: Lothar Struck
: »Der mit seinem Jugoslawien« Peter Handke im Spannungsfeld zwischen Literatur, Medien und Politik
: Verlag Ille& Riemer
: 9783954202027
: 3
: CHF 10.60
:
: "Deutsche Sprachwissenschaft; Deutschsprachige Literaturwissen- schaft"
: German
: 333
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die vorliegende Studie ist der erste umfassende Versuch, Peter Handkes Jugoslawien-Engagement im Wechselspiel mit seiner öffentlichen Wahrnehmung darzustellen. Die tiefgründige Analyse ermöglicht es, die allzu bequemen Urteile über Handkes Äußerungen zu Jugoslawien infrage zu stellen und öffnet so den Weg zu einer Neubewertung. Dabei wird gezeigt, wie Biographie, Sprachkritik und Politik einen Dreiklang bilden, in den Handke seine Stellungnahmen für ein Jugoslawien bettet, das für ihn zu einem Ideal eines möglichen Europa wurde, eines Europa, 'wie es sich gehört hätte oder wie es hätte werden können'.

Lothar Struck, geboren 1959 in Mönchengladbach, lebt in Düsseldorf. Er ist Redakteur beim Online-Literaturmagazin Glanz und Elend und betreibt das Weblog Begleitschreiben. Marc Reichwein bezeichnete ihn in einem Porträt für DIE WELT als »Mann, der alles über Handke weiß«.

1. Einleitung


Mit den Unabhängigkeitserklärungen der jugoslawischen Teilrepubliken Slowenien, Kroatien und Mazedonien 1991 bricht der jugoslawische Bundesstaat als eine Spätfolge der Beendigung des »Kalten Krieges« auseinander. Die neuen Kleinstaaten kopieren nun mehr oder weniger erfolgreich »westliche« Gesellschaftsmodelle und wenden sich der kapitalistischen Marktwirtschaft und dem von den USA dominierten atlantischen Verteidigungsbündnis zu.

Für den Schriftsteller Peter Handke bricht im fast wörtlichen Sinn eine Welt zusammen. In seinem Buch »Abschied des Träumers vom Neunten Land« lehnt er unmittelbar nach der Gründung des slowenischen Staates diese neue politische Entwicklung ab. Er argumentiert dabei nicht politisch oder ökonomisch, sondern als Schriftsteller.

Unmittelbar darauf erschütterten in und um Kroatien und Bosnien schreckliche Sezessionskriege mit Vertreibungen und genozidalen Gewaltexzessen, die erst Ende 1995 in Friedensabkommen beendet wurden. Jugoslawien war nun endgültig zerfal