: Gerhard Schütz
: Mit Leichtigkeit zur Selbsthypnose Praktische Anleitungen für die Kraft des Unbewussten.
: Junfermann Verlag
: 9783955715908
: 1
: CHF 22.60
:
: Angewandte Psychologie
: German
: 144
: kein Kopierschutz/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF/ePUB
Selbsthypnose ist ein leicht zu erlernendes Werkzeug. Sie hilft beispielsweise dabei, Schmerzen zu lindern, Ziele (Gewichtsreduktion, Stressbewältigung) zu erreichen oder tiefsitzende Ängste (Auftrittsangst, Flugangst) und leichte depressive Verstimmungen zu überwinden. Dieses Arbeitsbuch hilft Ihnen, die Techniken effektiver Selbsthypnose zu verinnerlichen. Kurze Tests zur Selbsteinschätzung, Schritt-für-Schritt-Anleitung n und wichtiges Hintergrundwissen sorgen für einen schnellen Einstieg. Die Hypnoseforschung hat in den letzten Jahren einen unbeschreiblichen Hype erlebt. Inzwischen ist nachgewiesen, dass Hypnose heilende Veränderungen in der Gedanken- und Gefühlswelt eines Menschen bewirkt, dass sie Schmerzen lindern und gedrückte Stimmungslagen positiv beeinflussen kann. Auf der beiliegenden CD befinden sich zwei längere Hypnosetexte zum Anhören.

Dr. Gerhard Schütz Ist Psychotherapeut mit dem Schwerpunkt Hypnose und Hypnosetherapie in eigener Praxis in Berlin. Er ist Trainer und Supervisor der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose (DGZH) e.V. Weitere Informationen unter: http://www.gerhard-schuetz.de

1. Hypnose – einem Phänomen auf der Spur


1.1 Historische Entwicklung


Hypnotische Behandlungsmethoden sind uns seit frühester Zeit überliefert. Bereits im zweiten Jahrtausend v. Chr. finden wir die ersten schriftlichen Überlieferungen, die darauf hindeuten, dass man bereits damals mithilfe von Hypnose heilschlafähnliche Zustände erzeugte.

Um etwa 400 v. Chr. begegnen wir dem im antiken Griechenland etablierten Äskulapkult, bei dem kranke Menschen in einem besonderen Heilschlaf, dem Tempelschlaf, kuriert werden sollten. Zwar wird der Tempelschlaf nicht mit hypnotischen Methoden eingeleitet, in seiner Wirkung jedoch ist er durchaus mit hypnotischen Zuständen vergleichbar. Eingeleitet wurde er mittels feststehender Rituale wie Fasten, religiöse Reinigungen oder auch Waschungen. Religiöse Elemente spielten hier eine übergeordnete Rolle; unter der Aufsicht von Priestern wurden die tranceähnlichen Zustände, häufig verbunden mit dem Inhalieren oder Einnehmen von Rauschmitteln, eingeleitet, begleitet und vertieft. In den daraufhin erlebten Träumen der Kranken erschien ihnen Gott und gab Hinweise auf die Entstehung der Erkrankung und einer möglichen Genesung.

Sehr ähnliche Praktiken finden wir auch heute noch bei verschiedenen Naturvölkern oder auch beim Schamanismus. Der Schamane beginnt eine Reise in das Seelenleben des Kranken und bändigt oder vertreibt die zerstörerischen Kräfte oder Geister. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts fanden ähnliche Praktiken auch in Europa statt, hier jedoch unter dem Begriff Exorzismus. Dabei bestand die Heilung des Kranken ebenfalls aus der Verbannung oder Vertreibung des Bösen, das für den Zustand des Kranken verantwortlich gemacht wurde, aus dem Seelenleben des Leidenden.

Erst mit dem Namen Franz Anton Mesmer (1734–1815) löste sich die Hypnose von ihrem mystisch-dämonischen Hintergrund. Mesmer, ein vom Bodensee stammender Arzt, formulierte die Theorie des animalischen Magnetismus. Für ihn bestand das Universum aus einer Art allumfassender Energie, einem alles durchdringenden Fluidum. Gesundheit und Krankheit würden sich in einem unterschiedlichen Verteilungsverhältnis des Fluidums widerspiegeln. Bei einem Kranken beispielsweise sei das Fluidum nicht gleichmäßig über seinen Körper verteilt, sondern ungleichmäßig, an einigen Stellen sei also die Kraft des magnetischen Energiefeldes gering. Infolgedessen bestand die Heilung aus der Wiederherstellung einer gesunden Verteilung der magnetischen Energie. Mittels feiner Bewegungen der Arme des Hypnotiseurs wurde das Fluidum wieder in ein gesundes Verteilungsverhältnis „gestrichen“, wie gleichmäßig verstrichene Butter auf einer Scheibe Brot. Diese Streichbewegungen sind auch als Mesmersche Passes bekannt geworden.

Mit Hippolyte Bernheim (1840–1919), einem Mediziner der Fakultät von Nancy, änderte sich das Verständnis von hypnotischen Vorgängen grundlegend. Durch die Entdeckung der Wirkweise sogenannter Suggestionen (geistig-psychische Beeinflussung) wurde die Hypnosetheorie auf eine neuzeitliche Basis gestellt. Für Bernheim lag das Mystische der Hypnose nicht in einem ominösen Fluidum oder einer alles durchdringenden esoterisch anmutenden Energie, sondern lediglich in der Macht sprachlicher Äußerungsformen, der Macht des gesprochenen Wortes. Seine Theorie besitzt im Großen und Ganzen heute noch Gültigkeit.

Die weitere Entwicklung der Hypnose und Selbsthypnose ist mit dem Namen Johannes Heinrich Schultz (1894–1970), einem deutschen Psychiater und Entwickler des Autogenen Trainings, verbunden. Außerdem wurde das Verständnis von hypnotisch-geistigen Prozessen vom amerikanischen Arzt Milton Erickson (1901–1980) grundlegend erweitert. Erickson steht für die indirekten und beiläufigen Formen, mit denen eine Hypnose eingeleitet werden kann.

1.2 Die Mechanismen des Unbewussten


Vereinfacht könnte man sagen, dass unsere geistige Welt zweigeteilt ist: in das Bewusste und das Unbewusste. Gemeinhin gilt dabei die Annahme, dass wir unser Verhalten und unsere konkreten Handlungen bewusst steuern können. Dieser Betrachtungsweise liegt jedoch ein schwerer Einschätzungsfehler zugrunde. Wenn unser Bewusstsein wirklich eine so allumfassende Macht über unser Verhalten und unsere Handlungen hätte, dann sollte es ein Leichtes sein, Verhaltensänderungen herbeizuführen, zum Beispiel sich das Rauchen abzugewöhnen. Doch so einfach ist es eben nicht. Raten Sie einem starken Raucher, der sich von der Zigarette lösen will, doch einmal, dass er die Rauchentwöhnung „rein rational“ angehen solle. Dies wird kaum gelingen. Warum nicht? Weil die meisten elementaren Entscheidungen über unser Verhalten und unsere Handlungen nicht bewusst gesteuert sind, sondern von unbewussten Impulsen beeinflusst werden. Unsere Entscheidungen im Leben sind also größtenteils emotional begründet. Der Gefühlsapparat mit den dazugehörenden Gehirnarealen, den Mandelkernen, steuert uns in den meisten Bereichen unseres Lebens mehr, als wir glauben.

Biophysiologisch betrachtet ist unser Bewusstsein in der Hirnrinde, dem Kortex, lokalisiert. Der Kortex ist eine mehrere Millimeter dünne Schicht, die wie eine Mütze über das Gehirn gezogen ist.

Im Gegensatz dazu hat das Unbewusste seine Basis in den gefühlsgesteuerten Teilen des Hirns, dem limbischen System mit den beiden Mandelkernen. Kortex und Mandelkerne tauschen sich fröhlich miteinander aus, aber meist sehr einseitig. Die Mandelkerne sind viel „gesprächiger“ als der Kortex, sie senden viel mehr Informationen als umgekehrt (s. Abb. 1.1).

Abbildung 1.1: Austausch der Nervenimpulse zwischen Mandelkern und Kortex

Und genau an dieser Stelle setzt die Kraft der (Selbst-)Hypnose ein. Mittels Hypnose oder Selbsthypnose kann man positive Imaginationen erzeugen, die den Mandelkern erfreuen und ihn dazu veranlassen, die Kommunikation mit dem Kortex ebenfalls positiv zu gestalten. Dadurch kommt es zu einem besseren neuronalen Austausch und mit ein wenig Glück auch zu positiven Veränderungen im Verhalten und Erleben.

Im hypnotischen Zustand sind die Verbindungen zwischen Kortex und Mandelkern eher labil und flüchtig. Beruhigende Worte und schöne Bilder wirken hier wie Medizin. Sie verändern die feinen Stellschrauben der fest genieteten negativen Stimmungsarchitektur und sorgen auf diese Weise für das Erleben neuer Erfahrungen und Kräfte.

Wenn Sie sich im Alltag gelegentlich Tagträumen hingeben, befinden Sie sich ebenfalls in genau so einem Trancezustand. Er dient Ihrer Erholung: Komplexe Sachverhalte und die Vielzahl an Reizen aus Ihrer Umgebung werden hier mit der klärenden Kraft Ihres Unbewussten systematisiert und vereinfacht. Während dieser Zeit sind Ihr kritischer Verstand und Ihr analytisches Denken vermindert – hier sind sie ansprechbar, aber auch anfällig für Suggestionen.

Je geringer die Ausprägung Ihres kritischen Denkens ist, desto stärker können Suggestionen wirken. Kleine Kinder beispielsweise ve

Cover1
Inhalt6
Vorwort8
Einleitung10
1. Hypnose – einem Phänomen auf der Spur18
1.1 Historische Entwicklung18
1.2 Die Mechanismen des Unbewussten19
1.3 Realität und Pseudorealität23
1.4 Selbsthypnose und Fremdhypnose25
2. Gut vorbereitet in die Selbsthypnose28
2.1 Bauchatmung28
2.2 Fokus auf positive Gedanken29
2.3 Reizmonotonisierung30
2.4 Verlangsamung30
2.5 Innerer Dialog31
2.6 Peripheres Sehen32
2.7 Trainieren der Aufmerksamkeitsfokussierung33
3. Meine Stärken und Schwächen34
3.1 Selbststeuerungs- und Interaktionsfertigkeiten34
3.2 Defizite gezielt ausgleichen mit Hypnose39
4. Herausforderungen meistern42
4.1 Der Weg zum Ziel42
4.2 Der Blick in die Zukunft46
5. Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt48
5.1 Die Suche nach individuellen Ressourcen49
5.2 Die positive Pseudorealität auf der Bühne51
6. Das perfekte Ich – der positive Doppelgänger54
6.1 Schluss mit der Optimismus-Verzerrung54
6.2 Werden Sie zu Ihrem Doppelgänger56
7. Ein Mantra entwerfen60
7.1 Identifizieren von negativen Mantras60
7.2 Wie formuliert man ein positives Mantra?62
7.3 Mit positiven Mantras Probleme lösen62
8. Stress und Downshifting66
8.1 Stressoren und ihre Auswirkungen67
8.2 Physiologie des Stresses70
8.3 Die Ampelmetapher71
8.4 Weitere Übungen zum Downshifting75
9. Erinnerungen verändern84
9.1 Erinnerungspfade und Erinnerungsflächen84
9.2 Übungen zur Veränderung der Erinnerung86
9.3 Erinnerungen und Identität88
9.4 Die Kodierung der Erinnerung91
10. Übungen zu speziellen Problemfeldern94
10.1 Schlafstörungen94
10.2 Rauchen96
10.3 Übergewicht98
10.4 Spannungskopfschmerzen100
10.5 Immunabwehr102
11. Hypnose bei Kindern104
11.1 Grundlagen104
11.2 Wie Kinder lernen106
11.3 Hypnotische Herangehensweisen bei Kindern108
12. Vorlesetrancen110
Literatur142
Adressen wichtiger Hypnosegesellschaften144
Über den Autor145