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Die Auswahl der Geschworenen dauerte fünf Tage. Viele Kandidaten kamen nicht infrage, weil sie die drei bis fünf Wochen Zeit nicht erübrigen konnten, auf die der Prozess angesetzt worden war. Andere räumten gegenüber dem Richter ein, dass sie sich bereits eine Meinung über Betsy und ihre Schuld oder Unschuld gebildet hatten. Die meisten schlossen sich dabei dem Tenor der ausführlichen Medienberichterstattung an und hielten sie für schuldig. Schließlich blieben vierzehn Geschworene übrig, sieben Männer und sieben Frauen, die glaubwürdig erklärten, über den Fall zwar gelesen, sich aber keine Meinung gebildet zu haben und beiden Seiten unvoreingenommen gegenüberzustehen. Der Richter hatte ihnen erklärt, dass vierzehn Geschworene ausgewählt und am Ende des Verfahrens, unmittelbar vor der Beratung, zwei Namen ausgelost würden, die als Ersatz fungierten, falls jemand von den anderen zwölf kurzfristig ausfallen sollte.
Es war Dienstag, 8.50 Uhr, die Verhandlung sollte jeden Moment beginnen. Achtzehn Monate waren seit Edward Grants Tod vergangen. Delaney saß mit anderen Reportern in der ersten, für die Presse reservierten Reihe. Die Gerichtsstenografin hatte bereits ihren Platz eingenommen.
Die Tür ging auf, und die Angeklagte Betsy Grant betrat mit erhobenem Kopf und in Begleitung ihrer drei Anwälte den Gerichtssaal. Der oberste Anklagevertreter Elliot Holmes, Vorsitzender der Ermittlungsstelle und seit über zwanzig Jahren bei der Staatsanwaltschaft, hatte bereits am Tisch der Anklage Platz genommen.
Delaney kannte Fernsehmitschnitte und Internetfotos von Betsy Grant, war aber trotzdem überrascht, wie jung die dreiundvierzigjährige Angeklagte aussah.
Betsy trug ein marineblaues Kostüm, dazu eine schmale Perlenkette und dazu passende Ohrringe. Delaney hatte gehört, dass Robert Maynard ihr geraten habe, sich konservativ zu kleiden, ausdrücklich habe er sie davor gewarnt, nicht den vierzigtausend Dollar teuren Diamantring zu tragen, den sie zur Verlobung bekommen hatte. Angemessen sei es stattdessen, den breiten goldenen Hochzeitsring anzulegen, um der Jury deutlich zu machen, wie sehr sie ihren Mann geliebt habe und jetzt um ihn trauere.
Delaneys Blick ging zu Robert Maynard. Seine fünfundsiebzig Jahre sah man ihm kaum an, dachte sie. Er hatte silbernes Haar und hielt sich kerzengerade, auch im Sitzen. Seine beiden Begleiter schienen etwa Anfang dreißig zu sein.
Die Besucherreihen waren bereits gefüllt, was aufgrund des allgemeinen Medienwirbels um den Fall nicht überraschen konnte. Zwei Polizeibeamte standen zu beiden Seiten des Gerichtssaals.
Punkt neun Uhr verkündete der Gerichtsdiener: »Bitte erheben Sie sich.« Richter Glen Roth kam aus seinem Amtszimmer und trat an die Richterbank.
»Guten Morgen. Wir verhandeln in der SacheBundesstaat New Jersey gegen Betsy Grant. Ich eröffne das Verfahren. Sind Sie bereit für Ihr Eröffnungsplädoyer?«
»Ja, Euer Ehren«, antwortete sowohl der Staatsanwalt als auch der Verteidiger.
Der Richter wandte sich an den Polizeibeamten an der Tür zum Zimmer der Jury. »Bitte holen Sie die Geschw