werden und eines Tages friedlich einschlafen.
Auch wenn der Vater natürlich einen wunden Punkt erwischt hat. Pferde sind teuer, wenn sie krank werden. Hat man auch nur einmal nicht gut aufgepasst, kann es das Pferd das Leben kosten. Und vorher hat man noch den Geldbeutel ordentlich strapaziert.
Denn wenn wir ehrlich sind, sind Pferde Kreaturen, die es eigentlich nicht mehr geben dürfte. Das klingt total dramatisch, aber es ist tatsächlich die Wahrheit. So ein Pferd kann (muss aber nicht) an einer Menge Dinge sterben. Und zwar an wesentlich mehr Dingen als eine ordinäre Katze oder ein Hund. Schneller und kurioser sterben eigentlich nur Kaninchen.
Auf Millionen Hochglanzbildern entschwindet sie gen Sonnenuntergang, die majestätische Kreatur Pferd, so kennen wir sie, galoppierend und schnaubend. So frei, dass sie an einem Grasbüschel haltmacht – und tot umfällt.
Hier eine makabre Hitliste von Dingen, an denen ein Pferd sterben kann:
Weide
Der oben erwähnte Grashappen ist der Killer. Man stellt das Pferd zurück auf die Koppel, nachdem man einen netten Ausritt gemacht hat – und am nächsten Tag liegt es einfach tot da. Das Phänomen tritt vermehrt in England auf, es hat auch etwas mit der Jahreszeit zu tun, so ganz nachvollziehbar ist es jedoch nicht. Da haben wir’s, das Pferd stirbt sogar an seiner natürlichen Nahrung. Die sogenannte Grass-Sickness, Eicheln au