: Ralf H. Dorweiler
: Der Pakt der Flößer Historischer Roman
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732530632
: 1
: CHF 8.90
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 525
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Wolfac im Schwarzwald, 1698: Der Flößersohn Jacob brennt darauf, die Welt zu entdecken. Als die Wolfacher mit einer gewaltigen Holzlieferung nach Amsterdam aufbrechen, ist auch er mit an Bord des riesigen Holländerfloßes. Ungezähmte Naturgewalten und skrupellose Widersacher machen die Fahrt zu einem gefährlichen Abenteuer. Doch auf Jacob wartet noch eine andere Herausforderung: die Liebe zur schönen Kaufmannstochter Isabella, die einem Händler aus Amsterdam versprochen ist ...

'Das Floß bot ein beeindruckendes Bild: eine schwimmende Insel, darauf ein Dorf, Wehranlagen und Türme. Und überall Menschen, die aus der Ferne wie Ameisen wirkten. Boote und Kähne umschwirrten das Floß wie Wespen einen Krug Bier im Sommer.'



Ralf H. Dorweiler, geboren 1973 in der Nähe von Frankfurt am Main, hat in Köln Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft studiert. Mittlerweile lebt er im Südschwarzwald, wo er als Redakteur bei einer großen regionalen Tageszeitung arbeitet. Außerdem hat er mehrere erfolgreiche Regionalkrimis veröffentlicht. Ralf H. Dorweiler ist mit einer Opernsängerin verheiratet und Vater eines Sohnes.

Amsterdam, 22. Oktober, anno 1697


Das Licht einer rußenden Pechfackel schickte lang gezogene Schatten voraus, als Francis McAlister durch die Nacht hetzte. Die Bürgerhäuser entlang der schmalen Pflasterstraße reihten sich lückenlos aneinander wie Planken am Rumpf eines Großseglers. Aber nirgends eine verdammte Menschenseele, die er nach dem Weg hätte fragen können.

Mitten auf einer Kreuzung blieb er schwer atmend stehen und ging in die Hocke. Er konnte nicht mehr. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, während er sich suchend umsah. Rechts weitete sich die Straße zu einem größeren Platz, von dem aus Stimmen zu hören waren. Das musste der Nieuwmarkt sein. Francis raffte sich auf und rannte weiter. Fast wäre er gegen drei Männer geprallt, die sich gegenseitig stützten.

»Verzeiht«, brachte er keuchend hervor, »könnt ihr mir sagen, wo ich den Medicus van Delft finde?«

»Weiß nicht«, lallte einer der Trinker, dessen Bart bis zur Brust reichte.

»Aber ich!«, sagte der in der Mitte und löste sich von seinen Kumpanen. »Ist nicht weit.« Er wies auf eine kleine Straße, die vom Marktplatz abging. »Da rein. Dann links. Ein Haus mit hohem Tor und einer Schlange an der Fassade.«

»Ich danke Euch vielmals!«, rief Francis. Dann stürzte er davon.

»Aber es ist schon spät«, plärrte der Betrunkene ihm hinterher.

Kurz darauf gelangte Francis an ein dunkles, verwittertes Holztor. An der Fassade darüber erahnte er ein Emblem mit einer Schlange, die sich um einen Stab wand. Er hämmerte gegen das Tor, bis er Schritte hörte. Eine Holzklappe ging auf, und die zusammengekniffenen Augen eines Mannes begutachteten ihn unwirsch.

»Was macht Ihr für einen Lärm mitten in der tiefsten Nacht?«

»Seid Ihr der Herr Medicus?«

»Wer will ihn sprechen?«

»Ich heiße Francis McAlister«, sagte er erleichtert, endlich an seinem Ziel angekommen zu sein. »Aber es geht um meinen Sohn. Er glüht und hustet Blut. Er braucht unbedingt Eure Hilfe!«

»Warum habt Ihr den Knaben nicht schon am Tag hergebracht?«

»Da habe ich gearbeitet, Mijnheer. Meine Frau ist tot, und nur seine Urgroßmutter passt auf den Jungen auf, aber sie kann nicht mehr gehen.«

»Gebt mir einen Gulden, dann wecke ich den Arzt.«

»Was? Ihr seid gar nicht der Medicus van Delft?«

»Ich diene ihm. Gebt mir das Geld, oder ich lege mich sofort wieder hin.«

»Mijnheer«, flehte Francis, »ich bin nur ein einfacher Hafenarbeiter. Woher soll ich einen Gulden haben? Bitte habt doch Mitleid mit mir. Um des Kindes willen!«

»Von Mitleid kann ich mir nichts kaufen«, fauchte der Mann und schlug die Klappe zu.

Francis stand da wie gelähmt. Einen Moment lang hoffte er, der Mann habe vielleicht gescherzt, würde gleich den Riegel betätigen und ihn eintreten lassen. Doch stattdessen hörte er Schritte, die sich vom Tor entfernten.

»Mach auf, du habgieriger Hundsfott!«, schrie er aus voller Kehle und trat donnernd gegen das massive Portal. »Ich s