: Sharon Bolton
: Er liebt sie nicht Thriller
: Manhattan
: 9783641174989
: 1
: CHF 2.70
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 480
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Er ist ein Serienkiller. Er hat vier junge Frauen brutal ermordet. Doch auch nach seiner Verurteilung beteuert er noch immer seine Unschuld. Nun sucht er jemanden, der seinen Fall neu aufrollt. Jemanden, der seine Geschichte erzählt. Damit die Wahrheit ans Licht kommt. Maggie Rose könnte das. Doch die erfolgreiche Rechtsanwältin und True-Crime-Autorin zögert. Sie widersetzt sich seinen Bitten, antwortet nicht auf seine Briefe aus dem Gefängnis. Dabei ist er ein charismatischer und erfolgsverwöhnter Mann, gutaussehend und intelligent. Wie lange wird Maggie ihm noch widerstehen können? Denn insgeheim hat sie längst damit begonnen, seine Geschichte aufzuschreiben …

Sharon Bolton, geboren im englischen Lancashire, hat eine Schauspielausbildung absolviert und Theaterwissenschaft studiert. Ihr Debütroman »Todesopfer« machte sie über Nacht zum Star unter den britischen Spannungsautor*innen. Seitdem wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit demDagger in the Library für ihr Gesamtwerk. Sharon Bolton lebt mit ihrer Familie in Oxford.

1. Kapitel

An der Küste des Bristolkanals in Somerset, ungefähr gleich weit von Minehead und Weston-super-Mare entfernt, befindet sich ein großes Abflussrohr.

Niemand kann es leiden.

Durch das Rohr, eine geschwärzte Betonröhre von anderthalb Metern Durchmesser, fließt überschüssiges Regenwasser aus dem Ackerland der Mendip Hills ab; hundert Meter vor der Ufermauer mündet es in den Kanal. Bei Flut stöhnt und brüllt das Meerwasser darin, während Steine und Treibholz mit erschreckender Wucht gegen die Betonwände krachen.

Wenn Wanderer, Hundebesitzer oder Fischer an der Einstiegsluke vorbeikommen, beschleunigen sie ihre Schritte. Ein Viereck aus hohen stählernen Gittern hält sie auf Abstand, doch das käfigartige Gebilde fördert lediglich die Illusion, dass sich da etwas Bedrohliches unter der Erde regt. Und niemand schätzt die stinkenden, öligen Tropfen, die bei jeder hohen Welle durch den Lukendeckel aus feinmaschigem Stahlgitter spritzen. Organisches Material wird dort hineingeschwemmt und verfault. Tatsächlich fängt das Abflussrohr alles ein, was am Meer finster und schrecklich ist, und verdichtet es.

Maggie Rose war das Rohr schon immer unheimlich. In ein paar Minuten wird sie Angst haben, dass sie darin umkommt.

Wenn sie den Strand erreicht, nimmt Maggie meistens den Klippenpfad. An diesem Morgen lenkt eine kleine Stoffpuppe sie ab, die einsam und verlassen auf der Ufermauer liegt. Verdutzt bückt sie sich, um sie aufzuheben. An diesen Strand kommen keine Kinder. Es gibt keinen Sand zum Spielen, und auf den großen glatten Kieselsteinen kommt man schwer vorwärts. Maggie hat hier noch nie ein Kind gesehen und würde mitten im Winter auch nicht damit rechnen.

Die Puppe in der Hand, sieht sie sich um, schaut auf das zornige Wasser, blickt zu den Möwen hinauf, die hoch und verschlagen zwischen den immer tiefer hängenden Wolken gleiten. Auf der Wiese hinter ihr sieht sie Schafe, schlaff und unglücklich in ihren bereiften Wollpelzen.

Der Strand ist verwaist. Ein Kind kann sie nicht entdecken. Nur zwei Menschen, denen möglicherweise eins abhandengekommen ist.

Dort, wo das Regenwasserrohr endet, stehen eine dünne Frau mit kurzem hellem Haar und ein Mann in Anglerkleidung bis zu den Knien im Wasser. Anscheinend versucht die Frau, in das Rohr zu kriechen, doch die brechenden Wellen und der Angler halten sie davon ab.

»Was ist passiert?« Maggie weiß nicht genau, ob die zwei sie hören. Der Wind reißt alle Geräusche mit, außer denen, die er selbst macht. Wieder prallt eine Welle gegen das Paar, und der Mann fällt hin.

Das Wasser ist eiskalt, als Maggie hineintritt, und die rollenden Kiesel machen das Waten gefährlich. Durch das graue schlammige Wasser kann sie den Grund nicht sehen. Ein wenig außer Atem erreicht sie die beiden, gerade als der A