2. Und danach? Der Hauptteil und das Vortragsende
Sie haben die erste Hürde Ihrer Präsentation – den Einstieg – bereits gemeistert. Nach dieser Kür kommt nun der Pflichtteil Ihres Vortrags – der Hauptteil und das Ende. Besonders in puncto Strukturierung und Argumentationsweg gibt es einiges zu beachten, um zu einem optimalen Präsentationsaufbau zu gelangen. Entscheidend ist außerdem – ebenso wie ein kraftvoller Anfang – ein Abschluss, an den sich Ihre Zuhörer noch lange erinnern werden.
Warum ist die Struktur das A und O einer guten Präsentation?
Sie werden mir zustimmen, wenn ich Folgendes behaupte: Die meisten Zuhörer können die Qualität eines Vortrags oft nur schwerlich beurteilen, weil der Redner oder Präsentator in der Regel einen Kompetenzvorsprung besitzt. Meist steht er ja gerade wegen dieses Vorsprungs auf der Bühne, und eben nicht ein anderer. Da wir jedoch automatisch versuchen, die Qualität von allem zu beurteilen, was wir konsumieren, tun wir das natürlich auch bei einem Vortrag oder einer Präsentation, ganz gleich, ob wir dazu die nötige fachliche Kompetenz besitzen oder nicht. Doch auf was stützen wir unser Urteil, wenn wir die inhaltliche Qualität aufgrund mangelnder Kenntnisse nur schwer bestimmen können? Ganz einfach: Wir suchen uns einen anderen Aspekt, nach dem wir die Präsentation einordnen. Ein beliebtes Bewertungskriterium ist in diesem Fall die Struktur, die unabhängig von den dargestellten Inhalten betrachtet werden kann und daher häufig ausschlaggebend für den Erfolg oder Misserfolg einer Präsentation ist. Beherzigen Sie also immer eine der wichtigsten Präsentationsregeln: Wenn Sie strukturiert sprechen, unterstellt man Ihnen automatisch Kompetenz.
Der Grund: Eine Struktur bietet den Zuhörern Hilfestellung. Sie fühlen sich „an die Hand genommen“, müssen sich nicht selbst in einem Dschungel aus Zahlen, Fakten und Informationen orientieren und können sich deshalb voll auf die Inhalte konzentrieren und diese abspeichern. Wir kennen diesen Effekt vor allem bei einem geschriebenen Text: Absätze helfen uns dabei, uns beim Lesen richtig zurechtzufinden. Ein Text, der keinerlei Struktur aufweist, ist dagegen schwer zu erfassen, auch wenn der Inhalt derselbe ist. Warum sollte das bei einer Rede oder bei einer Präsentation anders sein? Ich kenne keine gute Präsentation, ausnahmslos keine, bei der nicht auch eine gute Struktur maßgeblich gewesen wäre.
Was die Gliederung betrifft, gibt es sowohl die Empfehlung, mit dem Zielsatz zu beginnen und dann die Argumente aufzuzählen als auch den entgegengesetzten Weg zu gehen. Was ist denn nun richtig?
Es ist beides richtig! Sie müssen nur entscheiden, welche Variante im Hinblick auf Ihr Präsentationsziel taktisch klüger ist. Stellen Sie sich das vor wie bei einem Krimi. Mal ist der Mörder bekannt und die Spannung besteht darin, Motive und Hintergründe zu erfahren. Dann gibt es aber auch Krimis, bei denen zu Beginn ein Mord oder ein Verbrechen geschieht und das Ziel nur darin besteht, den Mörder zu ermitteln. Ähnliche Unterschiede gibt es auch je nach Präsentation. Wenn es darum geht, Informationen zu vermitteln und die Zuhörer Ihrem Thema und Ihren Absichten aufgeschlossen und offen gegenüberstehen, ist die sogenannte Pyramidenstruktur hilfreich. Ist Ihr Ziel allerdings, das Publikum von etwas zu überzeugen und beispielsweise für eine Idee oder ein Produkt zu gewinnen, empfiehlt sich ein Aufbau, der auf der klassischen Fünf-Satz-Struktur fußt. Das heißt: Beide Strukturen sind „richtig“ und Sie sollten idealerweise beide Wege beschreiten können.
Wie erstelle ich denn eine Präsentation nach der Pyramiden-Struktur?
Bei der Pyramiden-Struktur beginnen Sie mit Ihren Schlussfolgerungen und Ihrem Ergebnis und verwenden die verbleibende Zeit darauf, den Zuhörern zu erklären, weshalb Ihre Lösung die beste ist. Zum Beispiel bei Vorstandsvorlagen zeigt dieses Prinzip eine hohe Effizienz. Hier kann es sehr hilfreich sein, wenn die Empfehlung des Vortragenden, wie zum Beispiel „Wir sollten die Chancen auf dem osteuropäischen Markt wahrnehmen“, auf Anhieb klar erkennbar ist und dann in der folgenden Präsentation mit Argumenten gestützt wird. Das Schöne an dieser Struktur ist: Als Zuhörer kann man nun, da man die Schlussfolgerung kennt, die folgenden Argumente sehr gut auf ihre Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft hin prüfen. Die Zuhörer lassen sich also nicht mehr bloß von Fakten und Informationen berieseln, sondern nehmen aktiv am Argumentationsprozess teil.
Und was sind die Vorteile einer Fünf-Satz-Struktur?
Immer wenn es darum geht, tatsächliche Überzeugungsarbeit zu leisten, stößt das Pyramiden-Prinzip an seine Grenzen. Warum? Nun, wenn wir jemanden überzeugen müssen, bedeutet das, dass derjenige unserem Ziel mit einer gewissen Distanz gegenübersteht. Sonst müssten wir ihn ja gar nicht erst überzeugen. Irgendetwas hält ihn also davon ab, unserer Schlussfolgerung zuzustimmen. Wenn wir nun zu früh mit der Tür – also unserer Absicht oder unserem Ziel – ins