: Olaf Jahnke
: Patientenrache Ein Fall für Roland Bernau
: Größenwahn Verlag
: 9783957711052
: 1
: CHF 8.90
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 300
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Unbekannte verprügeln im Frankfurter Bahnhofsviertel einen Mann und verletzen ihn schwer. Einige Tage später wird in Bad Homburg ein anderer Mann auf offener Straße zusammengeschlagen und auf die Intensivstation gebracht. Obwohl beide Opfer Sachbearbeiter bei der gleichen Wiesbadener Versicherung tätig waren, glaubt die Polizei nicht an einen Zusammenhang. Doch dem Zufall bleibt bei der Abteilungsleiterin selten etwas überlassen und somit beauftragt sie Privatermittler Roland Bernau mit dem Fall. Während seiner Recherchen in den Akten der Versicherung wird dem agilen Ex-Polizist schnell klar, dass es sich bei den Schadensfällen, an denen die beiden Männer zuletzt gearbeitet hatten, um Probleme in Kliniken handelte, und zwar hauptsächlich im Taunus. Ein Termin mit dem ehemaligen Chefarzt, Prof. Dr. Krahe, dessen Meinung öfters von Richtern und Staatsanwälten angeforderte wurde, soll Informationen und Einblicke für den Ermittler bringen. Doch der inzwischen deutlich über siebzig Jahre alte Mann wird kurz vorher vor einem Bordell brutal zusammengeschlagen und stirbt. Wer sind die Angreifer, die auf einem auffälligen Motorrad davonfuhren? Und was hat der pensionierte Chefarzt aus Fulda mit dem Frankfurter Rotlichtviertel zu tun? Olaf Jahnke liefert eine spannende Geschichte über Vertrauen, Betrug und Gesundheit, basierend auf Ereignissen, die er im Rahmen seiner jahrelangen Arbeit für Fernseh- und Zeitungsreportagen erlebt hat. Seine Erfahrungen und Kontakte ermöglichten ihm, diesen packenden Krimi zu schreiben. Privatermittler Roland Bernau durchstreift bereits zum zweiten Mal das Rhein-Main-Gebiet und gerät ins Kreuzfeuer von Versicherungsinteressen, medizinischen Schadensfällen, Patientenbedürfnissen und den Mächten der Justiz. Die menschlichen Schicksale, die hier beschrieben werden, sind - leider - bittere Realität.

Olaf Jahnke ist 1963 in Uelzen geboren und lebt seit 1982 in Hessen. Geschrieben hat er schon früh. Zuerst für die Schülerzeitung, danach für die Lokalzeitung, später erschienen seine Artikel in überregionalen Zeitungen. Nach sieben Jahren bei der Fernsehproduktion der FAZ wechselte er zum Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen. Olaf Jahnke arbeitet als Kameramann und Reporter für den Hessischen Rundfunk in Frankfurt.

Reha


Die beiden Termine in Wiesbaden brauchten nicht so viel Zeit, wie ich eingeplant hatte. In meinem Kopf schwirrte ständig die Sorge um Julia. Gestern hatte man sie in eine andere Klinik gebracht. Die Ärzte in den Horst-Schmidt-Kliniken hielten es bereits zum jetzigen Zeitpunkt für angebracht, sie in eine Reha zu verlegen. Ihre Schussverletzungen heilten äußerlich gut. Ich mochte nicht daran denken, wie viele Kugeln sie getroffen hatten. Und dass ich die Schuld daran trug. Hätte ich sie nicht in meinen letzten Fall hineingezogen, wäre sie nie entführt worden. Nur weil ich der Polizei nicht getraut hatte, war ich mit dem Kopf durch die Wand und meinte, die Entführer angreifen zu müssen, obwohl das SEK schon Stellung bezogen hatte. Ich Idiot. Ihre Lungen arbeiteten nicht wie vorher, das rechte Schultergelenk bestand zu Teilen aus neuen Materialien. Ihre Ärztin befürchtete, dass es zu langanhaltenden sozialen Problemen kommen könne. Ob Julia die Stärke besitze, sich in vergleichbaren Situationen frei zu bewegen, ob auf Plätzen oder in der Nacht. Für eine Zeitungsredakteurin der Frankfurter Umschau nicht unwichtig. Ganz zu schweigen von unserer Beziehung, die sich noch gar nicht richtig entwickelt hatte, bevor es passiert war.

Ich bog in Niedernhausen auf die A3 in Richtung Köln. Eigentlich wollte ich erst morgen nach Bad Camberg fahren, aber ich konnte nicht solange warten. Die Tachonadel zuckte deutlich über die erlaubten 120. Nach einigen Minuten sah ich in der Ferne die riesigen Gebäude der Klinik, die an den westlichen Hängen des Taunus klebte.

Im modernen Foyer saßen Patienten und spielten Uno. Ich musste mit meiner Doppelkopfrunde dringend mal wieder die Karten dreschen, sonst suchten die sich noch einen anderen Mitspieler.

»Guten Tag, können Sie mir bitte sagen, wo ich Frau Zeiss finde?«

Die wohlbeleibte Dame am Empfang versprühte eine positive Gemütlichkeit. Sie nickte und tippte den Namen in die Computertastatur.

»Ihr Zimmer ist im vierten Stock, es ist allerdings keine Besuchszeit.«

»Aber wenn es der Heilung dient.« Ich schenkte ihr mein freundlichstes Lächeln.

»Da haben Sie natürlich recht. Verraten Sie mich nicht beim Arzt. Zimmer 442.«