Kapitel 1
Blond. Blauäugig. Groß. Eine Göttin. Meine Güte. Das Universum lachte mich aus, und ich stand völlig erstarrt da und musterte die Frau mit der Modelfigur von oben bis unten. Sie sah aus wie Rachels übermenschlich perfekte Schwester. Und ich dachte schon, Rachel sei umwerfend. Weit gefehlt.
Die Frau stand neben einem glänzenden schwarzen Porsche Boxster und wirkte ganz zappelig, als wäre sie unglaublich aufgeregt. Rhythmisch trommelte sie mit den Fingern gegen das Schild mit meinem Namen darauf, das sie hochhielt. Die Art, wie sie auffällig von einem Stilettoabsatz auf den anderen trat, verstärkte die glühenden Wellen nur noch, die sie auszuströmen schien. Aber vielleicht war das auch bloß die Hitze von Miami. Himmel, ich ging fast ein, und die Frau war einwandfrei zurechtgemacht, als wäre sie gerade einem Rockvideo entsprungen. Ihre Jeans war so eng, dass ich die schöne Kurve ihres Hinterns bewundern konnte. Aber das Tanktop war der Knaller. Quer über die großen Möpse standFass mich an und stirb geschrieben. Um den glatten Hals trug sie bestimmt zehn Ketten verschiedener Länge und Größe, teilweise mit Perlen. Ihr Haar war rockstarmäßig zu einem komplizierten Geflecht gezwirbelter und loser Strähnen zusammengesteckt.
Nachdem ich sie, wie mir schien, minutenlang angestarrt hatte, traf mich ihr stahlblauer Blick. Schnaufend warf sie das Pappschild durch das Autofenster und schlenderte zu mir herüber. Sie betrachtete meine fließenden schwarzen Haare, das leichte Sommerkleid und die schlichten Ballerinas, die ich an den großen Füßen trug.
»Das wird doch nie was.« Verzweifelt schüttelte sie den Kopf. »Na los, Zeit ist Geld«, meinte sie flapsig über die Schulter. Der Kofferraum ging auf, und ich warf meinen Koffer hinein.
»Ich bin übrigens Mia.« Ich streckte die Hand aus, und sie setzte eine ultracoole Pilotensonnenbrille auf, drehte sich zu mir und sah mich über den Rand hinweg an.
»Ich weiß, wer du bist. Immerhin habe ich dich ausgewählt.« In ihrer Stimme schwang etwas Widerwille mit. Sie ließ den Wagen an und gab Gas, ohne darauf zu warten, dass ich mich angeschnallt hatte. Mein Körper wurde nach vorn geschleudert, und ich hielt mich am Armaturenbrett aus Glattleder fest.
»Hab ich dir was getan, oder wieso bist du so genervt?« Ich zog meinen Gurt zurecht und schaute