8. Kapitel:
Tödliche Neuigkeiten
Einem Fehler beim ersten Mord
folgt meist ein zweiter Mord.
Der Autor
Gibbs saß an einem der großen Fenster im Frühstücksraum eines Mittelklassehotels mitten in Newquay. Vor ihm stand seine dritte Tasse Kaffee. Den leergegessenen Teller mit den Resten seines reichhaltigen Frühstücks hatte man bereits abgeräumt. Er blätterte eine am Sonntag erscheinende Boulevardzeitung der übelsten Sorte durch und war froh, nichts über den Mord zu entdecken. Einige dünne Sonnenstrahlen fielen zwischen wässrigen Wolkenschleiern hindurch auf das Tischtuch und ein paar Krümel warfen lange Schatten. Als er sich gerade über das Kreuzworträtsel hermachen wollte, erschien eine etwas verschlafen wirkende Melanie und setzte sich zu ihm an den Tisch.
»Guten Morgen, DS. Na, haben wir gut geschlafen?«, begrüßte Gibbs grinsend seine Assistentin. Er machte sich gern über Melanies Schwierigkeiten lustig, morgens in die Gänge zu kommen.
Melanie nickte und hauchte ein kaum vernehmbares »Guten Morgen, Sir«. Mit zwei klammen Händen, als säße sie im Wartehäuschen eines verspäteten Vorortzuges und nicht im gemütlich warmen Frühstücksraum eines Hotels, hielt sie sich an der heißen Tasse Kaffee fest, die ihr eine gütige Dame vom Service kredenzt hatte.
»Und Sie, Sir, haben Sie gestern noch etwas herausgefunden in Bezug auf die Briefe?«, wollte Melanie wissen.
Gibbs hatte den Eindruck, die Frage war mehr eine Geste der Höflichkeit, als der aufrichtige Versuch in die berufliche Realität zurückzufinden.
»Und ob!«, strahlte Gibbs. »Als Sie noch in tiefem Schlummer lagen, war ich bereits unterwegs zur hiesigen Metropolitan Police. Habe dort einen sehr liebenswürdigen Superintendent getroffen, der froh ist, dass wir ihm die Arbeit auf Kingman Island abnehmen. Er versprach mir, ein paar Untersuchungen für uns durchzuführen.«
»Heute, am Ostersonntag?«
»Oh, ich habe ihm klargemacht, dass er vom Erfolg dieser Ermittlungen ebenfalls profitieren wird, und ich habe ihm eine gehörige Portion Ruhm und Ansehen für die Aufklärung des Falles in Aussicht gestellt. Natürlich nur, falls ich recht behalte mit meinem Verdacht.«
»Und womit könnten Sie recht behalten?«
Melanies Augen waren auf einmal hellwach.
»Darüber möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt lieber noch nicht sprechen. Könnte ja sein, dass ich falsch liege und mich dann bis auf die Knochen blamiere.«
»Ach, Sie alter Geheimniskrämer.«
»Das ›alter‹ nehmen Sie aber bitte zurück.«
Ein Angestellter des Hauses trat an ihren Tisch und teilte Gibbs mit, dass ein uniformierter Polizist im Foyer warte, der den Chief Inspector dringend sprechen wollte. Gibbs legte seine Serviette beiseite und folgte dem Hotelangestellten nach draußen. Im Foyer stand ein sichtlich nervöser junger Constable, der noch nervöser wurde, als er den berühmten Chief Inspector erblickte. Doch der ging freundlich auf ihn zu und fragte, was denn los sei. Der junge Mann nahm Haltung an und berichtete Gibbs, dass ein gewisser Paul Watford von Kingman Island im Revier angerufen habe und einen neuerlichen Mord gemeldet habe. Man habe ihm zugesagt, dass man die Nachricht sofort weiterleite. Gibbs bedankte sich bei dem jungen Mann und fragte ihn, ob er mit dem Wagen da sei. Doch der arme Kerl benutzte ein Fahrrad.
»Okay, Constable. Ich habe da einen sehr verantwortungsvollen Auftrag für Sie. Fahren Sie unverzüglich in Ihre Dienststelle und alarmieren Sie in meinem Auftrag das Team der Spurensicherung. Wenn es nicht anders geht, lassen Sie das den diensthabenden Beamten tun. Die Leute sollen so schnell wie möglich auf die Insel kommen. Hat dieser Mr Watford gesagt, um wen es sich bei dem Opfer handelt?«
Der junge Polizist schüttelte den Kopf.
»Ich war selbst nicht am Telefon, Sir, aber ich