: Ellen Lugert
: Russisch Rückwärts Tagebuch einer Reise
: Größenwahn Verlag
: 9783957710970
: 1
: CHF 11.70
:
: Briefe, Tagebücher
: German
: 200
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wodka, Blinis, Zar und Zobel - das ist typisch russisch! Oder etwa nicht? Eine junge Frau macht sich mit 25 Jahren auf, um diese Frage für sich selbst zu beantworten. Ein Jahr St. Petersburg, ein Jahr in einer multikulturellen Wohngemeinschaft leben. Zwischen knallenden Korken, liebestrunkenen Russen und den verlockenden Leckereien der russischen Küche erhält sie vor Ort durch ihre Mitarbeit bei der deutschsprachigen Sankt Petersburgischen Zeitung einen lehrreichen Einblick in die russische Gesellschaft. Was sie dabei erlebt, hält sie in ihrem Tagebuch fest, das weniger die große Politik widerspiegelt als vielmehr das Leben der Leute von nebenan, an dem sie immer wieder, gastfreundschaftlich eingeladen, teilnehmen darf. Sie fährt nach Sotschi und an den Baikalsee, sie reitet im Altai-Gebirge und reist bis in den Fernen Osten nach Wladiwostok. Russland bietet viel Zeit und Raum, den Alltag - und die Nächte - zu entdecken. Ellen Lugert, als Teilnehmerin eines Austauschprogramms, das im Gegenzug Kinder aus der Region Tschernobyl nach Deutschland holte, war zwölf Jahre alt, als sie das erste Mal gen Osten aufbrach. Von da an hat sie die Faszination an der russischen Kultur nie mehr losgelassen. Durch ihre Tagebucheinträge über Freundschaft, Liebe, Arbeit und Essen werden all die Facetten der russische Gesellschaft sichtbar, betrachtet von einer jungen deutschen Frau, die mit ihrem Rucksack und dem Zug - immer rückwärts zur Fahrtrichtung sitzend - abenteuerliche Reisen in das größte Land der Welt erlebt. Neben den Tagebuchaufzeichnungen, enthält dieser Band auch die Zeitungsartikel der Autorin sowie Rezepte aus der russischen Küche, die sie nach Deutschland in ihre Familie mitbrachte.

Ellen Lugert ist 1980 in der Lutherstadt Wittenberg geboren. Nach dem Abitur hat sie die Laufbahn zur Polizeibeamtin im Land Brandenburg eingeschlagen. 1993 bereiste sie das erste Mal Weißrussland, über die Deutsch-Russländische Gesellschaft e.V., insbesondere die Städte Mogiljov und Mozyr. Seitdem entstand eine enge Freundschaft zwischen ihr und Gastvater Andrej, die bis heute anhält. 2006/2007 nahm sie ein Sabbatjahr in Russland, über den Deutsch-Russischen Austausch e.V. in Berlin, in dem sie das erste Halbjahr in St. Petersburg für die deutschsprachige St. Petersburgische Zeitung gearbeitet hat und in einer internationalen 4er-Wohngemeinschaft wohnte, das andere Halbjahr bereiste sie per Eisenbahn das Land in alle vier Himmelsrichtungen: Weißrussland, Murmansk/Finnland, Moskau-Novosibirsk-Altai-Baik l-Wladiwo-stok und Sotschi. Die Autorin lebt heute mit ihrer Familie in Potsdam und bald in der Nähe von Rostock.

Tagebuch einer Reise


Aufzeichnungen 2006-2007


 

21. Juli

Inzwischen ist so viel Zeit vergangen, dass alles organisiert ist. Ich habe mein Visum für ein Jahr Russland bereits im Pass eingeklebt und mein Transitvisum für Weißrussland. Die Besuche dafür im Konsulat und im russischen Reisebüro sind auch eine Geschichte für sich. Anstrengend, aufregend, erstes Mal schnüffeln an der russischen Mentalität. Unfreundlichkeit hoch drei. Aber ich habe sie! Mit meinem WG-Zimmer geht auch alles in Ordnung, 200 Euro im Monat, Modem, eigenes Zimmer, zwei Stationen vom Newski Prospekt entfernt. Hört sich perfekt an, bin schon mal gespannt, wie es wird. Ab September soll ein Finne einziehen. Ab 1. September fange ich bei der St. Petersburgischen Zeitung (SPZ) an. Vom Bahnhof werde ich abgeholt vom Deutsch-Russischen Austausch (DRA). Alles geregelt: Visa, Wohnung, Arbeit. Nun hoffe ich, dass alles so klappt und schön wird, wie ich es mir vorstelle. Für mein Zimmer hier in Potsdam habe ich eine Zwischenmieterin gefunden, Gabriella. Sie geht danach für ein Jahr nach Paris. [...] Meine Möbel lasse ich drin, sodass ich, wenn ich zurückkomme aus Sankt Petersburg (SPB), wieder einziehen kann.

Heute war mein letzter Arbeitstag. Schon komisch. Meine Nachfolgerin ist Anett vom Schwimmen. Ich hoffe, sie findet sich gut ein und kann die Aufgaben ebenfalls so gut erledigen, aber gemeinsam mit Doreen dürfte dies kein Problem sein. Mit Doreen werde ich sicherlich den intensivsten Kontakt halten können, sie ist eine sehr treue Gefährtin. Gestern Abend habe ich gemeinsam mit meinen Kollegen beider Arbeitsgruppen meinen Abschied in dem russischen Restaurant namens Alexandrowka gefeiert. Habe Okroschka, Brot, Gemüse und Wodka bestellt. Im Rucksack hatte ich noch einen weiteren Liter Wodka, der tatsächlich in dieser Hitze ausgetrunken wurde! Nicht schlecht. Ich denke, es hat allen ganz gut gefallen. Habe eine Mini-Rede gehalten. Dann wurde ich, als auch die Urlauber kamen und Herr W.(!) da war – es waren ALLE da –, offiziell verabschiedet. Das war ein merkwürdiges Gefühl, drei Jahre Ministerium ade. Habe ein supertolles Abschiedsgeschenk bekommen: eine Flasche Brandenburger Wein, Buch, Marzipan, Matroschka, eine ganz tolle beschriebene Karte und einen Gutschein im Wert von sage und schreibe 120 Euro! Den will ich nächste Woche mit Doreen bei K. Sport einlösen. Habe mich sehr gefreut. [...]

Nun habe ich ein Jahr frei! Irre! Ich wünsche mir sooo sehr, dass alles schön wird. Morgen Abend ist hier in der WG große Abschiedsparty: »Russendisko«.

Verabschiedung von meinen Eltern im August 2006

27. Juli

Die »Russendisko« war spitze! Die Bude war wieder voll, alle Polizisten von mir waren da und Hanschi sogar von zu Hause. Wir hatten diesmal die neue Anlage aus dem Waschhaus, und es war so laut, dass wir sogar eine Anzeige wegen Ruhestörung verpasst gekriegt haben. [...]

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