: Werner Diefenthal, Martina Noble
: Die O´Leary Saga: Engelsklinge
: epubli
: 9783741847271
: 4
: CHF 5.40
:
: Erzählende Literatur
: German
: 453
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
London, 1887 Eine grausame Mordserie erschüttert die Hauptstadt Großbritanniens. Während die junge Sarah O´Leary auf der Suche nach einem Heilmittel für ihren an der zu dieser Zeit tödlichen Syphilis leidenden Verlobten Francis Gordon ist, werden mehrere Prostituierte brutal ermordet. Die Polizei tappt im Dunkeln. Wer ist dieser Mörder, den man Jack the Ripper nennt? Und was hat die junge Sarah O´Leary mit den Morden zu tun?

Was schreib ich über mich? Baujahr 1963, der Oldie im Team. Ich bin der Mann in dem Trio. Also der im Hintergrund. Der Ideentüftler, der sich tagelang über mögliche Wendungen und Fortschritte in den Geschichten das Hirn zermartert. Dabei wandele ich auch auf Solopfaden mit eigenen Projekten, habe aber in den letzten Jahren hauptsächlich mit Martina zusammen die Romane verfasst. Seit einiger Zeit haben wir uns mit unsere Bilder-Zauberin Sandra zusammengetan und mischen als Trio Ars Sistendi die Literaturwelt ein wenig auf.

 

Teil 1

 

London, Mai 1887


 

1. Kapitel


 

Sarah war aufgeregt. Wie sie erfahren hatte, sollte bald das Schiff, auf dem Francis seit über achtzehn Monaten seinen Dienst tat, wieder einlaufen. Nach den letzten Berichten war sie schon auf dem Weg in den Ärmelkanal. Bald würde sie ihren Geliebten wieder sehen und in die Arme schließen können.

»Und dann ist bald Hochzeit«, murmelte die Rothaarige.

»Sarah Florence O´Leary! Was faselst du da wieder?«

Ihre Tante Margret stand auf einmal hinter ihr. Aber als Sarah sie ansah, wusste sie, dass es nicht böse gemeint war. Im Gegenteil! Ihre Tante war mit der Wahl des Bräutigams mehr als zufrieden. Auch wenn sie es nicht zugab, sie freute sich bereits auf die Hochzeitsvorbereitungen.

»Ach Tante Margret. Er war so lange unterwegs.« Sie ließ sich in einen Sessel fallen. »Denkst du, er liebt mich noch? Oder hat er mich am Ende gar vergessen? Was meinst du?«

Margret trat zu ihr und strich ihr über die Haare.

»Kindchen, wenn er dich nicht mehr liebt, dann sollte er besser lernen, wie man sich gegen mich zur Wehr setzt.«

Sarah musste lachen. Sie stellte sich vor, wie ihre Tante hinter Francis herrannte, mit der Bratpfanne in der Hand auf ihn eindreschend. Doch schnell wurde sie wieder ernst.

»Ich habe Angst, Tante. Was, wenn er nicht mehr daran denkt, was er mir versprochen hat?«

Sie erinnerte sich an jenen abend im Sommer 1885. Er hatte ihr eröffnet, dass er auf einem Schoner der Marine auf große Fahrt gehen müsse. Die Ziele waren Indien, Hongkong und Australien. Von dort aus wieder zurück. Sarah hatte sich eine Karte angesehen und war erschrocken gewesen über die riesigen Wassermassen, die ihr Geliebter überqueren musste. Aber er hatte noch eine Überraschung. Aus dem Uniformrock, den er getragen hatte, zog er eine kleine Schachtel hervor.

Dann hatte er sich vor sie gekniet, ihr die Schachtel dargereicht und sie geöffnet. Sarah hatte vor Schreck keine Luft mehr bekommen, als sie den Ring mit einem kleinen Diamanten gesehen hatte.

»Sarah Florence O´Leary. Möchtest du meine Frau werden?«

Sie hatte die Hände vor den Mund geschlagen, die Tränen waren nur so aus ihren Augen gestürzt.

»Francis Gordon …«, hatte sie geflüstert. »Du bist ein verrückter Kerl. Aber ich liebe dich! Und ja, ich will.«

Sie hatte sich umgesehen und noch schnell hinzugefügt: »Aber du musst meinen Vater fragen. Ich bin noch nicht volljährig!«

»Ich werde ihn fragen. Aber ich wollte erst wissen, was du sagst, bevor ich zu ihm gehe.«

Sarah war verblüfft gewesen. Francis war, trotz seiner manchmal steifen Art, recht progressiv. Normalerweise hätte er nur ihren Vater fragen müssen. Hätte er sein Einverständnis gegeben, dann wäre sie vielleicht gefragt worden.

Sie hatte sich vorgebeugt, ihn geküsst. Und er hatte den Kuss erwidert. Doch dieses Mal nicht so unschuldig,