: Mathias Wirth
: Distanz des Gehorsams Theorie, Ethik und Kritik einer Tugend
: Mohr Siebeck
: 9783161549564
: Religion in Philosophy and Theology
: 1
: CHF 83.60
:
: Christentum
: German
: 458
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Als Tugend beschworen, in Katastrophen geendet: der Gehorsam. Nationalsozialismus, gewaltsame Erziehung, auch in kirchlicher Verantwortung, insgesamt die Diskreditierung der Ich-Instanz in Gehorsamsdiskursen, problematisieren eine Beziehungsform, die bis heute viel diskutiert, aber wenig systematisch untersucht worden ist. In der gefundenen Distanzstruktur des Gehorsams liegt der philosophische und theologische Beitrag dieser Studie zur Erforschung des Gehorsams: Das Problem des Gehorsams ist eine Distanz, die zwischen Person und Akteur, Wollen und Sollen auftritt. Im Gehorsam tun Personen etwas, das sie eigentlich nicht wollen - sonst wäre der Befehl unnötig. Mathias Wirth diskutiert die manchmal auch nur behauptete Distanz zwischen Person und Akteur als ethisches und religiöses Problem. Diese Arbeit wurde mit dem Wissenschaftspreis Hannover 2014 ausgezeichnet. Außerdem wurde der Studie der Ernst Wolf-Preis 2017 der Gesellschaft für Evangelische Theologie in der Kategorie A (Dissertationen/Habilitatione ) zugesprochen.

Geboren 1984; Studium der Ev. Theologie und der Kath. Theologie sowie der Philosophie; 2012-2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf; 2014 Promotion. 2017-2018 Feodor Lynen Postdoc an der Yale Divinity School. Seit 2018 Assistenzprofessor (mit tenure track) für Systematische Theologie/Ethik an der Theologischen Fakultät der Universität Bern.
Cover1
Vorwort6
Inhaltsverzeichnis8
Einleitung12
Teil I: Paradigmen des Gehorsams32
Kapitel 1: Religiöser Gehorsam: Abraham34
1.1 „Im tödlichen Gehorsam verfärbt sich nicht einmal das Gesicht Abrahams“ (Philo von Alexandrien) – Gottes Infantizidwunsch und Abrahams Gehorsam35
1.2 Zwischen Hingabe, Verantwortung und Freiheit: Zur Interpretation des Gehorsams Abrahams in Genesis 2241
1.3 Zwischen bedürftiger Hinfälligkeit und Verantwortlichkeit: Religiöser Gehorsam im Alten Testament49
1.4 Zwischenfazit: Distanz des religiösen Gehorsams51
Kapitel 2: Politischer Gehorsam: Nationalsozialismus54
2.1 Die Theorie des Gehorsams in Rede und Schrift der Nationalsozialisten61
2.2 Die religiöse Dimension des nationalsozialistischen Gehorsams73
2.3 Die Praxis des Gehorsams im Nationalsozialismus I: NS-Erziehung78
2.4 Die Praxis des Gehorsams im Nationalsozialismus II: NS-Medizin89
2.5 Gehorsam als Verteidigungsstrategie von Täterinnen und Tätern des Nationalsozialismus vor Gericht (Nuremberg-Defense)93
2.6 Zwischenfazit: Distanz im politischen Gehorsam99
Kapitel 3: Psychologischer Gehorsam: Die Experimente Stanley Milgrams102
3.1 Gehorsam im Experiment: Die Berichte von Milgram105
3.2 Zur Interpretation des monströsen Gehorsams im sozialpsychologischen Experiment112
3.3 Exkurs: Zimbardos Stanford-Prison-Experiment123
3.4 Zwischenfazit: Gehorsam und Distanz im Experiment der Sozialpsychologie129
Teil II: Philosophie und Ethik des Gehorsams136
Kapitel 4: Problem-Facetten des Gehorsams138
4.1 Immanuel Kants Aufklärung der Unmündigkeit in Erziehung und Religion138
4.2 Kritische Theorie der Frankfurter Schule und Kritik des Gehorsams (Adorno, Horkheimer, Fromm, Marcuse)165
4.3 Hannah Arendt, die Vision republikanischer Gleichheit und der kritische Mensch210
4.4 Michel Foucaults These der kapillaren Macht und der gehorsame Körper227
Kapitel 5: Problem-Facetten des Ungehorsams255
5.1 Friedrich Schleiermacher und das Gefühl schlechthinniger Abhängigkeit als Nährboden des Gehorsams?256
5.2 Emmanuel Lévinas, das befehligende Antlitz und die Asymmetrie der Unterworfenheit266
5.3 Hans-Georg Gadamers Hermeneutik und die Bedeutung von Autorität und Vorurteil287
Kapitel 6: Fazit: Aspekte einer Ethik des Gehorsams300
Teil III: Distanz des Gehorsams und Distanz zum Gehorsam. Zur Rekonstruktion einer evangelischen Beziehungsform312
Kapitel 7: Gottes anderes Herrschersein. Vom neuen christlichen Unbehagen gegen den Gehorsam316
7.1 Falk Wagner und die Unhaltbarkeit des asymmetrischen Gott-Mensch-Modells317
7.2 Eberhard Jüngels Kritik eines despotischen Glaubensgehorsams327
7.3 Wolfgang Huber und die Kirche als Anwältin der Freiheit343
Kapitel 8: Freundschaft und der Versuch der Restrukturierung eines evangelischen Rates353
8.1 Exodus als partnerschaftliches Freiheitsgeschehen361
8.2 Psalm 119 und die liebenden Tränenbäche372
8.3 Fußwaschung (Joh 13,1–20) als Ausdruck von Freundschaft und Machtverzicht381
8.4 Vom Ende des Knechtseins: Vos amici mei estis (Joh 15,14–15)389
8.5 Bibeltheologisches Ergebnis: Das Liebesgebot als Gehorsamsverbot396
Kapitel 9: „Glaubhaft ist nur Liebe“ – die Distanzstruktur des Gehorsams als religiöses und ethisches Problem (Resümee)400
Literaturverzeichnis408
Namenregister452
Sachregister454