: Werner Diefenthal, Martina Noble
: Der Henker von Rothenburg: Inquisiton in Rothenburg Inquisition in Rothenburg
: epubli
: 9783741839870
: 6
: CHF 5.40
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: Erzählende Literatur
: German
: 383
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Rothenburg, 1526 Nachdem Marie die Wahrheit über ihre Herkunft erfahren hat, macht sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Matthias auf die Suche nach Beweisen, um diese dem Vogt Bernhard Steiner vorzulegen. Jedoch wurde inzwischen der einzige Zeuge, der die Wahrheit kennt, ermordet. Während ihrer Abwesenheit trifft die Inquisition unter der Führung des Inquisitors Ferdinand von Ravensburg in Rothenburg ein und versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Matthias wird von ihm gezwungen, ihn bei der Durchführung der Befragungen zu helfen. Als der Henker sich weigert, ein Kind zu foltern, wird die Situation beinahe aussichtslos und sie müssen beide um ihr Leben fürchten.

Was schreib ich über mich? Baujahr 1963, der Oldie im Team. Ich bin der Mann in dem Trio. Also der im Hintergrund. Der Ideentüftler, der sich tagelang über mögliche Wendungen und Fortschritte in den Geschichten das Hirn zermartert. Dabei wandele ich auch auf Solopfaden mit eigenen Projekten, habe aber in den letzten Jahren hauptsächlich mit Martina zusammen die Romane verfasst. Seit einiger Zeit haben wir uns mit unsere Bilder-Zauberin Sandra zusammengetan und mischen als Trio Ars Sistendi die Literaturwelt ein wenig auf.

 

3. Kapitel

 

Zu der Zeit, als Matthias in den Wald ging, um die Wölfe zu jagen, hatte Marie sich in ihrem gemeinsamen Zimmer eingeschlossen und weinte sich die Augen aus. Es tat ihr schon wieder leid, Matthias angeschrien zu haben.

Wenn sie nur niemals hierher gekommen wären. Alles in ihrem Leben war eine einzige Lüge. Sogar ihre Ehe.

Matthias hatte sie ja nicht einmal geheiratet, weil er sie begehrt hatte, sondern weil Magdalena es ihm gesagt hatte. Und nun war er vielleicht froh, eine Gelegenheit zu bekommen, sie wieder loszuwerden. In Maries Kopf wirbelten die wildesten Verschwörungstheorien, die alle zum Ergebnis hatten, dass Matthias ihr Leben gegen seine eigene Freiheit eintauschte. Im Kopf der Blonden war die Idee, dass Matthias Rothenburg verlassen würde, bereits zur Tatsache herangereift. Verzweifelt weinte sie sich in einen erschöpften Schlaf.

Als Marie später aus wirren Träumen hochschreckte, graute draußen der Morgen. Matthias war nicht gekommen, hatte nicht an die Tür geklopft. Vielleicht bereitete er schon eine Nachricht an den Vogt vor, dachte Marie bitter. Sie erhob sich, spürte die Nachwirkungen des Weins im Kopf und wankte ans Fenster.

Was sie dort sah, sorgte dafür, dass sich ihr alle Haare sträubten – Matthias taumelte aus dem Wald, zog an einem Seil eine graue Masse hinter sich hier, die Marie erst beim zweiten Hinsehen als die Kadaver einer Wolfsgruppe identifizieren konnte. Eines seiner Hosenbeine sowie ein Hemdsärmel waren blutdurchtränkt. Marie starrte ihn an. War dieser Verrückte tatsächlich ganz alleine mitten in der Nacht auf die Jagd nach dem Wolfsrudel gegangen und hatte es auch noch erledigt?

Er hob den Kopf, sah zu ihr hinauf und winkte. Dann brach er ganz plötzlich zusammen.

Marie schrie auf vor Entsetzen. Er durfte nicht sterben! Sie war sicher, dass er diese Irrsinnstat nur begangen hatte, weil sie ihn so angefahren hatte! Sämtliche Ängste waren auf einen Schlag verschwunden. Laut nach dem Chirurgen rufend hetzte Marie die Treppen hinunter und aus dem Haus.

Als Matthias wieder zu sich kam, konnte er kaum die Augen öffnen vor Schwäche. Sein Arm und sein Oberschenkel pochten dumpf, aber erträglich. Marie saß zusammengesunken an seinem Bett und schluchzte leise, während Nikolaus von Brümme gerade seine Tasche schloss.

»Na na, jetzt reg dich doch nicht so auf!«, brummte der Chirurg beruhigend. »Er wird ja wieder. Die Wunden sind gesäubert und genäht und werden schnell verheilen. Wer stark genug ist, ein ganzes Wolfsrudel auszuschalten, den bringen ein paar Liebesbisse so schnell nicht unter die Erde.«

Marie versuchte zu lächeln, aber es wurde nur eine Grimasse daraus.

»Ich danke Euch für Eure Hilfe!«

»Ist doch selbstverständlich. Wenn er aufwacht, gib ihm den Trank, den ich ihm gemischt habe. Das gibt Kraft.«

Damit verließ der Arzt das Zimmer. Marie und Matthias waren allein.

Als er leise stöhnte, bemerkte Marie, dass er wach war, und beugte sich ängstlich über ihn.

»Matthias … was machst du nur für Sachen? Tut es sehr weh? Wie geht es dir?«

Matthias sagte nichts. Er wollte nicht reden, wollte niemanden sehen. Er schloss die Augen wieder. Doch Marie gab nicht nach, plapperte immer weiter.

»Lass mich«, brummte er nur. Was wollte sie noch? Sie hatte ihn letzte Nacht einfach stehen lassen, so wie die vornehmen Menschen in Rothenburg es taten, wenn sie ihn nicht mehr brauchten. Er fühlte sich verletzt. Nicht am Körper, sondern in seiner Seele.

Er hörte, wie die Tür sich öffnete. Ließ sie ihn in Ruhe? Doch dann h