Transatlantik in die Sonne Ocean ohne Compass& Co.
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Bobby Schenk
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Transatlantik in die Sonne Ocean ohne Compass& Co.
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Aequator
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9783957370174
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1
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CHF 13.30
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Biographien, Autobiographien
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German
Ist es möglich ohne Kompass, ohne GPS, ohne Seekarten, ohne Funk und ohne Uhr - kurz: ohne jegliche Navigationsinstrumente den Atlantik zu überqueren und auf der anderen Seite das angestrebte Ziel Barbados zu erreichen? Der Navigationsexperte Bobby Schenk geht mit Carla Schenk und einer sechsköpfigen Crew das Risiko ein. Gelingt der Selbstversuch? Mit welchen Schwierigkeiten haben sie zu kämpfen? Woran orientieren sie sich? Und wie wirkt sich die Ungewissheit auf die Stimmung an Bord aus? Dass dieser Selbstversuch auf der SARITA, einer 16 Meter langen Charteryacht, gelungen ist, ist zu Recht in die Seglergeschichte eingegangen. Der Bericht über diese ungewöhnliche Reise ist nicht nur für Blauwassersegler spannend zu lesen!
Bobby Schenk: Weltumsegler, Autor, Navigationsspezialist. Der gelernte Jurist veröffentlichte zahlreiche Segel-Fachbücher und Reiseberichte und ist auch durch intensive Vortragstätigkeit einem breiten Publikum bekannt.
Heute ist der 17. Dezember 1992. Letzte Nacht ist etwas passiert, das uns alle doch ziemlich erschüttert hat. Während wir bereits die ersten Wetten abschlossen, wann Barbados in Sicht kommen würde, wurde der Wind abends stärker und stärker; wir konnten die Maschine ausschalten, flogen unter Großsegel und gereffter Genua mit acht, teilweise auch neun Knoten nur so dahin und die Stimmung war bestens. Wir tranken unseren Sundowner wie jeden Abend und amüsierten uns über die Schauer um uns herum. Die feine Linie am Horizont war weiß gefärbt. Wir freuten uns, wenn der Regen besonders schräg ins Wasser fiel und es in der Feme blitzte, was gelegentlich die Nacht taghell erleuchtete. Wir hatten ja zurzeit abnehmenden Mond, das heißt, der Mond ging erst lange nach Mitternacht auf, sodass es also gleich nach der Dämmerung stockfinster wurde. Ich war nicht wirklich überrascht, als es plötzlich anfing, hart zu blasen. Es war ungefähr zehn Uhr; wir hatten ja keine Uhr und Zeiten konnten somit nur geschätzt werden. Wir nahmen die Genua ganz weg und ließen vom Großsegel nur noch einen kleinen Rest stehen. Plötzlich wurde es um uns herum richtig wild. Die See begann zu kochen. Selbst Theo, sonst die Ruhe in Person, bat mich, nach oben zu kommen. Inzwischen prasselte der Regen aufs Deck, also suchte ich mir Ölzeug heraus. Ich hatte es aber noch nie zuvor benutzt und fand den Südwester nicht. So warf ich mir in der Eile nur die Jacke über und ging nach oben. Um uns herum herrschte Chaos. Das Großsegel stand back. Es war eine enorm starke Windbö und mir wurde sofort klar: Das bereits gereffte Groß musste ganz weg. Wir halsten. Der schwere Sturm machte eine Wende von vornherein unmöglich. Ich schätzte die Bö auf Windstärke 10 bis 11. Sie trieb mir die Regentropfen mit solcher Gewalt ins Gesicht, dass sie wie Nadelstiche schmerzten. Am schlimmsten tat es in den Augen weh, selbst wenn sie zugekniffen waren. Jetzt hätte ich einen Tipp von befahrenen Seglern für solche Fälle ausprobieren können: Tauchermaske benutzen. Doch in dem Chaos und in der Hektik war gar nicht daran zu denken, auf der SARITA nach Tauchsachen zu suchen. Sofort war ich auch unter dem Ölzeug triefend nass. Ich zog die Jacke aus und versuchte, jetzt ohne Schutz gegen den Regen, das Schiff auf einem Kurs vor dem Wind zu halten. Ich ließ mich nach wenigen Minuten am Ruder wieder ablösen. Obwohl die Situation in der Dunkelheit bedrohlich wirkte, nahm ich eine kurze Regendusche. Vor wenigen Stunden noch waren wir durch tropische Temperaturen gesegelt. Jetzt war es empfindlich kalt geworden, bereits nach fünf Minuten fror ich. Theo war wie immer der erste, als es zu handeln galt. Er stand bereits am Mast, um den Rest des Großsegels zu bergen. Ich ging langsam in den Wind. Die wenigen Quadratmeter Großsegel schlugen und knatterten ohrenbetäubend, bis Theo sie endlich weggerollt hatte. Doch die Ruhe, die wir dadurch gewonnen hatten, war nu