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Porto, einundzwanzigster November.
Auch am Morgen hielten Wind und Regen unvermindert an. Im Westen schlug eine mächtige Brandung an die Küste. Unaufhörlich donnerten die Brecher auf die Felsen und überspülten den Strand. Die Gischt wehte bis über die Straße, und bei den großen Palmen der Uferpromenade schwangen alle Wedel nach einer Seite.
In langen Schwaden trieb der Regen über die Hügel der Stadt, über die trutzige Kathedrale und den Bischofspalast, über Kirchen und Klöster und das verschachtelte Dächergewirr der Altstadt. Auf den Brücken über den Douro staute sich der Berufsverkehr, und auch auf den übrigen Einfallstraßen ging es nur stockend voran, Wagen an Wagen, mit eingeschalteten Scheinwerfern, in kilometerlangen leuchtenden Schlangen.
»Muito bom dia! Es ist acht Uhr dreißig.« Der Radiosprecher klang so munter wie immer. »Der Starkregen der vergangenen Nacht hat überall im Großraum Porto zu Überschwemmungen geführt. Die Feuerwehr bemüht sich nach Kräften, die verstopften Gullys wieder freizubekommen, aber bis jetzt muss im gesamten Stadtgebiet mit erheblichen Verkehrsbehinderungen gerechnet werden. Besonders betroffen sind – «
Ana Cristina schaltete um auf Musik. Sie brauchte keine Stauwarnung mehr, sie stand schon im Stau, auf dem inneren Stadtring. A