: Kim Stanley Robinson
: Aurora Roman
: Heyne Verlag
: 9783641177676
: 1
: CHF 3.60
:
: Science Fiction
: German
: 560
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Hundertsechzig Jahre Einsamkeit

Es ist das gewaltigste Unterfangen, dem sich die Menschheit seit Beginn der bemannten Raumfahrt je gegenübersah: die Besiedelung eines neuen Sonnensystems. Ein Raumschiff mit Kolonisten machte sich einst auf den Weg zum Tau-Ceti-System, um eine neue Heimat zu finden. Nun, Jahrzehnte später, sind sie beinahe angekommen. Doch welche Abenteuer und Gefahren werden die Menschen dort – 11,9 Lichtjahre von der Erde entfernt – erwarten? Es ist der Beginn einer neuen Zeitrechnung in der Menschheitsgeschichte …

Kim Stanley Robinson wurde 1952 in Illinois geboren, studierte Literatur an der University of California in San Diego und promovierte über die Romane von Philip K. Dick. Mitte der Siebzigerjahre veröffentlichte er seine ersten Science-Fiction-Kurzgeschicht n, 1984 seinen ersten Roman. 1992 erschien mit »Roter Mars« der Auftakt der Mars-Trilogie, die ihn weltberühmt machte und für die er mit dem Hugo, dem Nebula und dem Locus Award ausgezeichnet wurde. In seinem Roman »2312« erkundet er die verschiedenen Gesellschaftsformen, die die Menschheit nach ihrem Aufbruch ins Sonnensystem erschafft. Zuletzt sind bei Heyne seine Romane »New York 2140«, der in einem vom Klimawandel gezeichneten New York der nahen Zukunft spielt, und sein Bestseller »Das Ministerium für die Zukunft« erschienen. Kim Stanley Robinson lebt mit seiner Familie in Davis, Kalifornien.

Freya und ihr Vater gehen segeln.Ihr neues Zuhause ist eine Wohnung, von der aus man direkt auf die Bucht an der Westseite des Langen Teichs blickt. Dort am Kai liegen ein paar kleine Segelboote, mit denen die Leute rausfahren können, und jeden Nachmittag geht ein steifer, anlandiger Wind. »Darum nennt man diese Stadt Windfang«, sagt Badim auf dem Weg hinunter zu den Booten. »Wir bekommen den größten Teil vom Wind ab, der nachmittags über den See weht.«

Sie müssen also das Boot, das sie nehmen, direkt vom Kai aus in den Wind schieben. Badim springt im letzten Moment an Bord und holt das Segel dicht, bis das Boot sich auf die Seite legt, um es dann auf die kleine Küstenstraße entlang der Uferbiegung auszurichten. Freya hält die Ruderpinne fest im Griff, wie er es ihr gesagt hat. Das Boot neigt sich, und sie fahren direkt auf die hohe Seemauer zu und prallen beinahe dagegen, ehe Badim ruft: »Beidrehen«, genau, wie er es angekündigt hat, worauf Freya das Ruder kräftig herumreißt und sich unter dem vorbeischwingenden Baum wegduckt, und mit einem Mal kreuzen sie in die andere Richtung, quer über den Ausläufer der Bucht. Das kleine Segelboot kann nicht allzu hart am Wind segeln, erklärt Badim, und dabei bezeichnet er es als Nussschale, was aber liebevoll klingt. Es ist gerade groß genug für sie beide, und sein eines großes Segel ist über einen Mast gezogen, der Freya höher vorkommt, als der Rumpf lang ist.

Sie müssen mehrmals kreuzen, um aus der kleinen Bucht hinaus und auf den eigentlichen Langen Teich zu kommen. Dort draußen können sie ganz Nova Scotia sehen: bewaldete Hügel um einen See. Die Aussicht reicht bis ans andere Ende des Langen Teichs, wo der Nachmittagsdunst die Ufermauer verbirgt. Die Bäume auf den Hügeln tragen bereits ihr Herbstkleid, das Grün der Kiefern mischt sich mit Gelb, Orange und leuchtendem Rot. Badim sagt, es sei die schönste Zeit des Jahres.

Ihr Segel fängt den stärkeren Wind über der Mitte des Sees ein, wo das Wasser unter den Böen silberblau glitzert. Sie lehnen sich auf der Windseite des Bootes hinaus, um die Krängung auszugleichen. Badim kennt sich mit dem Segeln aus. Immer wieder verändert sich die Windrichtung, und sie lehnen sich entsprechend in Richtung Boot oder Wasser; Badim nennt das »mit dem Wind tanzen.« »Ich bin guter Ballast«, sagt er und lässt das Boot mit seinen Bewegungen etwas schwanken. »Siehst du, der Mast soll nicht gerade nach oben zeigen, er muss ein bisschen zur Seite geneigt sein. Das Gleiche gilt für das Segel, man zieht es nicht so dicht ran wie möglich, sondern lässt es ein wenig locker, damit der Wind gut daran entlangstreichen kann. Man spürt, ob man es richtig macht.«

»Schau mal, Badim, siehst du diese Katzenpfote im Wasser?«

»Du hast einen guten Blick. Das ist eine Kapillarwelle. Mach dich bereit, wir werden nass!«

Eine spiegelglitzernde Erhebung im Wasser bewegt sich schnell auf sie zu, und als die Bö, die die Welle vor sich hertreibt, das Boot trifft, krängt es stark zur Seite. Sie müssen sich dagegenstemmen. Gurgelnd klatscht das Boot mit dem Bug voran durch die entgegenkommenden Wogen und peitscht Gischt a