: Garry J. Shaw
: Götter am Nil Ägyptische Mythologie für Einsteiger
: Philipp von Zabern in der Verlag Herder GmbH
: 9783805349062
: 1
: CHF 20.40
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: Vor- und Frühgeschichte, Antike
: German
: 248
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Garry J. Shaw leitet den Leser in diesem großartigen, illustrierten Überblick durch das Labyrinth der ägyptischen Mythologie. Im Wirken der Götter erschließt sich für die alten Ägypter die Welt. Wenn jeden Tag die Sonne am blauen Himmel aufgeht, so ist das beispielsweise Re, der auf seiner Sonnenbarke über den Himmel zieht. Aber nicht nur die Welt, in der wir leben, auch die Vorstellungen vom Jenseits durchweben die Mythen. Die Götter am Nil sind aber auch zutiefst menschlich und durchaus streitsüchtig. Ihre Abenteuer erzählen Geschichten von Mord und Totschlag, von Machtstreben und mächtiger Liebe. Wie der neidische Seth seinen Bruder Osiris ermordet. Wie die zaubermächtige Isis dem Sonnengott Re seine Macht entreißen will. Wie Re die trunkene Himmelskuh Hathor überlistet und Geb Jagd auf Res magische Perücke macht. Es sind tolle Geschichten, die ein ganzes Universum und die Welt zugleich eröffnen.

Garry J. Shaw ist promovierter Ägyptologe und unterrichtete an der American University in Kairo. Heute ist er Chefredakteur der Zeitschrift ?Al-Rawi: Egypt's Heritage Review? sowie Dozent für die ?Egypt Exploration Society? in London.

1 Unordnung und Schöpfung


Der Versuch, das altägyptische Denken über die Schöpfung zu verstehen – ja, der Versuch überhaupt, die ägyptischen Mythen zu rekonstruieren –, erinnert an die Aufgabe, ein Puzzle zusammenzusetzen, von dem die meisten Stücke fehlen und jemand den Karton weggeworfen hat.

In der Vergangenheit sahen sich die Ägyptologen mit versprengten, vielfältigen und scheinbar widersprüchlichen Überbleibseln von Schöpfungsmythen aus verschiedenen Teilen des Landes konfrontiert. Darum teilten sie diese Mythenschnipsel nach denjenigen Kultzentren ein, von denen sie annahmen, dass sie jeweils die Quelle hervorgebracht (oder vereinheitlicht) hatten – einschlägige Forschungen sprachen von der „Memphitischen Theologie“ (aus der Stadt Memphis) oder der „Heliopolitanischen Theologie“ (aus Heliopolis). Manchmal wurde die Ansicht vertreten, dass diese Kultzentren mit ihren unterschiedlichen Interpretationen in „Wettbewerb“ standen, womit man unterstellte, dass Ägyptens Priester über ihre Kollegen in anderen Städten pikiert waren, weil einer davon dem Gott Amun in seiner Gestalt als „der Große Schnatterer“ den Vorrang gegenüber der göttlichen Kuh einräumte, die den Re hervorbrachte.

Vielleicht war das so. Aber wie die Dinge auch liegen mögen, in Wirklichkeit zeigen die verschiedenen Schöpfungsberichte bemerkenswert viel Verbindendes, de