Wer war Jesus wirklich?
1. Was sagte Jesus über sich?
»Kein Mensch weiß, wer ich bin,
und kein Mensch weiß, wer Abba ist –
außer – ich will es ihm enthüllen.«
(Lk 10,22 / Mt 11,27 RÜ)
Das gesamte und gesammelte Gottvertrauen Jesu ist in diesem Satz enthalten. Er weiß, wer Abba ist, sein Vater, und er will ihn uns enthüllen. Mit einem größeren Geschenk kann uns niemand beglücken. Nach Jesus ist Gott Ur-Licht, Ur-Kraft, Ur-Energie und Ur-Keim alles Lebendigen. Vor allem aber ist er Liebe und Barmherzigkeit. Was aber ist Liebe? Sicher mehr als ein christliches Dogma. Sie ist ein Ideal, das uns beflügelt, eine Sehnsucht, die uns treibt, ein Paradies, von dem auch Atheisten träumen. Liebe, sagt der Dalai Lama, ist das Herz aller Religionen. Jesus sagt: Gott ist Liebe. An Gott zu glauben heißt also, an die Liebe zu glauben. Und an die Liebe zu glauben heißt, an Gott zu glauben. Wenn Jesus vom »Vater« spricht, meint er primär die Mütterlichkeit Gottes. Ein Erbarmen ohne Grenzen und ein Vertrauen ohne Wenn und Aber.
Das größte Rätsel menschlichen Lebens und Fragens ist gelöst. Dafür bürgt niemand anders als der wunderbare junge Mann aus Nazareth selbst. Welch ein Anspruch! Welch ein Vertrauen in die Liebe Gottes zu uns Menschen! Sein Gott ist ein Vater, ein Papi, ein mütterlicher Vater. Welch ein Wort Jesu an seine Schüler und an uns, die Schüler seiner Schüler. Worte mit Ewigkeitswert. Er fühlt sich mit diesem Wort über seinen Vater von diesem voll akzeptiert und liebend angenommen. Nie wurde uns über Gott Wahrhaftigeres, Schöneres, Vertrauenswürdigeres und Menschfreundlicheres gesagt.
Bei seiner Taufe schon, am Jordan bei Johannes, am Beginn seines öffentlichen Auftretens, »sah« Jesus den »Himmel offen« und »hörte« die Stimme seines Vaters sagen: »Du bist mein geliebter Sohn.« Für mich ist das die entscheidende Sekunde der Weltgeschichte. Wir haben ein neues Menschenbild, ein neues Gottesbild, ein neues Weltbild: Gott, kein strafender Tyrann, sondern ein liebender Vater und eine liebende Mutter.
Jesus fühlt sich von seinem Vater geliebt und weiß jetzt, dass dieser Gott, der »Herr des Himmels und der Erde« ist. Und er antwortet voller Vertrauen und Zutrauen seinem gütigen Vater: »Ich stimme Dir zu, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du Ungebildeten offenbart hast, was Gebildeten verborgen ist. Ja, Abba, denn so ist es dein Wille.« (Lk 10,21 und Mt 11,25.26 RÜ)
Gerade heute, in einer so genannten »vaterlosen« Gesellschaft (Alexander Mitscherlich) dürfen sich nach dem Zeugnis Jesualle Menschen von einem väterlichen Gott mit vielen mütterlichen Eigenschaften genau so angesprochen fühlen wie Jesus vor 2 000 Jahren: »Du bist mein geliebter Sohn.« Oder: »Du bist meine geliebte Tochter.« Gott liebt dich und mich. Er hat uns von Ewigkeit her gewollt. Wir sind Berufene. Unser Hiersein als Kinder Gottes hat einen tiefen Sinn. Keiner und keine werden verloren gehen, alle werden den Weg nach Hause finden, wenn auch erst nach vielen Umwegen und mehreren Wiedergeburten. Jede Wiedergeburt ist unsere nächste Chance. Die Frage aller Fragen an ein gelingendes Leben heißt: Ist der Tod furchtbar oder fruchtbar? Reinkarnation bedeutet, dass am Ende noch lange nicht Schluss ist (zum Thema »Wiedergeburt« siehe Kapitel 60 und 61). Wir können auf diese Weise Worte über Jesus hören, die wir noch nie gehört haben. Der Mann aus Nazareth ist für uns die Brücke zu Gott. Wir existieren, so wie wir sind, nach Gottes Pl