: James B. Richards
: Setze dem Schmerz ein Ende Schmerz ist unvermeidlich, darunter leiden muss man nicht
: Grace today Verlag
: 9783959330268
: 1
: CHF 8.80
:
: Christentum
: German
: 255
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Täglich erleben unzählige Menschen seelische Schmerzen. Du fühlst dich gezwungen zu lächeln und so zu tun, als wäre alles in Ordnung. Doch wer sieht deine inneren Tränen? Du wurdest verletzt und es scheint, als könnten deine Wunden einfach nicht heilen. Du versuchst irgendwie über die Runden zu kommen, aber kannst die Vergangenheit nicht hinter dir lassen. Du willst vergeben oder hast es bereits getan, aber du kannst das Erlebte nicht vergessen. Bei jeder »passenden« Gelegenheit gräbst du den bereits seit langem begrabenen Schmerz wieder aus, was deine Beziehungen zu Menschen und zu Gott, aber auch dein eigenes Leben lähmt. Es macht dich unfähig, deine Träume zu verfolgen und zu verwirklichen. Dieses Buch löst festgefahrene Denkmuster und befreit dich von negativen Kräften, die dich in der Opferrolle gefangen halten wollen. Du wirst schrittweise durch einen Prozess geführt, der dir hilft, dich von erlebtem Kummer zu befreien und vor künftigem Schmerz zu schützen.

James B. Richards ist Autor, Lehrer, Theologe und Unternehmer, dazu auch ein gefragter Sprecher und persönlicher Berater von Führungskräften in Wirtschaft, Kirche und Politik. Sein persönlicher Prozess, in dem er Jahre voller Schmerz, Zerrüttung und tiefsitzender Bitterkeit hinter sich lassen konnte, hat ihm bewährte Mittel zur Befreiung von erlebtem Schmerz an die Hand gegeben. Richards Vorschläge sind einfach, ausgewogen, gut verständlich und leicht umsetzbar. Sie basieren auf fast 30 Jahren beruflicher und klinischer Erfahrung. Richards lebt und arbeitet in Huntsville, Alabama, USA.

Kapitel 4

Die Kraft der Bedeutung

Nicht die Intensität des Schmerzes bestimmt, wie stark die Auswirkung ist, sondern die Bedeutung, die wir dem Geschehen beimessen.

Jesus warnte uns davor, dass uns andere nach demselben Maßstab verurteilen, mit dem wir sie verurteilen. Der Unterschied ist jedoch, dass sie viel mehr davon zurückgeben werden, als wir gegeben haben. Weiter sagte er:»… und mit dem Maß, das ihr bei anderen anlegt, werdet ihr selbst gemessen werden« (Mt 7,2NGÜ). Das Maß bzw. die Auswirkung, die irgendein Geschehnis auf uns hat, basiert auf zwei Faktoren: Der erste ist die Bedeutung, die wir dem Geschehnis beimessen. Der zweite ist unser Motiv, wenn wir dieselben Dinge tun. Wenn wir etwas messen bzw. einschätzen, indem wir ihm Wert, Umfang und Bedeutung geben, dann entscheidet dieses Maß, welche Auswirkung es auf uns haben wird.

Die Auswirkung, die das Verhalten einer Person auf uns hat, hat wenig mit seiner oder ihrer Absicht zu tun. Die Auswirkung hängt mit unserem Urteil ab bzw. damit, welches Maß wir anlegen. Hinter der Handlung einer Person mag keine böse Absicht stehen, und dennoch kann sie verheerende Auswirkungen haben. Es gibt sogar Handlungen, mit denen Gutes beabsichtigt wird, die aber großen Schmerz verursachen. Wenn solche Dinge geschehen, denken wir:Sie tun mir das an. Die Wahrheit ist: Ganz egal, welche Absichten die Personen haben – wir tun uns das selbst an.

Alles hängt von der Bedeutung ab

Ich bin in einem rauen und gewalttätigen Umfeld aufgewachsen. Ich sah Gewalt, als ich noch sehr jung war, da mein Vater meine Mutter körperlich misshandelte. In meiner Kindheit drohte mein Vater damit, das Haus mitsamt der Familie niederzubrennen. Ich war etwa elf Jahre alt, als ich zum ersten Mal bewusstlos geschlagen wurde. Mein Stiefvater hatte meine Mutter geschlagen, und ich hatte eingegriffen, um sie zu beschützen. Nachdem ich fünf Jahre von zu Hause fort gewesen war, kam ich als Achtzehnjähriger zu Besuch und übernachtete bei meiner Familie. Während dieser Zeit versuchte mein Stiefvater, mich im Schlaf umzubringen.

Wenn Menschen Teile meines Zeugnisses hören, sagen sie manchmal: »Ich kann mir nicht vorstellen, wie du auch nur annähernd normal sein kannst.« Sie denken, dass diese Umstände einen größeren negativen Einfluss auf mein Leben haben sollten. Obwohl ich manche emotionalen Probleme habe, die ich noch nicht völlig erkannt habe, haben die oben beschriebenen Erlebnisse keine wirkliche Bedeutung in meinem heutigen Leben.

Was ich erlebt habe, war offenkundige Ablehnung; eine Ablehnung, mit der man wahrscheinlich am einfachsten umgehen kann, denn sie ist offen und geschieht »geradeheraus«. Bei dieser Art von Ablehnung gibt es nicht viele Hintergedanken und wenig emotionale Manipulation.

Die Situation mit meinem Stiefvater war simpel. Er hasste mich und wollte mich aus dem Haus treiben. Ich hasste ihn und wollte nicht mit ihm im Haus bleiben. Das ist einfach zu verstehen. Bevor ich Jesus als meinen Erlöser aufnahm, war ich meinem Stiefvater gegenüber sehr bitter und hasserfüllt. Ich dachte daran, ihn umzubringen. Nachdem ich errettet war, verurteilte ich ihn nicht länger und befreite mich von dem Schmerz. Obwohl seine Handlungen viel Schmerz in meinem Leben verursachten, war es mein Urteil, welches die Ursache der andauernden Qual war.

Menschen, die zu mir in die Seelsorge kommen, haben Dinge erlebt, die weit weniger dramatisch waren und dennoch einen schwerwiegenderen Einfluss auf ihr Leben hatten. Um ehrlich zu sein, hatte ich in der ersten Zeit meines Dienstes kein Mitgefühl für diese Menschen. In meiner arroganten Selbstgerechtigkeit dachte ich: »Wacht auf! Das steht in überhaupt keinem Verhältnis zu dem, was ich erlebt habe.« Die Hilfe, die ich diesen Menschen anbot, war wahrscheinlich nicht sehr hilfreich. Schließlich erkannte ich, dass es nicht die Intensität des Anstoßes ist, die den Schmerz festlegt; vielmehr ist es immer die Bedeutung, d