1. KAPITEL
„Na, sieh mal einer an. Das ist ja interessant. Die kleine Darcy Lennox, in meinem Büro, auf Jobsuche.“
Darcy unterdrückte einen Anflug von Ärger bei seiner Anspielung auf ihre Größe. Sie war überhaupt nichtrichtig klein. Vor allem aber versuchte sie, den Aufruhr all ihrer Sinne in seiner Nähe zu unterdrücken. Nur der breite Schreibtisch trennte sie von Maximiliano Fonseca Roselli.
Er war schlicht und einfach umwerfend. Das war er immer schon gewesen, aber jetzt war er es mehr denn je. Er war ein Mann geworden, nicht mehr der siebzehnjährige Junge aus ihrer Erinnerung. Erotische Anziehung umgab ihn wie ein berauschender Duft.
Max Fonseca Roselli war halb Brasilianer, halb Italiener. Sein dunkelblondes Haar fiel immer noch widerspenstig und zerzaust auf den Kragen – lang genug, um zu zeigen, dass ihm nichts wichtig war, vor allem keine Regeln und Normen.
Doch irgendwann war ihm offensichtlich etwas wichtig genug gewesen, um einer der jüngsten Milliardäre Europas zu werden.
Ein Unternehmer, den man im Auge behalten sollte, hatte eine Finanzzeitschrift ihn genannt.
Darcy konnte sich lebhaft vorstellen, dass zahllose Frauen nur zu glücklich wären, jede seiner sexy Bewegungen im Auge zu behalten. Seine Gesichtszüge waren makellos – fast jedenfalls. „Du hast ja eine Narbe!“, platzte sie heraus.
Die Narbe zog sich von seiner linken Schläfe bis zum Kinn und ließ ihn nur noch geheimnisvoller und düsterer wirken.
Unter ihrem musternden Blick hob er eine Braue. „Deine Beobachtungsgabe ist einwandfrei.“
Darcy errötete. Seit wann war sie so taktlos? Bei ihrem Eintritt in sein imposantes Büro mitten in Roms Innenstadt hatte er sich erhoben. Jetzt standen sie immer noch, und in ihrem Hosenanzug brach Darcy langsam der Schweiß aus. Oder lag es an seinen goldbraunen Augen, die sie schon damals vom ersten Moment an gefesselt hatten?
Er verschränkte die Arme vor der Brust, und ihr Blick wurde unwiderstehlich von den eindrucksvollen Muskeln unter seinem weißen Hemd angezogen. Der oberste Knopf war geöffnet, die Ärmel aufgerollt. Ohne Zweifel war seine Kleidung maßgeschneidert. Doch Max wirkte auch in diesem tadellosen Outfit alles andere als zivilisiert. Dazu war sein Blick zu wissend, zu zynisch.
„Erzähl, Darcy, warum bewirbt sich eine Absolventin vonBoissy le Château um einen Job als Chefsekretärin?“ Bevor sie antworten konnte, ergänzte er mit einer Andeutung von Spott: „Ich hätte erwartet, dass du inzwischen in den europäischen Adel eingeheiratet und eine Schar von Erben produziert hättest – wie jedes andere Mädchen, das diese anachronistische Institution aus mittelalterlichen Tagen besucht hat.“
Gefesselt von seinem goldbraunen Blick, bereute sie, dass sie sich ausgerechnet auf diesen Job beworben hatte. Wie hatte sie das jemals für eine gute Idee halten können? Ich wollte ihn wiedersehen, gestand sie sich ein.
„Nachdem du gegangen warst, bin ich nur noch ein Jahr in Boissy geblieben …“ Sie zögerte und dachte daran zurück, wie Max draußen im Schnee einen anderen Jungen verprügelt hatte, an die blutroten Flecken in dem makellosen Weiß. Sie schob den Gedanken z