1. Selbstanalyse: Feedback geben und empfangen
Feedback geben heißt, einer anderen Person eine Rückmeldung zu geben. Die Rückmeldung kann verschiedene Bereiche betreffen. Sie können Ihrem Gegenüber die Rückmeldung geben, was Sie von seiner Arbeitsleistung halten. Sie können ihm auch mitteilen, wie sein Verhalten auf andere wirkt und wahrgenommen wird. Da es beim Feedbackgeben auch immer darum geht, wie das Verhalten auf Sie, den Feedbackgeber wirkt, sagt Feedback meistens genauso viel über Sie selbst wie über den Feedbacknehmer aus.
Wenn Sie Feedback bekommen, heißt das: Jemand andes sagt Ihnen, wie er Ihr Verhalten erlebt und empfindet. Diese Information brauchen Sie, um sicher sein zu können, dass beim anderen etwas so angekommen ist, wie Sie es beabsichtigten. Durch Feedback – erhaltenes wie erbetenes – vergrößert sich Ihre Selbsterkenntnis.
Jeder Mensch verfügt über ein gewisses Maß an Selbsterkenntnis. Auch anderen Menschen in unserem Umfeld ist dieses Wissen über uns selbst teilweise bekannt. Daneben gibt es jedoch Bereiche in unserem Verhalten, die uns selbst unbekannt sind, die aber, zum Teil, andere Menschen wahrnehmen. Die folgende Tabelle veranschaulicht dies:
Abbildung 1: Das Johari-Fenster: bekannte und unbekannte Bereiche des Verhaltens
ImBereich des freien Handelns finden wir Verhaltensweisen, die wir bewusst einsetzen können und die andere uns gegenüber offen ansprechen. Es sind diejenigen Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen, die uns selbst und den anderen bekannt sind. Derblinde Fleck meint den Teil des eigenen Verhaltens, bei dem uns die Wirkung auf andere oft unklar ist. Derverborgene Bereich heißt so, weil damit Verhaltensweisen, Gedanken und Gefühle gemeint sind, die wir nur einigen, wenigen Menschen offenbaren oder gänzlich vor anderen verbergen. Dasunbekannte Selbst schließlich wird auch das Unbewusste genannt. Diesen Bereich können wir nur mithilfe von Therapeuten, Psychologen und anderen Beratern erschließen und damit neue Aspekte unseres Selbst entdecken.
Ihren Bereich B – den blinden Fleck – können Sie verkleinern, indem Sie andere um konkretes Feedback über Ihr Verhalten bitten, indem Sie z.B. fragen, wie bestimmte Verhaltensweisen auf andere wirken. Auch ohne Nachfrage könnten Sie eine derartige Rückmeldung bekommen, aber dann wäre sie weniger explizit. Das heißt, Sie müssten selbst noch vieles interpretieren, und damit würden Sie das Risiko eingehen, falsche Schlussfolgerungen zu ziehen. Wenn Sie mehr darüber herausfinden, wie andere Menschen Ihr Verhalten wahrnehmen, wird Ihr blinder Fleck kleiner. Umgekehrt gilt: Je kleiner Ihr blinder Fleck ist, desto besser sind Sie sich der Wirkung Ihres Verhaltens auf andere bewusst und desto effektiver können Sie als Führungskraft oder als Mitarbeiter agieren. Bitten Sie deshalb nicht nur um Informationen zu Bereichen, in denen Sie Defizite haben, sondern auch über Ihre Stärken. Feedback dieser Art ist immer subjektiv. Unterschiedliche Menschen geben unterschiedliches Feedback. Das ist auch logisch, denn ein- und dasselbe Verhalten wirkt auf jeden Menschen anders.
Wenn wir um Feedback bitten und wenn wir Feedback bekommen, haben wir Gelegenheit, unseren Bereich B zu verkleinern. Entsprechend größer wird dann der Bereich des freien Handelns, Bereich A. Eine Verkleinerung des Bereichs C – des verborgenen Bereichs – können Sie durch mehr Offenheit herbeiführen. Wenn Sie mehr über sich selbst preisgeben, über Ihre Auffassungen, Standpunkte und Gefühle, hat Ihr Gegenüber die Chance, ein vollständigeres Bild zu erhalten. Der verborgene Bereich wird so verkleinert, der Bereich A entsprechend vergrößert. Ist der Bereich des freien Handelns2 großzügig bemessen, ergeben sich daraus andere Qualitäten von Beziehungen und es kann entsprechend produktiver gehandelt werden, beruflich wie privat. Warum? Es gibt weniger Anlass für Interpretationen, Absichten sind besser zu erkennen und es kommt nicht mehr so oft zu Missverständnissen.
Wenn wir Feedback nutzen wollen, um Bereich B zu verkleinern, müssen wir jedoch einige Voraussetzungen und Regeln beachten. Zunächst muss der Empfänger das Feedback überhaupt wollen. Nicht erbetene Rückmeldungen, mit dem Ziel, die Selbsterkenntnis zu vergrößern, funktionieren im Allgemeinen nicht. Und es muss eine Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens zwischen Feedbackgeber und Feedbackempfänger vorhanden sein. In denKapiteln 3 und4 (Regeln für das Geben von Feedback undRegeln für das Empfangen von Feedback) wollen wir uns diese Voraussetzungen näher ansehen.
In jedem Unternehmen, in jeder Institution ist es etwas ganz Alltägliches, Feedback zu geben und Feedback zu bekommen, aber …
- Ist Ihnen bewusst, welche Wirkung Ihre ganz persönliche Art Feedback zu geben hat?
- Sind Sie sich immer sicher, dass beim anderen auch wirklich angekommen ist, was Sie beabsichtigten?
- Vermeiden Sie es manchmal bewusst, Ihren Kommentar zu etwas abzugeben?
- Halten Sie, um des lieben Friedens willen, mit Ihrer Kritik manchmal hinter dem Berg?
- Und wenn ja: Wissen Sie eigentlich, warum Sie das tun?
- Macht es für Sie einen Unterschied, ob Sie Ihrem Mitarbeiter Feedback geben oder einem Kollegen oder Ihrem Chef?
- Wissen Ihre Mitarbeiter und / oder Kollegen, dass Sie ihre Arbeit schätzen?
Mit diesem Buch möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf diese Fragen lenken und lade Sie ein, über die Schwierigkeiten nachzudenken, auf die Sie stoß