: Sabrina Holitzner
: Leseförderung in den Niederlanden am Beispiel der Stiftungen »Stichting Lezen«, »Stichting Lezen& Schrijven« und »Stichting Collectieve Propaganda van het Nederlandse Boek«
: Mainzer Institut für Buchwissenschaft
: 9783945883402
: 1
: CHF 6.10
:
: Buchhandel, Bibliothekswesen
: German
: 118
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Zahlreiche Studien zeigen, dass immer weniger Kinder und Jugendliche zum Buch greifen. Dies ist eine negative Entwicklung, da Lesen eine wesentliche Kernkompetenz und Kulturtechnik ist. Gleichzeitig zeigt dieser Umstand, wie wichtig Leseförderung ist. In dieser Arbeit wird die Leseförderung in den Niederlanden anhand der drei niederländischen Lesestiftungen Stichting Lezen, Stichting Lezen& Schrijven und Stichting Collectieve Propaganda van het Nederlandse Boek dargestellt. Die unterschiedlichen Maßnahmen und Kampagnen zur Leseförderung werden ausführlich beschrieben und auch auf Veränderungen im Laufe der letzten Jahre wird eingegangen. Durch den Blick auf ein anderes Land wird die Möglichkeit eines internationalen Vergleichs eröffnet, durch den sich auch neue Anregungen für die Leseförderung in Deutschland gewinnen lassen. Diese Arbeit ist Teil der Reihe Initialen, in deren Rahmen herausragende Abschlussarbeiten der Mainzer Buchwissenschaft veröffentlicht werden.

Sabrina Holitzner wurde 1990 in Mainz geboren. Im März 2016 schloss sie ihr Bachelorstudium in den Fächern Buch- und Filmwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ab. Derzeit absolviert die Autorin den Masterstudiengang Buchwissenschaft in Mainz. Durch jährliche Reisen in die Niederlande entwickelte die Autorin ein großes Interesse für die niederländische Sprache und Kultur. In Anlehnung daran wählte sie als Untersuchungsgegenstand ihrer Arbeit die Leseförderung in den Niederlanden.

2Leseverhalten und Lesegewohnheiten in den Niederlanden


In den Niederlanden greifen vor allem Frauen, höher Gebildete und Menschen, die über 50 Jahre alt sind, regelmäßig zum Buch. Sie lesen dadurch auch insgesamt mehr Bücher.[80] Menschen zwischen 50 und 59 Jahren sowie Frauen gehören auch in Deutschland zu den kontinuierlichen Buchlesern.[81] Im Jahr 2014 wurden in den Niederlanden durchschnittlich elf Bücher (gedruckt oder digital) gelesen. Im Vergleich zu 2013 (13 gelesene Bücher) und 2012 (15 gelesene Bücher) ist diese Anzahl rückläufig. 47 Prozent der Bevölkerung hat 2014 ein bis fünf Bücher pro Jahr gelesen, 31 Prozent sechs bis 20 Bücher, 15 Prozent mehr als 20 Bücher und sieben Prozent gar keine Bücher. 2014 wurden in den Niederlanden im Durchschnitt fünf Bücher (gedruckt oder digital) pro Person im Jahr gekauft.[82] In Deutschland haben 2014 41 Prozent der Bevölkerung ein bis neun Bücher im Jahr gelesen, 20 Prozent zehn bis 18 Bücher, 22 Prozent mehr als 18 Bücher und 17 Prozent gar keine Bücher. 2014 hat jede Person in Deutschland durchschnittlich 11,3 Bücher gekauft.[83] Das macht deutlich, dass es in Deutschland mehr Menschen gibt, die 2014 generell keine Bücher gelesen haben. Dennoch werden in Deutschland jährlich prinzipiell mehr Bücher als in den Niederlanden erworben.

Betrachtet man die Lesehäufigkeit, dann haben 2014 29 Prozent der Niederländer mindestens dreimal in der Woche (17 Prozent davon sogar täglich) in einem Buch (gedruckt oder digital) gelesen. 41 Prozent haben selten oder nie ein Buch zur Hand genommen.[84] 2008 haben neun Prozent der Deutschen täglich ein Buch zur Hand genommen, 22 Prozent mehrmals die Woche und 41 Prozent selten oder nie.[85] In Deutschland und den Niederlanden wird also gleich wenig gelesen.

Pro Tag wenden Niederländer durchschnittlich 36 Minuten auf, um Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften zu lesen. Das unterscheidet sich je nach Altersgruppe. 10- bis 19-jährige Niederländer lesen zwölf Minuten am Tag, 20- bis 59-Jährige 30 Minuten und über 60-Jährige 68 Minuten. Der europäische Durchschnitt liegt bei 28 Minuten pro Tag. In Deutschland sind es durchschnittlich 37 Minuten, die die Bevölkerung täglich zum Lesen nutzt. Deutsche 10- bis 19-Jährige lesen mehr am Tag (23 Minuten) als die gleichaltrigen Niederländer. Deutsche 20- bis 59-Jährige lesen pro Tag genauso so lange wie Niederländer in diesem Alter. Die über 60-Jährigen in Deutschland wiederum bringen täglich weniger Zeit zum Lesen (59 Minuten) auf.[86]

Niederländische Kinder zwischen sieben und 15 Jahren lesen häufiger als niederländische Erwachsene. Die Lesehäufigkeit nimmt ab, je älter die Kinder werden. 2012 haben 68 Prozent der Siebenjährigen fast täglich in einem Buch gelesen. Von den Elfjährigen haben nur noch 44 Prozent fast täglich zum Buch gegriffen, von den 15-Jährigen 21 Prozent (siehe Abbildung 5).

Mädchen lesen generell öfter als Jungen. Im Monat lesen Sieben- und Achtjährige rund drei Bücher. Diese Anzahl nimmt ab, wenn sie älter werden, denn mit 15 Jahren sind es nur noch rund 1,5 Bücher monatlich. Bei niederländischen Kindern im Alter von sieben bis 15 Jahren sind Lesebücher, Comics und Sachbücher am beliebtesten. Dabei bevorzugen sie spannende Bücher, Abenteuer- und F